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Doch keine spanische Super-Airline: Iberia verzichtet auf Kauf von Mallorca-Fluggesellschaft Air Europa

Grund dafür sind die hohen Anforderungen der EU-Kommission, die eine Übernahme aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr sinnvoll erscheinen lassen, so das Unternehmen

Air Europa wird doch nicht Teil des IAG-Imperiums.

Air Europa wird doch nicht Teil des IAG-Imperiums. / DM

Knapp fünf Jahre ist es her, dass die International Airlines Group (IAG), die Muttergesellschaft von Iberia, erstmals angekündigt hatte, die mallorquinische Fluggesellschaft Air Europa für rund eine Milliarde Euro zu kaufen. Nun hat die Unternehmensgruppe endgültig beschlossen, auf den Kauf zu verzichten. Das hat IAG am Donnerstag (1.8.) bekanntgegeben. Grund dafür sind die hohen Anforderungen der EU-Kommission, die eine Unternehmensübernahme aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr sinnvoll erscheinen lassen.

Dabei hatte IAG – zu der Iberia, British Airways, Vueling, Aer Lingus und Level gehören – schon Zugeständnisse gemacht und angeboten, 52 Prozent der von Air Europa im Jahr 2023 bedienten Strecken abzugeben, um die Zustimmung der europäischen Wettbewerbsbehörden zu erhalten. Diese lehnten die Fusion jedoch weiterhin ab. Bedenken wurden besonders hinsichtlich der Konzentration von Flugfrequenzen und Strecken geäußert.

Das sagt der Unternehmenschef

Der CEO von IAG, Luis Gallego, zeigte sich enttäuscht von der Haltung aus Brüssel, gerade wenn man bedenke, dass kürzlich andere Konsolidierungen in der Luftfahrtbranche genehmigt worden waren (die Übernahme von 41 Prozent der italienischen ITA durch die Lufthansa). Gallego erklärte, dass IAG "bis an die Grenze" des Verkraftbaren gegangen sei, aber "die Anforderungen der Kommission nicht erfüllt" habe, weshalb der britisch-spanische Konzern nicht beabsichtige, weitere Versuche für eine Übernahme zu machen.

Das EU-Veto gegen die Transaktion sei "negativ für Spanien", insbesondere weil es den "Hub" (Luftverkehrsknotenpunkt) Madrid in eine schlechtere Position im Vergleich zu den großen europäischen Konkurrenten in Paris, Amsterdam und Frankfurt bringe. Gallego betonte, dass die spanische Regierung es zwar offenbar für wichtig halte, den "Hub" auszubauen, wollte jedoch nicht klarstellen, ob die spanische Regierung IAG in Brüssel unterstützt habe.

Aufgrund des geplatzten Deals mit Air Europa erwägt IAG andere Übernahmen, wie den Kauf der portugiesischen Fluggesellschaft TAP. Diese befindet sich zu 100 Prozent im Besitz des portugiesischen Staates und soll auf Initiative der rechtskonservative Regierung von Luís Montenegro privatisiert werden. Auch Air France und Lufthansa haben Interesse an TAP bekundet.

Jetzige Beteiligung an Air Europa

IAG hält dennoch weiterhin 20 Prozent an Air Europa, die im Februar 2023 für 100 Millionen Euro durch die Umwandlung eines Darlehens in Kapital erworben wurden. Dabei handelt es sich jedoch um eine Finanzbeteiligung ohne Mitspracherecht im Vorstand oder bei Entscheidungen. Gallego ließ zunächst offen, was mit dieser Beteiligung geschehen wird. Iberia hält gemeinsam mit Globalia ein Vorkaufsrecht, falls Air Europa an einen anderen Wettbewerber verkauft werden sollte. So war das in den ursprünglichen Vereinbarungen festgelegt worden.

Die gescheiterte Übernahme wird IAG rund 125 Millionen Euro kosten. Zu den 50 Millionen Euro, die jetzt an Air Europa für den Rücktritt vom Kauf zu zahlen sind, kommen weitere 75 Millionen Euro hinzu, die bereits 2021 bei der ersten gescheiterten Transaktion fällig waren.

Reaktionen aus Brüssel und von Air Europa

Nach der Ankündigung von IAG hieß es aus Kreisen der EU-Kommission, man nehme diesen Schritt zur Kenntnis und prüfe, ob die Bedingungen für den Rücktritt vom Kauf gegeben seien.

In einem ersten Statement hieß es von Globalia, der Eigentümergesellschaft von Air Europa, man sei zuversichtlich, auch ohne IAG bestehen zu können. Man wolle sich vor allem auf die Strecken zwischen Europa und Lateinamerika konzentrieren. Die Fluglinie sei wirtschaftlich stabil.

Halbjahresergebnisse präsentiert

Am Donnerstag hat IAG darüberhinaus seine Halbjahresergebnisse vorgelegt, die einen Rückgang des Nettogewinns um 1,7 Prozent auf 905 Millionen Euro bei einem Betriebsergebnis von 1.309 Millionen Euro (+3,9 Prozent) ausweisen. Der Umsatz stieg um 8,4 Prozent auf 14.724 Millionen Euro, was auf die starke Nachfrage in den wichtigsten Märkten zurückzuführen ist.

In der ersten Jahreshälfte beförderte der Konzern 58,23 Millionen Passagiere, was einem Plus von 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht, wobei die Wachstumsraten in Asien-Pazifik (+25,2 Prozent) und Lateinamerika und der Karibik (+15,6 Prozent) besonders hoch ausfielen.

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