Insolvenz von Reiseveranstalter FTI – das sagen die betroffenen Mallorca-Urlauber und die Hoteliers

Die Hoteliers auf der Insel sind nach der Schocknachricht am Montag (3.6.) damit beschäftigt, sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen

Das Hotel Saratoga in Palma.

Das Hotel Saratoga in Palma. / DM

Redaktion MZ

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Es ist der große Schock in der Tourismusbranche zum Beginn des Sommers: Der Reiseriese FTI hat Insolvenz angemeldet. Das gab das Unternehmen am Montag (3.6.) in einer Pressemitteilung bekannt. Dem "Handelsblatt" zufolge soll sich bei FTI kurzfristig eine Deckungslücke in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages aufgetan haben. Der Bund habe nach Verhandlungen am Wochenende weitere Hilfen für den Reiseveranstalter abgelehnt.

Auch auf Mallorca lässt die Insolvenz alle Alarmglocken schrillen. Das Unternehmen hatte zuletzt auf der Insel expandiert. Allein in der vergangenen Sommersaison hatte FTI das Angebot auf Mallorca um 29 Hotels erweitert. Zu den Häusern gehören unter anderem das Hotel Saratoga im Zentrum von Palma, das HM Mar Blau bei Sa Coma, das THB Bamboo Alcúdia und das Palmira Paradise in Peguera. Das Unternehmen setzte dabei sowohl auf klassische Familienurlauber als auch auf den Luxus-Sektor sowie Adults-only-Hotels.

Das sagen die betroffenen Urlauber

Mittlerweile haben sich die ersten betroffenen Mallorca-Urlauber zu Wort gemeldet. Ganz bitter ist die Nachricht von der Insolvenz für Susanne F. : "Ich habe gerade bei Check 24 angerufen und die meinten, ich müsse noch zwei Tage warten bis ich Bescheid bekomme. Für mich stürzt gerade eine Welt zusammen, ich hatte mich so gefreut. Ich fliege jeder Jahr nach Mallorca, für mich ist das eine Tragödie - da ich mir das immer zusammensparen muss. Letztes Jahr bin ich zu meinen Geburtstag gefahren, diesmal wollte ich in mein Lieblingshotel, was ich mir vorher nicht leisten konnte - und hatte extra früh gebucht. Ich hoffe es gibt noch eine Lösung."

Auf Facebook erzählt MZ-Leserin Elke D.: "Der Urlaub von meinem Neffen fällt aus. Es sind zwei Erwachsene und Kinder. Sie haben sich so gefreut und nun das. Das Problem ist, dass die Dame im Reisebüro gesagt hat, das sie ihr Geld wiederbekommen. Aber das kann dauern. Nochmal so eine Summe hat man nicht mal so einfach liegen."

Manch andere haben Glück im Unglück: "Wir sind zu dritt", erzählt Mallorca-Urlauberin Corly L. "Unser Reisebüro hat keine drei Einzelzimmer bei einem Anbieter bekommen. Deshalb haben wir zwei bei einem Anbieter genommen und ein weiteres -natürlich mit Flug und allem- bei FTI. Nun hatte ich Bedenken, dass die dritte Person auf der Strecke bleibt. Aber mein Reisebüro hat mich schon angerufen. Sie kümmern sich und gehen davon aus, dass sie es hinbekommen. Ich bin also -zum Glück- nicht direkt betroffen."

Das sagen die Hoteliers

Noch ist unklar, wie viele FTI-Urlauber sich derzeit auf der Insel befinden und welche Hotels besonders betroffen sind. Der Hoteliersverband FEHM verschafft sich gerade erst einen Überblick. "Wir stehen erst am Anfang eines Prozesses", so eine Sprecherin am Mittag zur MZ in Bezug auf die Rückführung der Urlauber und die finanziellen Konsequenzen für die Hotelwirtschaft auf Mallorca.

Auch beim Hoteliersverband der Playa de Palma, wo FTI mit einigen Hotels vertreten war, gab man sich auf MZ-Anfrage am Montagmittag noch verhalten. Man sei derzeit dabei, die Lage zu prüfen, erklärte Verbandschef Pedro Marín. Betroffen von der Insolvenz sind unter anderen die HM Hotels - und zwar nicht nur auf Mallorca, sondern auch in der Karibik, wie es bei der mallorquinischen Kette hieß.

Eine Sprecherin der mallorquinischen Hotelkette Riu erklärte am Montagnachmittag gegenüber der MZ: "Der Zusammenbruch der FTI-Group ist eine schreckliche Nachricht für die gesamte Branche. Wir von RIU hoffen, dass das Unternehmen diesen schwierigen Moment überwinden und seinen Betrieb wieder aufnehmen kann. RIU arbeitet mit dem Reiseveranstalter in einer Vielzahl von Reisezielen und Hotels zusammen, unter anderem auf den Balearen, den Kanaren und in Andalusien." Die Sprechein zeigte sich darüber hinaus zuversichtlich, dass sich die wirtschaftlichen Auswirkungen im Falle der endgültigen Einstellung der Aktivitäten in Grenzen halten werden.

Auch von der FTI-Insolvenz nicht oder kaum betroffene Hoteliers und Tourismusmanager auf Mallorca sind geschockt: "Schlimm, das ging plötzlich ganz schnell", sagt der Leiter einer Hotelkette zur MZ. "Das tut mir unendlich leid für die Kollegen und alle Betroffenen", sagt ein anderer Manager, der seinerzeit von der Thomas-Cook-Insolvenz betroffen war und daher sehr gut weiß, was nun auf die Mitarbeiter von FTI zukommt.

Das sagt Sidetours, der FTI-Partner auf Mallorca

Mittlerweile gibt es auch ein Statement von Sidetours. Die Incoming-Agentur betreut die FTI-Urlauber auf Mallorca. "Wir sind uns der Tragweite dieser Ankündigung zu Beginn der starken Monate der Saison durchaus bewusst", heißt es in der Pressemitteilung. "Das Team von Sidetours Travel hat sofort nach Bekanntwerden der Meldung reagiert, indem es sich mit unseren Kunden und Hoteliers unterschiedlicher Größe - von Ketten bis hin zu unabhängigen Betrieben - in den verschiedenen Regionen, in denen wir tätig sind, in Verbindung gesetzt hat, um die jeweilige Situation zu bewerten."

Sidetours werde seine Verpflichtungen einhalten. "Wir sind ein Unternehmen mit 50 Jahren Erfahrung, wir werden mit allen Beteiligten sprechen, um die besten Lösungen zu finden. Diese Lösungen werden natürlich auch den Hotelgästen zugutekommen." Laut Sidetours müssen Mallorca-Urlauber, die eine Pauschalreise gebucht haben, was die große Mehrheit ist, auf Nachrichten von der FTI Group warten, die Hinweise auf die Rückkehr zum Herkunftsort enthalten. Das Gleiche gilt für diejenigen, die kurz vor ihrer Reise nach Mallorca standen.

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