Illegales Landhotel auf Mallorca: Erneut bekannter Politiker in Erklärungsnot
Das Landhotel "Sa Talaia Blanca" wurde 2019 geschlossen, ist aber weiterhin aktiv. Der Fall erinnert an die Affäre um das agroturisme Sa Vinya in Andratx

Das Landhotel "Sa Talaia Blanca" in der Gemeinde Muro. / Sa Talaia Blanca
Und schon wieder steht ein bekannter konservativer Politiker wegen eines illegalen Landhotels auf Mallorca in den Schlagzeilen: Wie die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" berichtet, betreibt die Familie von Joan Monjo, dem Bürgermeister von Santa Margalida, das agroturisme "Sa Talaia Blanca" in der Gemeinde Muro, obwohl die Lizenz bereits vor fünf Jahren zurückgezogen wurde.
Auflagen nicht erfüllt
Die Familie hatte das Anwesen im Jahr 2016 erworben und als Landhotel betrieben. Bürgermeister Monjo war damals der Geschäftsführer der S.L. (spanische GmbH - Anm. d. Red.), die für die Verwaltung des Hotels zuständig war. Dass die Lizenz drei Jahre später entzogen wurde, lag daran, dass einige Auflagen nicht erfüllt worden waren. Zum einen schreibt das Gesetz vor, dass Landhotels nur in Gebäuden eingerichtet werden können, von denen mindestens 50 Prozent vor dem 1. Januar 1960 errichtet wurden. Dies ist bei "Sa Talaia Blanca" nicht der Fall.

Joan Monjo, der Bürgermeister von Santa Margalida, auf einem Archivbild. / DM
Zum anderen führte die Familie Monjo im Jahr nach dem Erwerb Umbauarbeiten durch, für die sie keine Genehmigung besaß. Dies führte dazu, dass die damals noch für Tourismuslizenzen zuständige Balearen-Regierung dem Gästehaus 2019 die Lizenz entzog und aus der Liste der legalen Ferienunterkünfte strich. Das Haus wurde geschlossen. Joan Monjo gab die Geschäftsführertätigkeit der S.L. an seine Tochter Margarita ab.
Neuer Versuch im Juni
Doch die Familie wollte sich nicht mit der Schließung der lukrativen Einnahmequelle abfinden. Im Juni 2024 reichte Margarita Monjo beim mittlerweile für Tourismuslizenzen zuständigen Inselrat eine eigenverantwortliche Erklärung (DRIAT) ein. Dies ist ein üblicher Schritt in Spanien, mit dem Geschäftsbetreiber erklären, dass sie über alle notwendigen Genehmigungen verfügen und alle Voraussetzungen für die Inbetriebnahme erfüllen. Damit können sie ihr Projekt in Angriff nehmen, ohne monate- oder jahrelang auf die offizielle Genehmigung zu warten. Die zuständigen Behörden prüfen im Nachhinein, ob alles korrekt ist.
Dass Problem für Familie Monjo: Das Gesetz hinsichtlich der 50 Prozent Gebäudefläche, die vor 1960 errichtet worden sein müssen, hat sich nicht geändert. Damit kann keine DRIAT eingereicht werden, da die geltenden Voraussetzungen nicht erfüllt werden.
Und noch ein Aspekt macht stutzig: Denn wenn man dem Buchungsportal Booking glaubt, wird das Landhotel schon weit vor Einreichung der DRIAT im vergangenen Juni betrieben. Die Gästebewertungen reichen bis ins Jahr 2021 zurück. Damals hatte das Hotel in keinem Fall eine gültige Lizenz.

Das Landotel "Sa Talaia Blanca" wird unter anderem auf Booking vermarktet. / Booking
Das sagt der Bürgermeister
Auf Nachfrage des "Diario de Mallorca" wiegelte Joan Monjo am Freitag (23.8.) ab. "Natürlich ist es legal", erklärte er, um im direkten Anschluss jede Verantwortung von sich zu weisen. "Ich habe nichts damit zu tun." Allerdings: Wie das "Diario de Mallorca" aus gut informierten Kreisen erfuhr, hat Monjo senior in der jüngeren Vergangenheit mehrere Treffen mit dem für Tourismusfragen zuständigen Dezernat im Inselrat abgehalten, um eine Lösung für "Sa Talaia Blanca" zu finden.
Ähnlicher Fall in Andratx
Der Fall erinnert sehr an den im April bekannt gewordenen Skandal um das illegale Landhotel Sa Vinya in Andratx. Damals war es ausgerechnet der Generaldirektor für Transparenz der konservativen Balearen-Regierung, Jaume Porsell, der das agroturisme ohne die entsprechenden Lizenzen betrieb. Auch Porsell hatte eine DRIAT beim Inselrat eingereicht, ohne die Auflagen zu erfüllen. Bemerkenswert: Ministerpräsidentin Marga Prohens war bei der Eröffnungsfeier des illegalen Hotels dabei, ließ sich sogar fotografieren. Nach tagelangen Diskussionen wurde Porsell seines Amtes entbunden. Prohens erlitt durch den Skandal derweil keinen größeren Imageschaden.
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