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Regierung, Opposition, Hoteliers: Das sind die Reaktionen auf die zweite Großkundgebung gegen den Massentourismus auf Mallorca

Die Hoteliers verurteilen Schmierereien auf Hotelfassaden, die Sozialisten werfen Ministerpräsidentin Marga Prohens vor, sich zu verstecken

Die Sprüche der Demonstranten gegen den Massentourismus

Die Sprüche der Demonstranten gegen den Massentourismus / Raúl Sanz / Pere Morell / Gabriel Crespí

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Johannes Krayer

Johannes Krayer

Es hat ein wenig gedauert, aber am Montagvormittag (22.7.) sind die ersten Reaktionen auf die Großdemonstration gegen die Folgen des Massentourismus auf Mallorca eingegangen. Als Erster meldete sich der Sprecher der Balearen-Regierung und Vizepräsident Toni Costa (konservative Volkspartei PP) zu Wort. Beim Regionalsender IB3 unterstützte Costa die Demonstranten und bedankte sich bei den Organisatoren dafür, dass es eine "friedliche und respektvolle" Kundgebung war. Die Regierung sei sich darüber bewusst, dass es in der Bevölkerung Unzufriedenheit über die Situation auf den Inseln gebe. "Und einen Großteil dieser Unzufriedenheit teilen wir in der Landesregierung."

Es seien "mutige Maßnahmen" nötig, weshalb die Regierung von Marga Prohens den Runden Tisch der Nachhaltigkeit ins Leben gerufen habe. Es brauche einen "politischen Willen", um das Ruder herumzureißen. Konkreter wurde Costa allerdings nicht.

Iago Negueruela von den Sozialisten.

Iago Negueruela von den Sozialisten. / PSIB

Reaktion der Sozialisten

Die oppositionelle PSIB, die Sozialisten auf den Balearen, forderten die Landesregierung auf, mit den Maßnahmen nicht auf die Erkenntnisse des Runden Tischs der Nachhaltigkeit zu warten, sondern aktiv zu werden. Sprecher Iago Negueruela hob darauf ab, dass noch nie eine Landesregierung auf den Inseln "so viele Demonstrationen im ersten Jahr" gegen sich gehabt habe.

Negueruela warf Ministerpräsidentin Marga Prohens vor, sich nach der Demonstration zu verstecken, anstatt Rede und Antwort zu stehen. Er spielte damit darauf ab, dass Prohens am Montag in Madrid mit Parteichef Alberto Núñez Feijóo zusammenkommt, um über die Krise mit der rechtspopulistischen Vox zu sprechen, die sich aus den Landesregierungen zurückgezogen hat.

"15 Maßnahmen könnten ohne Studien sofort angegangen werden"

"Sie macht sich mehr Gedanken um ihren Posten, und das in einem Moment, in dem sie Entscheidungen treffen müsste", sagte Negueruela. Es gebe 15 Maßnahmen, die man sofort und ohne Notwendigkeit von Studien oder Daten anwenden könne. Der Sozialist wiederholte die Forderungen der Partei etwa nach einem Mietendeckel oder auch nach einer Einstufung der Inseln als "Gebiet mit angespannter Wohnsituation", um weitere wohnungspolitische Maßnahmen ergreifen zu können. Beides Dinge, gegen die sich die PP sträubt.

Negueruela forderte auch, das Dekret für die Legalisierung von Schwarzbauten im ländlichen Raum zurückzunehmen. Dieses führe nur zu einem noch größeren Druck auf den Immobilienmarkt, und es entstünden weitere Zweitimmobilien.

Beispiele: Limit für Kreuzfahrtschiffe oder Touristensteuer

Negueruela erklärte, dass die Linksregierung "wenigstens Dinge gemacht" habe. Zum Beispiel ein Limit der Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Palma. "Andere Städte haben inzwischen viel mehr Kreuzfahrtschiffe." Ohne die Sozialisten passiere ohnehin nichts auf dem Gebiet.

