Einheimische auf Mallorca wollen ihre "Instagram-Bucht" zurückerobern - und müssen dafür früh aufstehen

Der Caló d'es Moro ist seit Jahren überlaufen, auch wegen seiner Tauglichkeit für Social Media. Für Sonntag plant eine lokale Initiative die Rückeroberung. Fragt sich nur, ob sie früh genug da sind

Schlange stehen für die Bucht Caló d’es Moro im vergangenen Hochsommer.

Schlange stehen für die Bucht Caló d’es Moro im vergangenen Hochsommer. / B. RAMON

Johannes Krayer

Johannes Krayer

Während die verantwortlichen Köpfe hinter der Bürgerinitiative „Menys turisme, més vida“ (Weniger Tourismus, mehr Leben) gerade darüber brüten, was genau sie bei der zweiten Großdemonstration gegen die Auswirkungen des Massentourismus Ende Juli auf die Beine stellen wollen, gibt es auf Mallorca alle paar Tage kleinere Aktionen, um gegen Überfüllung oder Wohnungsnot zu protestieren.

So soll am Sonntag (16.6.) zum zweiten Mal ein Strand „zurückerobert“ werden. Die Initiative „Ocupem les nostres platges“ (Lasst uns unsere Strände besetzen) ruft dazu auf, ab 8 Uhr morgens die winzige Bucht Caló d’es Moro im Südosten der Insel einzunehmen. Eine erste derartige Aktion hatte es Anfang Juni in Sa Ràpita gegeben. Allerdings waren dem medienwirksamen Aufruf gerade mal 40 Teilnehmer gefolgt.

Einstige Idylle

Im Caló d’es Moro könnte das anders werden. Einst als eine der schönsten Buchten der Insel bekannt, hat hier der Massentourismus förmlich einen ganzen Strand unter sich begraben. Eine wichtige Rolle spielen dabei die in den sozialen Netzwerken massenhaft geteilten Bilder der einstigen Idylle.

Der Caló d’es Moro ist mittlerweile als „Instagram-Bucht“ verschrien. Es dürfte gar nicht so einfach werden für die Protestierenden, die Badestelle zu besetzen, bevor erste Urlauber anrücken. Frühes Aufstehen ist auf jeden Fall Pflicht.

Land gehört deutscher Familie

Dem Deutschen Hans-Peter Oehm gehört das Land, das die Besuchermassen auf dem Weg zur Bucht durchqueren. Er weiß noch nicht so recht, was er von der Aktion halten soll. „Meinen Sie, dass die Aktivisten die Bucht ordentlich behandeln?“, fragt er die MZ.

Er finde die Idee des Protests im Prinzip gut. „Wir können den Tourismus ja nicht verteufeln, aber wir brauchen Regeln“, sagt er. Oehm und seine Familie setzen sich seit 25 Jahren für den Caló d’es Moro ein und pflegen das Land und den Strand. „Wir holen jeden Tag einen Riesensack Müll aus der Bucht“, berichtet er.

Seine Tochter stellte im vergangenen Sommer ein kleines Kästchen oberhalb der Bucht auf, in dem die Badegäste nach dem Verlassen des Strandes den Sand von ihren Füßen streifen sollen. „Da kamen sechs Tonnen Sand zusammen“, sagt Oehm.

Bürgermeisterin fordert Verschnaufpause für die Bucht

Die Protestaktion am Strand befürwortet auch Santanyís Bürgermeisterin Maria Pons (Volkspartei PP). Am Montag (10.6.) forderte die Politikerin eine Verschnaufpause für die Bucht. „Wenn es so weitergeht, gibt es bald keine Instagram-Bucht mehr“, sagte Pons.

Der Caló d’es Moro und die benachbarte Cala s’Almonia erlebten täglich eine „brutale Abnutzung“, und die Küstenbehörde schaue weg. Die Bürgermeisterin will den Demonstranten am Sonntag denn auch keine Hindernisse in den Weg stellen. Im Gegenteil bot sie ein Treffen an, um mit den Aktivisten über die Probleme der Bucht zu diskutieren.

„Die Urlauber wechseln mitunter dreimal die Badehose, um in den Fotos den Anschein zu erwecken, möglichst oft im Caló d’es Moro gewesen zu sein“, bemerkte Pons. Die Bürgermeisterin kritisierte auch die Medien, die Fotos der Instagram-Bucht nutzten, um Artikel über andere Mallorca-Themen zu bebildern. „Lasst die Bucht doch einfach mal eine Saison in Ruhe. Sie braucht die Pause“, forderte sie.

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