Warum es mit der Hotelschule an der Playa de Palma so schnell nichts wird
Palmas Bürgermeister kündigt eine Hotelschule an der Urlaubermeile an. Klingt gut. Hat aber gleich mehrere Haken

Kein Witz: Den Behörden zufolge haben sich diese sieben Schüler bereits einen Studienplatz gesichert. / F.: MICROSOFT DESIGNER
Es war der vorletzte Punkt in der Liste, doch er sorgte für die größte Aufmerksamkeit. Am Freitag (15.1 1.) hat Palmas Bürgermeister Jaime Martínez die Projekte vorgestellt, in die die Stadt in den kommenden Jahren die Einnahmen aus der Steuer für nachhaltigen Tourismus (ITS) investieren will. Im Mittelpunkt standen vor allem Kultur-, Umwelt- und Mobilitätsthemen, doch es war ein Bildungsprojekt, das es in die Schlagzeilen der Nachrichtenagenturen und zahlreicher Medien schaffte: Für rund 1,4 Millionen Euro wolle man eine Hotelfachschule an der Playa de Palma errichten. Eine Ergänzung zur schon bestehenden Tourismus-Hochschule EHIB, versicherte der Bürgermeister: „In einer Zeit, in der wir über Qualität statt Quantität reden, ist es wichtig, dass wir den angehenden Arbeitskräften, die sich dem Hotelwesen widmen wollen, eine entsprechende Ausbildung garantieren können.“
Niemand kannte Details
Das klang durchaus interessant. Umso erstaunlicher war, dass niemand genauere Details nennen konnte. Beim Rathaus beschränkte man sich darauf zu erklären, das Projekt sei von der Balearen-Regierung angestoßen worden. Der Bürgermeister habe es lediglich erwähnt, weil die Schule in Palma entstehen soll. Doch auch bei der Landesregierung war man zunächst überfragt. Das Bildungsministerium suggerierte, das könne nur das Tourismusministerium heimlich ausgeheckt haben. Dort nachgefragt, verwies man zurück auf die Kollegen beim Bildungsministerium.
Keiner konnte oder wollte Informationen herausrücken, wo diese Schule gebaut werde, welche Fächer unterrichtet und wann das Ding eröffnen sollte. Mit jedem Telefonat schwand die Hoffnung auf eine Schlagzeile wie „Studieren unter Sauftouristen“ oder „Proseminar Malleologie“.
Trockene Lektüre
Doch was könnte der Bürgermeister gemeint haben? Wollte sich da jemand 1,4 Millionen Euro der Touristensteuer unter dem Vorwand einer Phantomschule unter den Nagel reißen? Die Hoffnung auf eine noch viel bessere Schlagzeile machte sich breit. Schließlich jedoch gab die Lektüre einiger sehr trockener Dokumente einen Hinweis darauf, worum es gehen könnte. In der Liste der Landesregierung zu den Tourismussteuer-Projekten fand sich (als letztes) der Punkt „Ausbildung und Qualität“ – in Höhe von 1,4 Millionen Euro. Und da machte es dann auch bei den Regierungssprechern klick. Ja, genau, das sei gemeint.
Allerdings war die Ankündigung des Bürgermeisters – vorsichtig formuliert – etwas übertrieben. Denn von der Summe gehen mehr als 900.000 Euro an ein bereits existierendes gemeinsames Projekt mit der Fluggesellschaft Air Europa, in dem es um Weiterbildungsmaßnahmen für Flugzeugmechaniker geht. Bleiben 465.850 Euro, die ausgeschrieben werden, damit das architektonische Projekt für die zukünftige Berufsschule mit dem Schwerpunkt Tourismus an der Playa de Palma erarbeitet werden kann. Zu einem möglichen Eröffnungszeitpunkt heißt es lediglich: „Las cosas de palacio van despacio“ (Die Palastangelegenheiten kommen nur langsam voran). Anders gesagt: 2025 wird das nichts. Ebenfalls vorsichtig formuliert.
Eine Lektion
Und so, Kinder, lernen wir eine Lektion: Wer nachfragt, macht sich Schlagzeilen kaputt. Oder auch nicht. Kehren wir also besser zum Anfang zurück: „Abschluss statt Abschuss: Playa de Palma bekommt eigene Tourismusschule“. Dann halt irgendwann mal.
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