Alltours-Chef zu Tourismusprotesten auf Mallorca: „Gut, dass die Leute auf die Straße gehen“
Der Gründer und Inhaber des deutschen Reiseveranstalters, Willi Verhuven, im Gespräch über die Demonstrationen gegen den Massentourismus, Hotelpreise, und wenig durchdachte Entscheidungen der Politik

Willi Verhuven (re.) bei der 30-Jahre-Party mit dem Allsun-Geschäftsführer Uwe Prein. / Nele Bendgens
Willi Verhuven gründete 1974 den Reiseveranstalter Alltours, 20 Jahre später kamen die Allsun-Hotels dazu. Für eine Feierstunde war der Rheinländer nun auf Mallorca, die MZ hat ihn im Hotel Allsun Riviera Playa getroffen.
Als Sie vor 50 Jahren Alltours gründeten - dachten Sie damals daran, dass man in ferner Zukunft über Limits für den Tourismus diskutieren könnte?
Nein, vor 50 Jahren war die Welt anders. Da stellten sich ganz andere Fragen. Unter anderem der Kreuzfahrttourismus war noch gar nicht geboren. Der ist erst in den vergangenen 15 Jahren so stark gewachsen. Insgesamt hat sich der Tourismus auf Mallorca aber gut entwickelt. Die Qualität ist mit den Kundenansprüchen stetig gestiegen. Auch die Infrastruktur hat sich hier super entwickelt.
"Die Politik hat den richtigen Zeitpunkt verpasst, das einzudämmen."
Dem gegenüber stehen Proteste der Einheimischen. Wie sehen Sie persönlich die Situation auf Mallorca?
Sie sprechen vor allem den Overtourism und die Wohnraumproblematik an. Das ist sicher für die Mallorquiner ein Spagat. Sie brauchen auf der einen Seite den Tourismus, mögen ihn, arbeiten im Tourismus und sind glücklich mit dem, was der Tourismus bringt. Die andere Seite ist die enorme Überbelastung, was den Wohnraum betrifft. Wir als Hotelkette leiden auch darunter. Ich sehe vor allem zwei Gründe. Erstens kaufen die Ausländer den Wohnraum zu irren Preisen weg, weshalb ein Engpass entsteht. Zweitens schnappen Airbnb und Ferienvermietung noch mehr Wohnraum weg. Die Politik hat den richtigen Zeitpunkt verpasst, das einzudämmen.
Sie können die Proteste auf der Insel also nachvollziehen?
Ich kann den Unmut der Menschen sehr gut verstehen. Ich finde es gut, dass die Leute auf die Straße gehen, dass sie was tun. Das können Sie ruhig schreiben, ich bin ja da ein wenig anders als andere Kollegen. Ich bin daran interessiert, dass Mallorca im Gleichgewicht ist. Das ist wichtig für die Zukunft. Beim Kreuzfahrttourismus gibt es Handlungsbedarf, da wurde auch schon etwas getan. Und es gibt zu viele Mietwagen auf den Straßen. Da kann die Regierung auch ganz einfach etwas machen: Steuern rauf, dann gehen die Preise nach oben. Die Autos müssen teuer sein, und man muss Elektrofahrzeuge auf die Straße bekommen. Hier würde ich gerne die Landesregierung auffordern, etwas zu tun.
"Rund die Hälfte unserer Betten sind bereits höhenverstellbar. Aber das wird kaum angenommen von den Mitarbeitern."
Sie haben mehrfach die Politik angesprochen. Gibt es Kontakte zwischen Alltours und der Landesregierung?
Die Kontakte mit uns als Reiseveranstalter sind gleich null. Viele Entscheidungen sind aus meiner persönlichen Sicht unüberlegt.
Haben Sie ein Beispiel?
Etwa die höhenverstellbaren Betten. Das ist eine Belastung für die Mitarbeiter, die die Betten bedienen müssen, und die Hoteliers. Rund die Hälfte unserer Betten sind bereits höhenverstellbar. Aber das wird kaum angenommen von den Mitarbeitern.
