Vergiftetes Geschenk für die Ferienvermieter auf Mallorca

Zahlreiche Immobilieneigentümer fürchten, ihre Lizenz zur Ferienvermietung zu verlieren, wenn sie Verstöße gegen Bauvorschriften im Rahmen der jetzigen PP-Initiative legalisieren lassen. Wird die Regelung noch nachgebessert?

Ferienvermietung auf Mallorca.

Ferienvermietung auf Mallorca. / Foto: Nele Bendgens

Die Initiative zur Legalisierung von Schwarzbauten auf dem Land, die die konservative Landesregierung auf den Weg gebracht hat, erweist sich für zahlreiche Ferienvermieter als vergiftetes Geschenk. Da in das Dekret auch der Passus aufgenommen wurde, dass legalisierte Objekte nicht an Urlauber vermietet werden dürfen, riskieren die Eigentümer, ihre Lizenz zur Ferienvermietung zu verlieren. Betroffen seien allein in Pollença „Hunderte Häuser“, so Miquel Cifre, Vorsitzender des Branchenverbands Febhatur. In dieser Gemeinde sowie in Alcúdia und Santanyí dürften gar ein Drittel aller Immobilien zumindest in Teilen illegal gebaut worden sein, etwa im Fall von Anbauten oder des Pools auf dem Grundstück.

Das vor Kurzem beschlossene Dekret sieht vor, dass Schwarzbauten, die verjährt sind und somit ohnehin nicht mehr abgerissen werden können, innerhalb von drei Jahren legalisiert werden können. Das Verfahren sieht nicht nur die nachträgliche und zeitlich gestaffelte Zahlung von Gebühren und Strafen vor, sondern auch eine Reihe von Auflagen, darunter Maßnahmen zu Umweltschutz und Energieeffizienz und ein Verzicht auf die Ferienvermietung.

Viele Schwarzbauten

Die hohe Zahl von Schwarzbauten in der Branche dürfte zum einen damit zu erklären sein, dass es sich um ältere Lizenzen handelt und Eigentümer möglicherweise in den folgenden Jahren illegal angebaut oder ausgebaut haben. Zum anderen war bei der Lizenz zur Ferienvermietung zunächst in der Regel nur eine selbstverpflichtende Erklärung (DRIAT) nötig. In welchem Umfang dann auch Inspektionen der Behörden erfolgten und ob sich diese neben den Vorschriften zur Ferienvermietung auch auf baurechtliche Fragen erstreckten, ist eine Frage, zu der bislang mangels veröffentlichter Zahlen nur spekuliert werden kann.

Illegal errichtetes Gebäude im ländlichen Raum.

Illegal errichtetes Gebäude im ländlichen Raum. / ADT

Die Argumente der Ferienvermieter

Es dürfe nicht sein, dass man einen seit zehn oder 20 Jahren legal bestehenden Betrieb aufgeben müsse, um Unregelmäßigkeiten zu beheben, lautet nun das Argument bei den Ferienvermietern, die sich auch gegenüber den Hoteliers diskriminiert sehen. Während der Verband Febhatur deswegen eine Runde von Gesprächen in den Rathäusern eingeleitet hat, um gemeinsam auf eine Nachbesserung des Dekrets zu drängen, will man sich nicht in allen Rathäusern zu dem heiklen Thema äußern. „Wir müssen abwarten, wie die Fachleute die Umsetzung des Dekrets interpretieren“, meint Fina Linares, Bürgermeisterin von Alcúdia. „Wir müssen vorsichtig sein.“

Eindeutiger äußerte sich der Bürgermeister von Pollença, Martí March. Der Sozialist spricht sich unter Verweis auf die notwendige Rechtssicherheit für eine Nachbesserung des Dekrets aus. In seiner Partei dagegen, die im Balearen-Parlament in der Opposition sitzt, gibt es keine Mehrheit für diese Haltung. Man lehne es ab, dass in legalisierten Schwarzbauten künftig weiter Ferienvermietung betrieben werden könne, erklärte Sprecherin Mercedes Garrido.

Die PP hat bislang nicht offiziell Stellung bezogen, dürfte sich aber angesichts des Unmuts rund um den Overtourism und der Kritik an der Legalisierungsinitiative eine Nachbesserung gut überlegen. Derzeit gilt ohnehin ein Moratorium für neue Gästebetten, andere Reiseziele wie Barcelona wollen Lizenzen gar auslaufen lassen.

Hintergrund: Zahlen und Fakten

Die Zahl der Schwarzbauten, die für die Legalisierungsinitiative infrage kommen, wird balearenweit auf rund 30.000 geschätzt, wobei in dieser Zahl auch An- und Umbauten sowie etwa illegale Pools inbegriffen sind. Die Bestimmungen sind Teil eines Ende Mai verabschiedeten Dekrets der Landesregierung zum umfassenden Bürokratieabbau.

Pollença ist die Gemeinde auf Mallorca mit den meisten Gästebetten in der Ferienvermietung. Registriert sind offiziell knapp 2.500 Objekte mit mehr als 14.000 Plätzen. Dahinter folgen die Gemeinden Alcúdia (1.450 Objekte mit 8.500 Plätzen) und Santanyí (1.300 Objekte mit 7.800 Plätzen). Dabei handelt es sich zumeist um Ferienhäuser – Apartments wurden auf den Balearen erst in einer zweiten Phase und unter gesonderten Bedingungen zur Ferienvermietung zugelassen, in Palma dagegen ganz untersagt.