Ende mit Polizei vor Ort: Rund 300 Mallorquiner besetzen ihre "Instagram-Bucht"

Viele Einheimische sind am Sonntagmorgen dem Aufruf "Ocupem les nostres platges" (Lasst uns unsere Strände besetzen) gefolgt und haben schon zu früher Stunde den Caló d'es Moro eingenommen

Protestaktion im Caló d'es Moro

Protestaktion im Caló d'es Moro / Jordi Sánchez

Die winzige Bucht Caló d'es Moro im Südosten platzt tatsächlich aus allen Nähten: Am Sonntagmorgen (16.6.) haben etwa 300 Einheimische die stets überfüllte "Instagram-Bucht" zurückerobert - als Zeichen gegen den Massentourismus. Aufgerufen zu der Protestaktion hatte die Initiative Mallorca Platja Tour, die unter dem Hashtag „Ocupem les nostres platges“ (Lasst uns unsere Strände besetzen) auf X (ehemals Twitter) aktiv ist und dort Videos geteilt hat.

Die Aktion verlief zwar friedlich und ohne besondere Vorkommnisse, dennoch erschienen mittags fünf Beamte der Guardia Civil und zwei Beamte der Ortspolizei in der Bucht, um die Teilnehmer zu identifizieren. Sie nahmen die Personalien der Protestteilnehmer auf, die den Strand betreten oder verlassen wollten. Nach Angaben mehrerer Teilnehmer betrachteten die Polizisten den Protest als Demonstration und verlangten daher eine Genehmigung - gemäß den Vorschriften müssen Demonstrationen zehn Tage im Voraus angemeldet worden. Auch sei es nicht gestattet, Parolen zu rufen. Die Organisatoren haben sich bislang noch nicht dazu geäußert.

Forderung nach Beschränkungen und Vorschriften

Los ging die Aktion bereits um 8 Uhr morgens, vor dem Ansturm der Besuchermassen. Und "poc a poc" - langsam, aber sicher - füllte sich die winzige Bucht mit offenbar ausgeschlafenen und motivierten Demonstranten, die gemeinsam ihr großes gelbes Protestbanner in die Höhe hielten und sich bei ihren Protestrufen filmen ließen. Unter ihnen sind Familien mit Kindern, ältere Menschen und Jugendliche.

"Wir fordern Beschränkungen und Vorschriften, um die Lebensqualität der Einwohner von Mallorca und von Santanyí angesichts der Überfüllung zu verbessern", so Joan Cabot, einer der Teilnehmer. Auch Antoni Riera wollte sich diesen Tag nicht entgehen lassen: "Es ist notwendig, das alles zu stoppen, denn wir schaufeln unser eigenes Grab, wenn wir so weitermachen", erklärte er. Die Worte fassen den allgemeinen Tenor der Teilnehmer zusammen, die ihre Forderungen unermüdlich vor den Mikrofonen und Kameras der Journalisten deutlich machten.

Flugblätter für die Touristen

Einer der Demonstranten verteilt vor Ort Flugblätter auf Englisch an Touristen, die sich der Bucht nähern, um ihnen die Situation zu erklären. "Die übermäßige Zahl der Besucher hat dazu geführt, dass sich die Bewohner aufgrund der starken Präsenz der Touristen in diesem Gebiet ausgeschlossen fühlen", heißt es in einem der Absätze des Flyers.

Von Aggression kann jedoch keine Rede sein: Ein britisches Paar, das in Santanyí wohnt, hat die Broschüre aufmerksam gelesen. Die Engländer zögern nicht, herunter an den Strand zu kommen und versichern, dass sie sich nicht "in einer feindlichen Umgebung" fühlen. "Wir verstehen, was sie fordern. Es ist auch nicht unsere Schuld, aber schließlich ist eine Insel ein begrenzter Raum und ich nehme an, dass man Auswüchse hier schneller bemerkt", so einer der Briten.

Erfolgreicher als die erste Aktion

Die Aktion ist trotz der frühen Uhrzeit erfolgreicher verlaufen als die erste Initiative Anfang Juni in Sa Ràpita, zu der sich nur 40 Teilnehmer eingefunden hatten. Wobei es im kleinen Caló d'es Moro natürlich auch nicht viele Menschen braucht, um den schmalen Strand medienwirksam voll zu bekommen. Mallorca Platja Tour betonte im Vorfeld, dass die Teilnehmer bei ihrer Besetzung achtsam mit der Natur umgehen würden.

Das Ende der Protestaktion am Caló d'es Moro war für 13 Uhr angesetzt. Als symbolträchtige Bucht, die besonders stark unter den Besuchermassen ächzt, war die beliebte Badestelle in jedem Fall eine passende Wahl für die Protestaktion. Ende Juli soll dann die nächste Großdemonstration gegen die Auswirkungen des Massentourismus folgen.

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