So läuft eine Versammlung der Aktivisten gegen den Massentourismus auf Mallorca ab

Die Bewegung „Menys turisme, més vida“ gibt sich eine Struktur und bereitet neue Proteste vor. Wie sie genau aussehen könnten, erzählt man lieber erst einmal nicht – schon gar nicht, wenn Presse im Raum ist

Hier passte niemand mehr hinein: kurz vor Beginn der Versammlung im Espai na Camel·la in Manacor.

Hier passte niemand mehr hinein: kurz vor Beginn der Versammlung im Espai na Camel·la in Manacor. / Elena Vallés

Johannes Krayer

Johannes Krayer

Kurz vor 18.30 Uhr richten sich die bangen Blicke der Veranstalter auf die Tür und die bereits komplett besetzten Stühle im Espai na Camel·la in Manacor. Geladen haben die Initiatoren der Bürgerbewegung „Menys turisme, més vida“ (Weniger Tourismus, mehr Leben). Und gekommen sind zur zweiten Versammlung der Gruppierung am Donnerstag (6.6.) weit mehr Menschen als offensichtlich von den Organisatoren erwartet.

Als Marga Ramis von der Umweltschutzvereinigung GOB und Pere Joan Femenia von Fridays for Future zur Begrüßung ansetzen, stehen rund 20 bis 30 Menschen noch vor der Tür. Insgesamt sind gut 150 Interessierte gekommen. Zur Auftaktveranstaltung Mitte Mai in Sineu waren es etwa 300 gewesen, auch damals war der Raum in der weiterführenden Schule in Sineu viel zu klein.

"Keine terroristische Organisation"

Einer der Organisatoren ruft zu Beginn in den Raum: „Eingeschleuste Polizisten, wir wissen, dass ihr hier im Raum seid.“ Man sei „keine terroristische Organisation“. Das ist die Antwort auf Anwandlungen der rechtsextremen Partei Vox, die die Bewegung und die Teilnehmer genauer unter die Lupe nehmen will. Zu erkennen gibt sich niemand.

Allerdings dürfte der Zwischenruf auch als eleganter Hinweis an die Anwesenden zu verstehen sein, dass sowohl Polizisten als auch Presse vor Ort sind. Der Saal ist also gewarnt, radikale Forderungen kommen im Verlauf des Treffens nicht auf.

Alles anderes als ein paar Ausgeflippte

Schnell wird deutlich, dass es sich bei den Anwesenden nicht um ein paar Ausgeflippte mit etwas zu vielen Flausen im Kopf handelt. Die Protestbewegung auf Mallorca gegen die Folgen des Massentourismus ist in ihrer jetzigen Ausgestaltung gerade einmal ein paar Wochen alt und wird doch geradezu professionell durchorganisiert. Der große Vorteil der Bewegung ist, dass sie auf ein bereits bestehendes Netz aus Aktivisten zurückgreifen kann.

Teil von „Menys turisme, més vida“ sind mehrere Dutzend Organisationen und Bürgerinitiativen, darunter die überaus erfahrenen GOB und Greenpeace, aber auch kleinere Gruppen wie der Tauschring Banc de Temps de Sencelles, der zu der Massendemonstration vom 25. Mai mit rund 15.000 Teilnehmern aufgerufen hatte, oder die Anti-Zwangsräumungs-Initiative STOP Lloguers Abusius.

"Regierung nerven"

Und erste Erfolge schreibt sich die Bewegung bereits auf die Fahnen. So sagt Pere Joan Femenia, dass die Proteste „die Regierung extrem nerven“. Sie habe bereits ihren Diskurs geändert hin zu Beschränkungen des Tourismus, wobei das laut dem Sprecher von Fridays for Future vor allem aus Kalkül geschehen sei.

Femenia und Marga Ramis vom GOB führen stringent durch die Versammlung. So stringent, dass das Treffen eher an eine Aufsichtsratssitzung denn an eine Vollversammlung von Aktivisten und empörten Bürgern erinnert, wären da nicht die etwas zu weiten Gewänder und die Sandaletten bei manchen Anwesenden, die mangels Platz am Boden sitzen mussten.

Termin für Demo festlegen

Wichtigster Tagesordnungspunkt ist, den Termin für die nächste Großdemonstration festzulegen. Der frühestmögliche Termin, der 21. Juli, setzt sich durch. An diesem Tag mitten in der Hochsaison soll es zeitgleich auf allen vier Balearen-Inseln Kundgebungen geben.

Gleich mehrere der Anwesenden sprechen sich dafür aus, neben der Demo im Juli eine weitere Kundgebung am 27. September zum Internationalen Tourismustag auf die Beine zu stellen. Was das Motto der Protestaktion Ende Juli betrifft, soll es einmal mehr um das aus Sicht der Organisatoren drängendste Problem der Wohnungsnot gehen. Dieses sei ohnehin ein „starker roter Faden“, der sich durch den gesamten Protest ziehe, „weil das Thema alle und jeden betrifft“, sagt Marga Ramis.

Arbeitsgruppen planen Demo

Was genau Ende Juli passieren wird, soll nun in Arbeitsgruppen festgelegt werden. Einzelne Anwesende melden sich und bringen einmal mehr die Idee vor, den Flughafen von Mallorca lahmzulegen. Die Organisatoren wollen auf den Vorschlag offensichtlich nicht eingehen, winken gar direkt ab. Die Idee war beim ersten Treffen der Initiative in Sineu Mitte Mai bereits aufgekommen und hatte in deutschen und britischen Medien für verschreckte Berichte gesorgt.

Gegen Ende erklärt Marga Ramis noch, dass die Initiative ständig wachse und es in vielen Orten Gruppierungen gebe. In Palma, Sineu und Santa Maria haben sich bereits offizielle Ortsgruppen gegründet. „Die Idee ist, dass konstant Aktionen ablaufen“, sagt Ramis.

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