Mallorcas Hoteliers machen mobil gegen die geplante Legalisierung von illegalen Ferienhäusern
Die Unternehmer kritisieren die Pläne der Landesregierung, das Dekret zur Entbürokratisierung aufzuweichen. Die Ferienvermieter antworten daraufhin den Hoteliers noch schärfer

Die Chefin der Hoteliersvereinigung von Mallorca, Maria Frontera. / EP
Das hatten die Hoteliers auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln offensichtlich nicht erwartet: Nur wenige Stunden, nachdem bekannt wurde, dass die Volkspartei PP jetzt doch die Ferienvermietung in nachträglich legalisierten Schwarzbauten erlauben will, kam ein enormer Aufschrei vonseiten der drei Hoteliersvereinigungen von Mallorca, Menorca und den Pityusen.
Die nachträgliche Eingabe im Dekret zur Entbürokratisierung sei völlig "inkohärent" angesichts der Debatte über eine Überfüllung der Inseln und "mitten in einer Phase, in der überprüft wird, welche Kapazität das Territorium hat", heißt es unter anderem in einer Pressemitteilung, die am späten Donnerstagnachmittag (5.9.) veröffentlicht wurde.
Die Forderungen der Hoteliers gingen noch weiter. Die Landesregierung solle die Ferienvermietung gänzlich in Wohnungen verbieten und nur noch in freistehenden Einfamilienhäusern zulassen.
Viele Kritikpunkte
Die Liste der Kritikpunkte der Hoteliers an der Eingabe ist lang. Die Unternehmer stört unter anderem, dass diese Änderung nun 48 Stunden vor dem Ende der Eingabefrist eingegangen ist, nachdem die PP zuvor ausgeschlossen hatte, Ferienvermietung in nachträglich legalisierten Immobilien im ländlichen Raum zu erlauben. Die Kehrtwende nun sei "widersprüchlich" zu anderen Entscheidungen der Landesregierung, die die negativen Folgen des Massentourismus sowie die Wohnungsnot lindern sollen.
Die ohnehin schon kritische Lage auf dem Wohnungsmarkt dürfe "unter keinen Umständen" durch Maßnahmen verschlimmert werden, die "darauf abzielen, eine touristische Nutzung von Wohnraum zu priorisieren".
Hoteliers stellen Sinn des Dekrets infrage
So verweisen die Hoteliers auf das geltende Moratorium für Gästebetten und die Regulierungsmaßnahmen, die die Landesregierung mit dem Pakt für einen nachhaltigeren Tourismus plant auszuarbeiten und deren Ziel es ist, „das Wachstum und den Druck des touristisch genutzten Immobilienmarktes auf das Wohnungsangebot einzudämmen“. Das Vorgehen der Balearen-Regierung sei "besorgniserregend".
Das Ziel des Dekrets sei gewesen, die öffentlichen Einrichtungen sowie die Bürger von Bürokratie zu befreien und "nicht die Wiederbelebung der Herausgabe von Tourismus-Lizenzen", kritisieren die Hoteliers weiter. Sie fordern Ministerpräsidentin Marga Prohens dazu auf, "mutige Entscheidungen" zu treffen angesichts der Untätigkeit der Vorgängerregierungen.
Ferienvermieter stänkern zurück
Wenn die Ferienvermietung in Wohnungen unterbunden würde, „stünde den Bewohnern wieder ein immenser Bestand an Mehrfamilienhäusern zur Verfügung“, argumentieren die Hoteliers. Immobilien, die den städtebaulichen Vorschriften widersprechen, dürften nicht dadurch noch zu Geschenken an die Eigentümer werden, dass sie ihnen durch die Ferienvermietung "seit vielen Jahren trotz ihrer illegalen Lage wirtschaftliche Vorteile" verschafften.
Die Antwort der Vereinigung der Ferienvermieter ließ nicht lange auf sich warten. Am Freitagvormittag verschickte der Lobbyverband Habtur eine ebenso gepfefferte Pressemitteilung mit dem Titel "Només volen menjar ells" (In etwa: Nur sie wollen was vom Kuchen abbekommen) in Anspielung auf die Hoteliers und das Tourismusgeschäft. "Das Ferienvermietungs-Business hat die Schnauze voll von sinnloser Demagogie seitens der großen Hotelunternehmer", steht bereits im ersten Satz der Mitteilung.
Warum kein zusätzlicher Wohnraum in überflüssigen Hotels?
Die geplante Eingabe, Ferienvermietung in nachträglich legalisierten Häusern im ländlichen Raum zu erlauben, reguliere endlich eine Situation, "die keinerlei Sinn hatte". Man wolle die Hoteliers daran erinnern, dass auch sie in der Vergangenheit immer wieder in den Genuss von Regelungen gekommen seien, die eine Aufstockung der Zahl der Gästebetten ermöglichte - ganz zu schweigen von anderen Privilegien, die allerdings nicht genauer ausgeführt werden.
"Es wird Zeit, dass sich die Hoteliers um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern und nicht darum, was die Bewohner der Insel machen", stänkert Habtur weiter. "Warum stellen sie nicht der Landesregierung in die Jahre gekommene Hotels zur Verfügung, um die Wohnungsnot zu lindern? Warum lassen sie nicht ihre Angestellten in den Hotels wohnen, wie es vor Jahren noch üblich war?", fragt Habtur weiter.
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