"Wir waren die einzigen, die ein Moratorium auf dem Gebiet des Tourismus durchgesetzt haben, die PP stimmte dagegen. Auch die Touristensteuer würde Prohens nicht auf den Weg bringen, auch wenn sie ihr nun nützt." Prohens werde einfach nicht aktiv, deshalb gingen die Menschen auf die Straße.

Die PP antwortet

Die Antwort der PP auf die Anschuldigungen der Sozialisten ließ nicht lange auf sich warten. Noch am Mittag meldete sich der Sprecher im Balearen-Parlament, Sebastià Sagreras, zu Wort und kritisierte Negueruela scharf. Er solle aufhören, sich "lächerlich zu machen", so Sagreras. Die Demonstration habe sich gegen Zustände gerichtet, die in acht Jahren Linksregierung entstanden seien. Und eben mit Negueruela als verantwortlichem Tourismusminister in der zurückliegenden Legislaturperiode. Die PP habe sehr wohl vor, den Unmut der Menschen ernstzunehmen und sei bereit, den Kurs zu ändern. Prohens habe ja bereits von "Limits" gesprochen.

Linkspartei Podemos lobt die Demo

Die Koordinatorin der Linkspartei Podemos auf den Inseln, Lucía Muñoz, lobte die Demonstration überschwänglich. Die Menschen hätten "Basta" gesagt zu einem "Massentourismus, der unsere Heimat zerstört". Es sei Zeit, die Richtung zu wechseln und die Städte und Dörfer der Insel wieder den Einheimischen zurückzugeben. Das Wirtschaftsmodell lasse die Menschen verarmen und "vertreibt sie aus ihren Wohnungen und Vierteln".

Schmierereien am Boutiquehotel Posada Terra Santa.

Schmierereien am Boutiquehotel Posada Terra Santa. / FEHM

Auch die Hoteliers reagieren

Die Hoteliers meldeten sich am Mittag auch mit einer Reaktion auf die Demo. Die Vizepräsidentin der mallorquinischen Hoteliersvereinigung, María José Aguiló, lobte zwar, dass ein Großteil der Demonstranten sich friedlich verhalten habe, bedauerte aber, dass es vereinzelt "Vandalismus" gegeben habe. So wurde etwa die Fassade des Boutiquehotels Posada Terra Santa in der Altstadt von Palma mit gelber Farbe vollgesprüht. "Diese Taten verurteilen wir aufs Schärfste", sagte Aguiló.

Auch ein Angriff von Teilnehmern der Demonstration auf Urlauber störte Aguiló. Die Touristen seien mit Wasser bespritzt worden, als sie auf einer Bank saßen, behauptete die Vizepräsidentin der Fehm. Von anderer Seite wurde dieser Vorfall bisher nicht bestätigt.

Die andauernde Tourismuskritik, die aber nicht an die wirklichen Ursprünge gehe, sei "nicht konstruktiv" und führe auch nicht zu einem "positiven Wandel". "Es ist schon erstaunlich, welche Gruppierungen nun auf einmal aufwachen und aktiv werden, wo das Problem doch dasselbe wie in den vergangenen Jahren ist."

Aguiló warb auch um Geduld für einen "Wandel, der nicht unmittelbar vonstatten geht". Jeder Richtungswechsel benötige seine Zeit, die Hoteliers seien bereit, ihren Beitrag zu leisten und täten das im Übrigen bereits seit Jahren.

Gastronomen kritisieren Politiker

Auch die Vereinigung der Gastronomen innerhalb des Verbandes CAEB meldete sich zu Wort und kritisierte vor allem die gegenseitige Schuldzuweisung der Politiker, wer denn an der Situation die Verantwortung trage. Der Vorsitzende Juan Miguel Ferrer forderte "mehr konkrete Lösungen und weniger politische Schlachten". So müsse beispielsweise die illegale Ferienvermietung härter verfolgt werden, die tun könne, was sie wolle.

Die Massifizierung der Insel sei auch für die Gastronomen ein Problem. "Das ist nicht unser Geschäftsmodell und auch keinerlei Garantie für Erfolg", sagte Ferrer. Es laufe in die entgegengesetzte Richtung davon, was man verfolge: nämlich Qualitätstourismus, gerade auch in der Gastronomie.

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