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Ferienvermietung als Gewinn für Mallorca? So wollen diese drei Deutschen es anstellen

Drei deutsche Frauen in Artà wollen die viel diskutierte Urlaubsvariante wieder in besseres Licht rücken. Ihre neue Agentur „Millorca“ sucht Nähe und Authentizität

V. li.: Leony Pagnia, Lena Laabs und Elvira Touati, die Gründerinnen der neuen Fincavermietungsplattform Millorca.

V. li.: Leony Pagnia, Lena Laabs und Elvira Touati, die Gründerinnen der neuen Fincavermietungsplattform Millorca. / Diego Blanco

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Sophie Mono

Sophie Mono

Ferienvermietung – angesichts der Debatte rund um Overtourism auf Mallorca nicht unbedingt das Wort des Jahres 2024. Trotzdem wagen drei deutsche Frauen in Artà genau in dieser Branche jetzt einen Vorstoß. Oder gerade deshalb. Ihr neu gegründetes Fincavermietungsportal „Millorca“ soll Ferienvermietung wieder zu dem machen, was sie ursprünglich war: eine Möglichkeit für Insulaner, ihre Landhäuschen zu erhalten und an respektvolle Individualurlauber zu vermieten – und so ein Gegengewicht zum Massentourismus zu schaffen. Alles nur eine Illusion?

Wer Lena Laabs (43), Elvira Touati (38) und Leony Pagnia (34) trifft, bekommt schnell den Eindruck: Wenn es jemand schafft, den Mallorca-Tourismus zumindest im Kleinen noch einigermaßen nachhaltig zu gestalten, dann sie. Nicht nur wegen ihrer respektvollen, bodenständigen und sympathischen Art, die sie während des Treffens mit der MZ an den Tag legen, sondern auch wegen ihrer Biografien. Sie alle sind die perfekten Bindeglieder zwischen der mallorquinischen und der deutschen Lebenswelt. Und wissen aus beruflicher und persönlicher Erfahrung, wie beide Seiten ticken – und wie sensibel das Thema Ferienvermietung aktuell ist. „Man kommt nicht drum herum, Stellung zu beziehen. Und natürlich sind wir auch der Meinung, dass zu viel Tourismus der Insel schadet“, sagt Lena Laabs.

Deutsch-Mallorquinisch

Im Gespräch untereinander wechseln die drei immer wieder die Sprache – teils sogar, ohne es zu merken. Kein Wunder: Lena Laabs wuchs als Tochter zweier Deutscher auf Mallorca auf, ging in Capdepera zur Schule, erlernte hier auch den Beruf der Fotografin. „Ich fühle mich eher mallorquinisch als deutsch, obwohl ich natürlich beide Seiten in mir habe.“ Leony Pagnia dagegen verbrachte ihre frühe Kindheit in Deutschland, kam aber im Alter von neun Jahren für zwei Jahre mit ihren Eltern auf die Insel. „Danach ging es noch einmal zurück nach Deutschland, aber mit 17 kam ich wieder nach Artà, um mein Abitur zu machen und endgültig hierzubleiben“, berichtet sie. Ihr Interior-Design-Studium absolvierte sie zwar auf Deutsch, aber im Fernstudium von Mallorca aus.

Und Elvira Touati? „Mein Lebensmittelpunkt ist in Deutschland, aber ich bin seit 15 Jahren eng mit der Insel verbunden“, berichtet die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin. Und das ist nicht übertrieben. Sie baute das von dem Bielefelder Tausendsassa Ralf zur Linde im Jahr 2006 gegründete Ferienvermietungsportal Fincallorca mit auf. Es mauserte sich zur größten Fincavermietungsplattform der Insel.

Bald stießen auch Leony Pagnia und Lena Laabs hinzu. Entsprechend vertraut ist sich das Trio. „Wir haben bei Fincallorca als Chefinnen und Kolleginnen in den verschiedensten Positionen miteinander gearbeitet, und es hat immer gut funktioniert. Wir sind zusammen durch Corona gegangen und haben viele Änderungen miterlebt. Das schweißt zusammen“, sagt Lena Laabs.

Aus kollegialer Sympathie unter den Frauen wurde bald Freundschaft. Deshalb war es für die drei klar, dass sie in Kontakt bleiben wollten, nachdem alle zu unterschiedliche Zeitpunkten in den vergangenen anderthalb Jahren karrieretechnisch ein Pause einlegten und Fincallorca, das mittlerweile von einem multinationalen Konzern aufgekauft worden ist, verließen.

Verschiedene Preisklassen

Doch 15 Jahre im Ferienvermietungsgeschäft lassen sich nicht einfach so abschütteln. „Wir sind hier so verankert, kennen so viele Menschen. Sie sprechen uns auf der Straße an oder im Supermarkt, und immer wieder hören wir: ‚Warum macht ihr nicht wieder das, was ihr am besten könnt?‘“, sagt Leony Pagnia. Warum eigentlich nicht, dachten sich die drei im Spätsommer, als sie sich privat auf einen Kaffee in Artà trafen. Warum nicht etwas Neues aufbauen, das wieder näher am Menschen ist – am in die Jahre gekommenen mallorquinischen Fincabesitzer genau wie am kulturinteressierten deutschen Mallorca-Urlauber, der mehr sucht, als eine unpersönliche Bettenburg? Eine kleine, verantwortungsvolle und den Gästen zugewandte Ferienvermietungsagentur eben, die sich auf Privathäuser mit entsprechenden Lizenzen fokussiert.

Der Grundstein für Millorca war gelegt. Im Herbst gründeten sie eine S.L., am Freitag (25.10.) ging die Website millorca.com online. Zunächst nur mit vier Ferienfincas im Portfolio. Auswählen wollen sie die Fincas nach dem eigenen Wohlfühl-Empfinden. „Die Häuser sollen authentisch sein und komfortabel – und durchaus in unterschiedlichen Preisklassen angesiedelt. Es geht uns nicht nur darum, Luxusimmobilien anzubieten. Wichtig ist für uns, dass sich die Gäste persönlich betreut fühlen und die Vermietung mit Herz gemacht ist“, sagt Lena Laabs.

Ein bisschen back to the roots also. „Wir wollen die Besitzer auch dabei unterstützen, ihre Häuser in Schuss zu bringen. Manchmal reicht es schon, den Jesus von der Wand zu nehmen, gute Matratzen anzuschaffen und die Küchenausstattung etwas aufzupeppen“, sagt Leony Pagnia. Zudem käme es bei vielen Gästen gut an, wenn die mallorquinischen Gastgeber auch mal selbst in Erscheinung träten – oder sie an Erzeugnissen aus dem Gemüsegarten oder dem Hühnergehege teilhaben ließen.

Möglichst authentisch

Auch mit lokalen Händlern, Restaurants und Dienstleistern wolle man kooperieren. „An den Fincaurlaubern, die wir ansprechen wollen, verdienen nicht nur die Hotelkonzerne, sondern im Idealfall die ganze Insel“, betont Lena Laabs. Sie selbst wolle durch das neue Unternehmen gar nicht reich werden. „Natürlich wollen wir unser Team vergrößern und irgendwann auch ein Büro einrichten. Aber vor allem wollen wir flache Hierarchien, eine gute Work-Life-Balance und Familienfreundlichkeit.“ Für sich selbst genau wie für neue Mitarbeiter. Denn letztlich, das merkt man, wollen die drei vor allem eins: die Insel, die ihnen so sehr am Herzen liegt, authentisch zu präsentieren und mit Urlaubern zu teilen, die dies auch wertschätzen.

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