Wie können Sie als Reiseveranstalter Teil der Lösung werden?
Wir können die Politiker nicht beeinflussen und nur Handlungsempfehlungen aussprechen. Wir haben gute Produkte, die wir bewerben und verkaufen, aber wir haben keinen Einfluss darauf, wer unser Kunde wird. Das wollen wir auch gar nicht. Wir versuchen trotzdem, im Kleinen etwas zu tun. An der Playa de Palma gibt es in unseren Hotels einen Mindestaufenthalt von sechs Tagen. Wir wollen keine Kegelclubs und andere Gruppen in unseren Hotels haben. Ich lehne den Sauftourismus auf Mallorca rundherum ab. Wir versuchen, auf diese Weise diese Art von Tourismus auszubremsen.
"Wir selbst wollen keinen Billigtourismus."
Der Pauschalurlauber kann zur Lösung beitragen, weil er Einheimischen nicht den Wohnraum wegnimmt. Ist er angesagter denn je?
Der Pauschalurlauber war stets angesagt. Er sorgt für Arbeitsplätze, und das nicht nur im Hotel, sondern auch im produzierenden Gewerbe, sei es bei der Einrichtung der Hotels oder der Lebensmittelversorgung. Wir versuchen, möglichst regional einzukaufen und die vorgegebenen Quoten überzuerfüllen.
Wie lange können die Hoteliers auf der Insel die Preise noch erhöhen, bevor die Urlauber auf die Barrikaden gehen?
Wir selbst wollen keinen Billigtourismus. Und wenn Sie eine gewisse Qualität anbieten, brauchen Sie einen gewissen Preis. Bei uns gibt es Preisuntergrenzen. Wir sind günstig, aber nicht billig. Ich sehe die Preise aus dem Sommer 2024 im Gleichgewicht. Die Preise sind im Großen und Ganzen okay. Es wird deshalb auch für 2025 bei alltours wieder moderate Preiserhöhungen geben. Es gibt viele Hotelketten, die das ebenso handhaben. Andere sind meines Erachtens sehr hochpreisig und schlagen noch einmal richtig drauf. Da könnte es knirschen. Das ist aber ein Problem des Einzelnen. Im Vergleich zur Türkei und Griechenland war die Preispolitik auf Mallorca in Ordnung. Urlaub kostet nun einmal Geld.
Sie haben von Allsun neue Hotels angekündigt, ab 2026 auch auf Mallorca. Können Sie da schon Details nennen?
Leider nicht. Auf Kreta bauen wir 2025 ein Hotel neu, es ist unser erster kompletter Neubau. Sonst waren wir ja Spezialisten in Renovierungen.
"Für mich hat Geld keine persönliche Bedeutung."
Das heißt, auf Mallorca wird es aller Voraussicht nach kein Neubau?
Man muss die Entwicklung abwarten, ich würde nie etwas ausschließen. Wenn es eine passende Gelegenheit gibt, sind wir da.
Was ist Ihr Geheimrezept für 50 Jahre Alltours?
Meine Arbeit ist mein Hobby. Ich mache es, weil ich es gerne mache und ich mache es mit Herz. Für mich hat Geld keine persönliche Bedeutung. Natürlich muss ein Unternehmen Geld verdienen, um zu investieren. Aber mir ist wichtig, dass alle Mitarbeiter und Gäste sich wohlfühlen. Deshalb arbeite ich auch noch ein bisschen weiter.
Sie wollten im Oktober ja eigentlich mal kürzertreten.
Das mit dem Ruhestand ist eher ein Missverständnis. Ich will aus dem operativen Geschäft aussteigen. Bisher ist das noch nicht geschehen. Ich will noch den Einzug in unsere neue Unternehmenszentrale in Düsseldorf abschließen. Das Haus ist aber leider immer noch nicht hundertprozentig fertig.
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