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Des Bürgermeisters illegales Landhotel: Inselrat drückt eineinhalb Augen zu

Neben der fehlenden Lizenz für Umbauarbeiten und Ungereimtheiten über die Zahl der Gästebetten wird den Betreibern von Sa Talaia Blanca nun auch noch eine ungewöhnlich lange Frist gewährt, um Unterlagen nachzureichen

Luftaufnahme des Landhotels Sa Talaia Blanca.

Luftaufnahme des Landhotels Sa Talaia Blanca. / DM

Einiges ist beim Landhotel Sa Talaia Blanca in Muro im Norden von Mallorca nicht mit rechten Dingen zugegangen. Um das agroturismo, das von der Familie des Bürgermeisters von Santa Margalida, Joan Monjo (Ortspartei Convergència), ohne gültige Lizenz betrieben wird, gibt es noch eine weitere Ungereimtheit, wie das "Diario de Mallorca" nun berichtet.

Die Eigentümer haben vom Tourismus-Dezernat des Inselrats eine ungewöhnlich lange Frist für die Einreichung von weiteren Unterlagen erhalten, nachdem sie im Juni eine eigenverantwortliche Erklärung, den sogenannten DRIAT, eingereicht haben.

Eigentlich nur zehn Tage Zeit

Laut Gesetz steht den Antragstellern ab dem Moment der Abgabe der Erklärung eine Frist von zehn Tagen zu. Im Falle der Monjos hat der Inselrat allerdings rund drei Monate bis zum Ablauf der ersten Septemberhälfte eingeräumt. Genauere Informationen sind aus dem Dezernat nicht zu bekommen. Damit kann die Familie noch die volle Hauptsaison für ihr Landhotel ausnutzen.

Die Erklärung wurde eingereicht vom Unternehmen Jujuy S.L., Eigentümer und Vermarkter des Landhotels. Die Verwalterin der Firma ist Margarita Monjo Pons, die Tochter von Joan Monjo, der bis 2019 formal der Verantwortliche für die Firma und den Komplex war.

Joan Monjo, der Bürgermeister von Santa Margalida, auf einem Archivbild.

Joan Monjo, der Bürgermeister von Santa Margalida, auf einem Archivbild. / DM

Balearen-Regierung hatte 2019 die DRIAT-Erklärung verweigert

Die Balearen-Regierung, die zu dieser Zeit noch für Tourismus zuständig war, bevor die Kompetenzen an den Inselrat gingen, verweigerte Monjo damals eine eigenverantwortliche Erklärung, weil mehrere Bedingungen dafür nicht erfüllt waren. Unter anderem hatte Monjo an dem Landhotel im Jahr 2017 Umbauarbeiten ohne Lizenz durchgeführt, die er nachträglich legalisieren wollte.

Bislang ist das nicht geschehen - und mehr noch: Das Landhotel verfügt offenbar noch nicht einmal über legale Gästebetten. Bei der DRIAT-Erklärung fehlte nämlich die Bestätigung für den Kauf der Gästebetten aus der Bettenbörse. Seit 2022 gibt es ein Moratorium, neue Gästebetten werden nicht mehr genehmigt.

Landhotel kann erst einmal weiterbetrieben werden

So lange der DRIAT allerdings vom Inselrat geprüft wird, kann das Landhotel weiterbetrieben werden. Auch wenn Sa Talaia Blanca nicht im Unternehmensregister für touristische Anbieter auftaucht, weil die vollständige Dokumentation nicht vorhanden ist. In diesem Register ist unter anderem auch die Zahl der Gästebetten verzeichnet - eine weitere Ungereimtheit des agroturismo.

Sieht idyllisch aus: das Landhotel Sa Talaia Blanca nahe Muro.

Sieht idyllisch aus: das Landhotel Sa Talaia Blanca nahe Muro. / DM

Denn bei der Buchungsplattform Booking vermarktet Sa Talaia Blanca 30 Betten, die sich auf zehn Apartments verschiedener Größe aufteilen und für zwei, vier oder sechs Personen geeignet sind. Diese Bettenzahl ist deckungsgleich mit der aus dem Jahr 2019. Auf der Website des Landhotels selbst allerdings werden nur 22 Betten vermarktet. Ein weiterer Aspekt, der vom Tourismus-Dezernat geklärt werden muss.

Inselrat weist Verantwortung von sich

Daneben erfüllt Sa Talaia Blanca auch nicht die Bedingung für Landhotels in ehemaligen landwirtschaftlichen Betrieben. Demnach muss mindestens 50 Prozent der Bausubstanz älter als 1960 sein, was in Monjos agroturismo nicht der Fall ist. Dazu kommt noch die Renovierung, die ohne Genehmigung stattgefunden hat. Das Rathaus von Muro hatte einer nachträglichen Legalisierung der Arbeiten nicht zugestimmt.

Am Dienstag (27.8.) äußerte sich dann erstmals der Tourismusdezernent des Inselrats, José Marcial Rodríguez, der zwar jegliche Verantwortung von sich wies, weil der Lizenzentzug bereits 2019 unter einer Linksregierung im Inselrat stattfand, er selbst und die konservativ-rechte Regierung allerdings erst seit vergangenem Jahr im Amt ist. Gleichzeitig räumte Marcial aber auch ein, dass das Landhotel „seit 2019 nicht mehr betrieben werden dürfte“. 

Gemäß dem Tourismusgesetz werden falsche Angaben im DRIAT mit Geldstrafen von 40.000 bis 400.000 Euro belegt. Zusätzlich wird das betreffende Objekt geschlossen oder darf zumindest zeitweise nicht mehr vermarktet werden. /jk

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