Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Mallorca-Flagge, Volkstanz und gelassene Urlauber: So lief die "Besetzung" des Ballermann-Strands

Mehr als hundert Teilnehmer folgten am Sonntag (11.8.) dem Aufruf der Initiative Mallorca Platja Tour

Folgen Sie uns bereits?Marken Sie uns als bevorzugte Medien
Hinzufügen zu Google
Frank Feldmeier

Frank Feldmeier

Auf den ersten Blick ist nicht gleich zu erkennen, wer einfach Mallorca-Urlauber ist und wer an der Protestaktion #OcupemLesNostresPlatges mitmacht. Die Teilnehmer sind schließlich im Touristenlook an die Playa de Palma gekommen, bauen ebenfalls ihre Sonnenschirme auf und baden im Meer. "So soll es sein", sagt Vicenç, "das war die Idee der Aktion". Und sicher träfen auch noch mehr Badegäste ein, "sie kommen noch mit dem Bus, der Metro, der Straßenbahn oder ihrer Yacht", witzelt er.

Der Mallorquiner ist kein Sprecher der Initiative Mallorca Platja Tour, die mit satirischen Aktionen darauf aufmerksam machen will, welche Folgen der Massentourismus für die einheimische Bevölkerung hat. Sie versteht sich als Bewegung ohne hierarchische Strukturen, die über die sozialen Netzwerke Aktionen ankündigt wie an diesem Sonntag (11.8.): Mit Bildern vom Tourismus aus den 1960er-Jahren riefen die Aktivisten dazu auf, sich zwischen 11 und 13 Uhr unter die Urlauber am Balneario 6 zu mischen - so wie der Ballermann 6 im Original heißt. Die Spaßaktion sollte darauf aufmerksam machen, dass sich viele Mallorquiner an diesem Strand schon lange nicht mehr wie zu Hause fühlten und ein außer Kontrolle geratener Massentourismus in seine Schranken gewiesen werden müsse.

Polonaise und ab ins Wasser

Wie viele sind nun tatsächlich dem Aufruf gefolgt? Als sich spontan eine Polonaise bildet und die Gruppe zusammen zwischen den Handtüchern zum Ruf "capficó, capficó" - deutsch: Sprung ins Wasser - ins Meer stürmt, lassen sich mehr als hundert Teilnehmer ausmachen. Einige Teilnehmer rollen ein großflächiges Transparent mit dem Schlachtruf #OcupemLesNostresPlatges ("Lasst uns unsere Strände besetzen") aus und bohren eine mallorquinische Flagge in den Sand. Dann sind Xeremies zu hören, wie die mallorquinischen Dudelsäcke heißen, und ein paar Teilnehmer tanzen bei 35 Grad in der Sonne den Volkstanz Ball de Bot.

Ball de bot an der Playa de Palma, am "Ballermann".

Ball de bot an der Playa de Palma, am "Ballermann". / Frank Feldmeier

"Wir müssen beim Tourismus inne halten", meint Toni, der wie viel andere ein gelbes T-Shirt mit der Aufschrift "Mallorca Platja Tour" trägt. Vor 40 Jahren sei er noch hierher zum Baden gekommen, jetzt nicht mehr. Viele Strände Mallorcas seien überlaufen, da müsse ein Limit her. An der Playa de Palma seien zudem die Probleme des Sauftourismus offensichtlich. "Ich habe gerade einen Urlauber gesehen, der konnte nicht mehr geradeaus laufen", so der Mallorquiner, der sich gleichzeitig von Sprüchen wie "Tourist go home" distanziert: Tourismus ja, aber in geordneten Bahnen.

Ein bisschen Gegendemo

Mitten im Getümmel sitzt Urlauber Marco aus Berlin und nimmt die Aktion gelassen hin. Er habe Verständnis dafür, auch wenn ihn ein "Tourist-go-home"-Schild irritiert habe. "Ich habe niemandem etwas getan. Ich komme gerne nach Mallorca, und die Mallorquiner können auch gerne zu uns nach Deutschland kommen", meint er, und schiebt nach: "Ich würde es auch nicht gut finden, wenn dieser Sauftourismus in meiner Straße stattfinden würde." Die Xeremies-Musik wäre ihm jedenfalls lieber als die Ballermann-Hits, ein bisschen Folklore am Strand.

Wobei kurz darauf ein weiterer deutscher Urlauber hinter ihm sein Handtuch ausbreitet und selbst Musik aufdreht. Der Song "Ein Stern, der deinen Namen trägt" mischt sich jetzt mit den Xeremies-Klängen. "Ein bisschen Gegendemonstration", sagt der unerschrockene Badegast.

Vor allem ist es aber auch ein Medienspektakel. Spanische und deutsche TV-Sender sind mit Kameras vor Ort, einige Teilnehmer der Aktion wie auch Urlauber geben Interviews am laufenden Band.

Auch deutsche Teilnehmer

Ausdrücklich solidarisch mit der Aktion erklärt sich Rolf Hagen, der seit vielen Jahren mehrere Monate im Jahr auf Mallorca verbringt. Er sei dem Aufruf zu der Aktion gefolgt, als er davon in den Medien gelesen habe. "Es sind einfach zu viele Menschen", so der Kölner, der in einer Urbanisation der Nachbargemeinde Llucmajor wohnt. Von dort sehe er die große Zahl von Kreuzfahrtschiffen in Palmas Hafen, die weiter limitiert werden müsse, auch in der Ferienvermietung müsse eine wirksame Kontrolle her. Er komme gewöhnlich nicht an die die Playa de Palma, zum Baden ziehe er Naturbuchten weiter östlich vor.

Viel wäre schon erreicht, wenn die politischen Institutionen die aktive Bewerbung von Mallorca als Reiseziel einstellen würden und nicht noch weitere Zielgruppen erschlössen, wie das jetzt mit Urlaubern aus den USA der Fall sei, meint Teilnehmer Eloy. Auch er macht deutlich, dass es hier nicht um turismofobia (Tourismusphobie) gehe, sondern darum, dass ein Gleichgewicht gefunden werden und etwa die herrschende Wohnungsnot wirksam bekämpft werden müsse. "Wir Mallorquiner können mit diesen Preisen nicht mithalten."

Keine Zwischenfälle

Mallorca Platja Tour hatte erstmals im Juni für Schlagzeilen gesorgt, als rund 300 Einheimische die "Instagram-Bucht" Caló d'es Moro besetzten. Konkreter Auslöser der Aktion war eine Aussage der Politikerin der rechtspopulistischen Vox, Manuela Cañadas, wonach die Residenten im Juli und August keine ruhigen Strandtage erwarten könnten, wie in früheren Jahren. Ins Bild passt so auch das Hochhalten mallorquinischer Traditionen, als Antwort auf die Rechtspartei.

Während bei der Aktion im Caló d'es Moro die Polizei Personalien der Teilnehmer aufnahm, beschränken sich die Beamte an diesem Sonntag auf die Präsenz vor Ort. Es habe keine Zwischenfälle gegeben, bestätigt denn auch einer der Nationalpolizisten gegenüber der MZ. Und in der Schinkenstraße, wenige Meter hinter dem Strand, dürften die wenigsten Urlauber etwas von der Aktion mitbekommen haben.

Tracking Pixel Contents