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Sprecher der Gastronomen auf Mallorca: „Alle müssen nun Preise senken“

Die Saison bleibt bislang hinter den Erwartungen vieler Wirte zurück. Fragen an Juan Miguel Ferrer, den neuen Chef des Branchenverbands

Playa-Unternehmer und jetzt Branchensprecher: Juan Miguel Ferrer.

Playa-Unternehmer und jetzt Branchensprecher: Juan Miguel Ferrer. / Guillem Bosch

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Johannes Krayer

Johannes Krayer

Juan Miguel Ferrer ist wie kaum ein Zweiter mit der Gastro-Branche auf Mallorca verbandelt. Der 54-Jährige stieg früh in die Fußstapfen seines Vaters. Der hatte 1979 die Bierstraße an der Playa de Palma quasi erfunden. Sohn Juan Miguel betreibt heute neun Restaurants – fünf an der Playa de Palma –, hat die Qualitätsinitiative Palma Beach gegründet und ist jetzt auch Präsident der Gastronomenvereinigung des balearischen Unternehmerverbands CAEB.

Sie scheinen eigentlich schon gut zu tun zu haben. Warum jetzt auch noch der Vorsitz des Lobbyverbands der Gastronomen?

Ich war ja Vizepräsident und damit mehr oder weniger bereits auf dem Laufenden. Jetzt ist der Moment in meinem Leben gekommen, an dem ich versuchen will, der Branche zu helfen. Die Vereinigung hatte schließlich einst mein Vater gegründet.

Was sind Ihre Hauptanliegen für die nächsten Jahre als Präsident der Vereinigung?

Als Erstes müssen wir analysieren, warum es in diesem Jahr einen deutlichen Einbruch bei den Einnahmen gab und die Gründe dafür verstehen. Zweites wichtiges Anliegen ist, eine Lösung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Sachen Wohnraum zu finden. Wir wollen, dass sie einfacher Zugang zu einer Wohnung bekommen. Und wir wollen uns überlegen, wie wir wieder attraktiver als Branche für die jungen Leute sein können. Der Beruf braucht eine Aufwertung. Die Leute sollen das nicht nur als Durchgangsstation sehen, sondern wie in früheren Zeiten in der Gastronomie in Rente gehen.

"Sie können diese Konjunkturschwäche in allen Statistiken nachlesen, auch landesweit. Sogar in Deutschland gibt es das Problem."

Welche Ideen haben Sie für einen einfacheren Zugang zu Wohnungen?

Wir suchen gerade nach neuen Wegen. Auch, wie beispielsweise die Unternehmen beim Bau von neuen Wohnungen helfen können oder beim Zugang zur Finanzierung. Denkbar wären auch Vereinbarungen von Gastronomiebetrieben mit Banken, damit die Angestellten einfacher an Kredite oder an Wohnungen kommen. Die Angestellten müssen sich wieder sicher fühlen. Ich glaube, wir als Unternehmer können da helfen.

Im kommenden Jahr wird ein neuer Tarifvertrag fällig. Bauen Sie schon mal mit schwächeren Umsatzzahlen vor, damit die Gehaltsforderungen der Angestellten geringer ausfallen?

Nein, es ist einfach die Realität. Sie können diese Konjunkturschwäche in allen Statistiken nachlesen, auch landesweit. Sogar in Deutschland gibt es das Problem. Das hat nichts mit dem neuen Tarifvertrag zu tun. Ich habe bereits im April gesagt, dass wir in diesem Jahr mit Rückgängen rechnen müssen.

Es kommen viele Klagen aus der Gastro-Branche. Wie haben Sie dieses Jahr gewirtschaftet?

Wir mussten leider die Preise für die Kunden erhöhen. 20 Cent mehr für den Kaffee und solche Dinge. Wir müssen ja die Gehälter zahlen, die ausgehandelt sind, auch wenn es uns nicht gut ergangen ist. Vor allem aber müssen alle anfangen, Preise zu senken. Und zwar nicht nur hier, sondern in ganz Europa. Denn die Gehälter der Menschen reichen nicht aus. Ich konnte in diesem Jahr schon die Preise nicht so stark erhöhen, wie es eigentlich nötig gewesen wäre.

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Haben in diesem Jahr weniger Geld ausgegeben: Urlauber am Ballermann. / Nele Bendgens

Sprechen wir über die Proteste gegen den Massentourismus. Sie haben vor allem die zweite Demonstration kritisiert, und ausdrücklich nicht die erste. Warum?

Die erste Kundgebung gegen die Wohnungsnot war völlig legitim, die Bürgerbewegungen haben ja recht damit, dass sie keinen bezahlbaren Wohnraum auf der Insel vorfinden. Es wird spekuliert, es gibt Airbnb. Auch beim Thema Mobilität stehen wir hinter dem Protest. Aber was die Überfüllung der Insel angeht, worum es auch ging, da muss ich deutlich widersprechen. Wir können doch nicht von Massifizierung sprechen, wenn der Strand zu 40 Prozent gefüllt ist oder im Juli und August weniger Verkehr auf den Straßen herrscht als in allen anderen Monaten. Dann können wir doch nicht ernsthaft die Urlauber als Sündenböcke identifizieren.

Das heißt, wenn es im September eine dritte Demonstration gibt, die wieder das Wohnungsproblem in den Vordergrund stellt, hätten Sie nichts dagegen?

Nein, dann wäre das vollkommen gerechtfertigt. Wenn es aber gegen den Tourismus geht, sind wir nicht einverstanden.

Wobei beispielsweise in Deutschland die Proteste nicht als Unmut gegenüber den Urlaubern aufgefasst wurden, weder von Medien, noch von den Urlaubern selbst.

Ich bin wirklich heilfroh darüber, dass das in Deutschland verstanden wurde.

"Es fehlt an vielem: bessere Diskotheken, bessere Beachclubs, bessere Restaurants, mehr Sauberkeit."

Sie haben von Stornierungen durch die Proteste gesprochen, die allerdings die Zahlen nicht hergeben. Es ist ein erneuter Urlauberrekord auf den Inseln feststellbar.

Ja, das stimmt. Es war ein neuer Rekord, aber nicht für die Gastronomie. Das ist ein Widerspruch, den wir bislang selbst noch nicht ganz verstanden haben.

Schon länger sprechen Sie davon, dass die Playa de Palma bald deutlich aufgewertet wird. Wann soll das geschehen?

Ich hoffe wirklich, dass das in den nächsten drei Jahren der Fall ist. Ich habe tatsächlich die Hoffnung, dass der politische Wille da ist, um endlich etwas zu tun. Was öffentliche Investitionen angeht, neue Benimmregeln, mehr Sicherheit, mehr Sauberkeit. Das ist eigentlich nicht kompliziert. Wir fordern ja nicht, dass es einen neuen Strand geben soll.

Sie wollen die Playa de Palma auch ein Stück weit gentrifizieren?

Ja, so ist es. Es fehlt an vielem: bessere Diskotheken, bessere Beachclubs, bessere Restaurants, mehr Sauberkeit.

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