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Über 20.000 Menschen demonstrieren auf Mallorca gegen Massentourismus und Wohnungsnot

Von ganz Mallorca kamen die Demonstranten am Sonntagabend (21.7.) ins Zentrum von Palma

So zogen die Demonstranten durch die Innenstadt

Sophie Mono

Sophie Mono

Auf Mallorca haben am Sonntagabend (21.7.) Tausende Menschen an einer Großdemonstration gegen den Massentourismus und seine Auswirkungen teilgenommen. Die Polizei erhöhte im Laufe des Abends wiederholt ihre Schätzung der Teilnehmerzahl. Um 21.45 Uhr war schließlich von "über 20.000 Personen" die Rede. Die Veranstalter sprachen von 50.000 Demonstranten.

Unter dem Motto "Canviem el rumb. Posem límits al turisme" (in etwa: "Lasst uns den Kurs wechseln. Dem Tourismus Grenzen setzen" ) hatten 111 verschiedene Organisationen und Vereinigungen zu der Kundgebung aufgerufen.

Großdemonstration gegen den Massentourismus auf dem Weg zur Plaça Major in Palma

Johannes Krayer

Schon weit vor dem offiziellen Start um 19 Uhr fanden sich Scharen von Teilnehmern der Protestveranstaltung an der zentralen Plaça d'Espanya ein. Von dort aus setzte sich der Zug der Demonstranten in Bewegung, um durch die Innenstadt Palmas zu ziehen.

Anders als verschiedentlich erwartet, waren es nicht deutlich mehr Teilnehmer als bei der ersten Großdemo im Mai. Damals waren knapp 15.000 Menschen dem Aufruf des Tauschrings Banc de Temps de Sencelles gefolgt. Einer der Organisatoren, Pere Joan Femenia, äußerte sich am Sonntagabend eher verhalten zu dem Zulauf. Zwischen den Zeilen hört man heraus, dass er mit noch mehr Menschen gerechnet hatte. "Es ist nicht leicht, Leute auf Mallorca zu mobilisieren", so der Aktivist, der auch bei "Fridays for Future" mitmischt.

Friedliche Stimmung, Performances und besprühte Schaufenster

Die Stimmung vor Ort: Gelöst und friedlich. Auch zahlreiche Kinder liefen beim Umzug mit, der über die Fußgängerzone Carrer Sant Miquel und die Plaça Major bis zum Rathausplatz zog und dann weiter in Richtung Passeig del Born. Dort wurde ein Manifest verlesen. Im Vorfeld der Demo hatten Aktivisten auf die Fassaden einiger Immobilienagenturen Parolen gegen die Spekulation gesprüht.

Auch zahlreiche Urlauber verfolgten die von Musikgruppen begleitete Demonstration. Einige klatschten sogar Applaus und filmten die Demonstranten mit ihren Handys, andere schienen sich eher unwohl zu fühlen. Urlauberinnen aus Heidelberg, die mit der MZ sprachen, konnten die Motive der Demonstranten nachvollziehen. "Es sind dieselben Probleme wie überall auf der Welt an beliebten Orten", so eine der Frauen.

Für Aufmerksamkeit sorgten auch Performances mit Schauspielern und Kostümen zum Thema Luxus- und Qualitätstourismus:

Die Veranstalter fühlen sich von der konservativen Landesregierung nicht genug gehört - obwohl diese selbst vor einigen Monaten überraschend einen Richtungswechsel in der Tourismuspolitik hin zu mehr Nachhaltigkeit verkündete. "Die Politik wird weiter den Diskurs des Qualitäts- und Luxusurlaubers forcieren. Wir wollen aber nicht, dass der Urlaubertyp einfach wechselt, wir wollen einen übergreifenden sozioökonomischem Wandel“, sagte einer der Sprecher Veranstalter, der 15-jährige Jaume Pujol im Vorfeld im MZ-Interview.

Dabei geht es den Demonstranten nicht darum, den Tourismus auf der Insel abzuschaffen. Auch gegen Urlauber allgemein habe man nichts, versicherten zahlreiche Demonstranten am Sonntagabend gegenüber der MZ. Stattdessen gehe es darum, darauf aufmerksam zu machen, wie sehr die Lebensqualität der Einwohner unter den ausufernden Massen leide. Vor allem der Wohnraummangel und die horrenden Mietpreise, die durch Ferienvermietung und Zweithaustourismus in die Höhe getrieben werden, bereiten den Menschen Sorgen.

Junge Mallorquiner sorgen sich um den Verlust ihrer Kultur

Junge Mallorquiner sorgen sich um den Verlust ihrer Kultur / Johannes Krayer

Aufruf zu Respekt vor den Urlaubern

Vor einigen Tagen hatte der Sprecher der balearischen Landesregierung, Antoni Costa, die Demonstranten dazu aufgerufen, Urlauber und Passanten nicht bei ihren Rundgängen durch die Stadt zu "unterbrechen" und sie zu "respektieren". In Barcelona hatten Protestler bei einer ähnlichen Veranstaltung mit Wasserpistolen auf Touristen geschossen. Diese Aufforderung wurde von den Veranstaltern nicht wiederholt. Jeder solle das tun, was er für richtig halte, so Mitorganisator Pere Joan Femenia.

In den vergangenen Monaten hatte es in Spanien mehrfach Demonstrationen gegen Massentourismus und seine Folgen wie Wohnungsnot, Ressourcenknappheit und Umweltbelastung gegeben. Den Auftakt machten im Frühling Demonstrationen auf den Kanaren. Auch die Situation auf Mallorca stößt bei den internationalen Medien auf großes Interesse. Aus Deutschland waren zu der Demonstration zahlreiche Journalisten angereist.

Dieser Artikel ist im Laufe des Abends mehrfach aktualisiert worden.

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