"Fahren dreimal am Tag mitten durch den Ort": Anwohner blockieren Buggy-Tour auf Mallorca mit Strohballen

Die MZ sprach mit einem deutschen Teilnehmer an der Protestaktion

Johannes Krayer

Johannes Krayer

Eine Gruppe von etwa 20 Anwohnern, Bewohnern von Nachbardörfern und Aktivisten hat am Donnerstagmorgen (11.7.) die kleine Straße Camí de Son Llodrà nahe Son Macià in der Gemeinde Manacor blockiert. Die Männer, Frauen und Kinder wollten damit eine Buggy-Exkursion mit 15 Fahrzeugen bei der Durchfahrt stören. Die MZ sprach mit dem pensionierten deutschen Lehrer Hartmut Botsmann, der bereits seit vielen Jahren in Son Macià lebt und beim Protest mit dabei war.

Herr Botsmann, was haben Sie da am Morgen genau gemacht auf dem Camí de Son Llodrà?

Wir haben uns bei Biobauern in der Umgebung ein paar Strohballen besorgt und uns am Morgen am Weg postiert. Wir wussten ja ungefähr, wann die Buggy-Exkursion vorbeikommt, das ist fast jeden Tag zur selben Zeit der Fall. Und kurz bevor die Fahrzeuge aufgetaucht sind, haben wir die Strohballen in den Weg gestellt, uns darauf gesetzt sowie Melone und pa amb oli gegessen. Einige von uns haben das mallorquinische Kartenspiel truc gespielt. Ich weiß leider nicht, wie man es spielt.

Hartmut Botsmann (im schwarzen T-Shirt) beim Tragen eines Strohballens.

Hartmut Botsmann (im schwarzen T-Shirt) trägt einen Strohballen. / Sebastià Sansó

Sie haben also die Kolonne aufgehalten. Wie haben die Verantwortlichen und die Urlauber reagiert?

Den Guides, zwei Argentiniern, merkte man schon an, dass wir sie nervten. Sie waren zwar nicht aggressiv, aber merklich ungehalten. Die Urlauber, fast alles Franzosen, haben zum Teil Verständnis für unsere Aktion gezeigt. Zum Glück hatten wir eine Französin unter den Aktivisten, die sich mit ihnen unterhalten konnte. Die Urlauber haben vor allem Fragen zum rechtlichen Rahmen der Buggy-Ausflüge gestellt. Wir haben ihnen erklärt, dass die Exkursionen nicht auf unbefestigten Feldwegen stattfinden dürfen und dass es in Manacor eine Obergrenze für die Zahl der Fahrzeuge gibt, die an einer Tour teilnehmen dürfen. Nach rund einer Stunde konnten die Buggies weiterfahren. Wir haben die Strohballen dann wieder weggeräumt.

Bußgelder für Veranstalter und Demonstranten

Sie allerdings haben keinen Feldweg, sondern eine asphaltierte Straße blockiert. Wird das Folgen haben?

Das stimmt, dort ist das Buggy-Fahren prinzipiell erlaubt. Die Polizei kam dann auch vorbei und hat die Personalien von uns sowie den Guides aufgenommen und die Kennzeichen der Buggies fotografiert. Die Veranstalter werden ein Bußgeld zahlen müssen, weil die Exkursion nicht zuvor angemeldet worden war. Wir werden wahrscheinlich auch ein Bußgeld bekommen, das wir uns aber aufteilen. Dann ist es nicht mehr so viel.

Wie kamen Sie eigentlich zu dem Protest?

Ich möchte nicht, dass unsere Insel zu einem Freizeitpark oder einem Abenteuerspielplatz verkommt. Allerdings gehöre ich nicht zu den Organisatoren, sondern habe von der Aktion etwa 48 Stunden vorher erfahren und gerne teilgenommen. Als Anwohner in Son Macià bin ich selbst betroffen von den Buggy-Touren, die üblicherweise dreimal am Tag mitten durch den Ort führen. Meistens schicken die Verantwortlichen ein Begleitfahrzeug voraus, das kontrolliert, ob an der Strecke Polizisten stehen. Die Veranstalter wissen genau, dass sie teilweise Wege nutzen, auf denen sie nicht fahren dürfen.

Weitere Aktionen geplant

Fand Ihre Aktion im Rahmen von "Menys turisme, més vida" statt, der Bewegung, die auch hinter den Großdemonstrationen gegen die Folgen des Massentourismus auf der Insel steht?

Ja, unser Protest soll als ein kleiner Teil dieser Bewegung gesehen werden. Da tut sich inzwischen auch an der Ostküste einiges. Und die Aktionen kommen immer mehr in der Bevölkerung an und überwinden Parteigrenzen. Bei unserer Aktion mit den Buggies etwa war auch ein Mitglied der konservativen Volkspartei PP dabei.

Das heißt, die Buggy-Unternehmer haben in Zukunft mit weiteren Aktionen dieser Art zu rechnen?

Es ist denkbar und angedacht, dass wir das auch noch öfter machen. Mehr kann ich dazu momentan nicht sagen. Wir müssen dieser Entwicklung Einhalt gebieten. Die Buggies tragen auch einen Teil zur Überfüllung auf den Straßen bei, verursachen Lärm und Dreck und die Fahrer sind häufig sehr rücksichtslos unterwegs. Vor Kurzem standen auf dem Sant Salvador bei Felanitx 40 Buggies. Die Urlauber legten auf dem Berg eine Pause ein. Das ist nicht mehr schön.

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