Manacor hätte gerne statt weniger Urlauber mehr - nur mit den Hotels klappt es nicht

Statt weniger Urlaubern hätte Manacor gerne ein paar mehr. Doch die Pläne, sie mit schicken Hotels in der Innenstadt anzulocken, scheitern an der Bürokratie. Jetzt steht auch das letzte auf der Kippe

So soll der Innenhof des neuen Luxus-Boutiquehotels "Casal de Manacor Rooms & Pool" aussehen.

So soll der Innenhof des neuen Luxus-Boutiquehotels "Casal de Manacor Rooms & Pool" aussehen. / DM

Redaktion DM

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Sie ist Mallorcas zweitgrößte Stadt und das Zentrum des Inselostens. Trotzdem gibt es in Manacor so gut wie keine Unterkünfte. Ein in den vergangenen Jahren verkündeter Boom von Boutique-Hotels – angekurbelt durch die Zugkraft der Akademie des Tennisstars Rafa Nadal – ist im Sande verlaufen. Von fünf angekündigten Projekten kann wohl nur eines tatsächlich umgesetzt zu werden– und selbst hier fehlt noch immer eine Genehmigung des Rathauses. Dabei sähe man auch dort gerne mehr Urlauber in der Innenstadt.

Dabei klang die Umwandlung teils heruntergekommener Stadthäuser in Boutique-Hotels Erfolg versprechend. Zwei davon sollten direkt neben dem Rathaus entstehen (eins im Carrer Nou und eins im Carrer Baix Riera), ein drittes im historischen Stadtpalast Can Massanet an der Plaça de ses Verdures. Zwei weitere waren im Carrer Francesc Gomila geplant, nur wenige Meter von der viel frequentierten Plaça Sa Bassa.

Genehmigungen blieben aus

Im Fall des Hotels im Carrer Nou hatten die Bauträger bereits erste Genehmigungen beantragt, dann aber festgestellt, dass sie an der kommunalen Bauverordnung scheitern würden, die weniger Zimmer erlaubt, als für einen rentablen Betrieb anvisiert. Auch das im Erdgeschoss vorgesehene Café wäre nicht genehmigt worden.

Ähnlich endeten die Vorstöße, das einstige Wohnhaus des Opernsängers Miguel Riera im Carrer Baix Riera in ein schmuckes Hotel zu verwandeln. Auch hier warfen die Investoren nach einigem Hin- und Her mit den Behörden frustriert hin. Nun kaufte vor wenigen Wochen eine ausländische Investmentfirma das Gebäude, um dort Eigentumswohnungen einzurichten.

Ähnliches zeichnet sich auch im Fall von Can Massanet ab. Bis vor einigen Monaten gehörte das Gebäude der mallorquinischen Familie Ferrer Vallespir. Der aus Manacor stammende Architekt Llorenç Brunet hatte in ihrem Auftrag bereits ein virtuelles Projekt erstellt, das anschaulich zeigt, wie das Haus gemeinsam mit einem angrenzenden Gebäude zu einem luxuriösen Hotel umgestaltet werden könnte. Doch vor einem halben Jahr wurden auch diese Pläne verworfen – und ein deutscher Investor erwarb Can Massanet. Er setzt ebenfalls auf eine Lösung, die weniger bürokratischen Aufwand mit sich bringt: Eigentumswohnungen.

Auch das Vorhaben im Carrer Francesc Gomila ist an der örtlichen Bürokratie gescheitert. Bauträger hatten im November 2021 ein Projekt angemeldet, mit dem er das einstige Hotel Felip de Manacor aufwerten wollte. Hier sollten 22 luxuriöse Zimmer entstehen. Doch auch diese Pläne sind vom Tisch.

Arbeiter stehen in den Startlöchern

Allein das Projekt um das wenige Meter entfernte Gebäude in der Hausnummer 26 ist nicht abgeschrieben – zumindest noch nicht. Noch immer hält der Unternehmer Gaspar Forteza an der Idee fest, aus dem Haus ein Hotel zu machen. Casal de Manacor Rooms & Pool soll das Schmuckstück heißen – wenn es denn tatsächlich zum Umbau kommt. Forteza wartet seit knapp zwei Jahren darauf, dass das Rathaus die Baugenehmigungen erteilt. „Die Arbeiter stehen in den Startlöchern, aber die Lizenz kommt nicht. Das gefährdet das gesamte Projekt“, sagt der Unternehmer.

Das sagt die Stadtverwaltung

Grund für die langen Wartezeiten sind strukturelle Probleme im Baudezernat. Es fehlt an angestellten Fachleuten, Architekten und Ingenieuren. Die Wartezeit für einfache Baugenehmigungen beträgt aktuell durchschnittlich ein Jahr und zwei Monate. „Könnten die Anträge schneller bearbeitet werden, gäbe es sicherlich auch mehr Hotelprojekte“, sagt der Bürgermeister Miquel Oliver, der gleichzeitig das Amt des Baudezernenten im Stadtrat innehat. Zwar habe man zwei neue Architekten einstellen können, es fehle aber immer noch an Ingenieuren. Deren Gutachten seien aber zwingend notwendig, wenn es darum geht, die Nutzungsbestimmungen eines Gebäudes zu verändern.

Die alleinige Schuld will das Stadtoberhaupt dann aber nicht auf sich nehmen. „Zu 80 oder 90 Prozent hängen wir in dieser Hinsicht von Mallorcas Inselrat ab.“ Der habe die den kommunalen Behörden auferlegten Sparmaßnahmen zu verantworten. Ende des Jahres werde sich die Lage bessern, so Miquel Oliver. Er sieht in den Hotels eine Chance für den Erhalt von aktuell leer stehenden Stadthäusern und die Belebung der Innenstadt. „Manacor hat derzeit nicht so viele Gästebetten, wie es seiner Größe entspräche. Wir liegen hinter kleineren Orten deutlich zurück“, sagt Oliver.

Während andere Orte unter der Last des Massentourismus ächzen, herrscht in der Hauptstadt des Inselostens vergleichsweise tote Hose. Das linksgrüne Rathaus bemüht sich seit Jahren um die Belebung des Zentrums. Diverse Kampagnen sollen den lokalen Einzelhandel ankurbeln. Ein Autoverbot im Stadtzentrum samt günstigen bis kostenfreien Parkmöglichkeiten am Stadtrand machen das Bummeln tatsächlich attraktiv – kein Vergleich zum überfüllten Palma. Hinzu kommen mehrere öffentliche Bauprojekte, die in den vergangenen Jahren dazu beigetragen haben, das Stadtbild zu verschönern .

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