Mallorcas größter Umweltverband verlässt Runden Tisch für die Zukunft des Tourismus
Der Gob hält die derzeitige Poltik der Balearen-Regierung für unvereinbar mit einer Teilnahme an der Arbeitsgruppe

Anfang November in Sóller: Urlauber-Andrang am historischen Zug. / Joan Mora
Es sind wahrlich keine einfachen Tage für die Balearen-Regierung. Zum einen kämpft sie darum, den öffentlichen Haushalt für 2025 zu retten. Zum anderen fliegt ihr nun eines ihrer Vorzeigeprojekte um die Ohren. Denn am Donnerstag hat Mallorcas größter Umweltverband Gob in einer Pressemitteilung bekanntgegeben, den von der Regierung initiierten Runden Tisch für die Zukunft des Tourismus auf den Balearen zu verlassen.
Der Hintergedanke der im Frühjahr ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe: alle wichtigen Akteure aus Wirtschaft und Gesellschaft zusammenzubringen, um Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Beteiligt sind sowohl Vertreter der wichtigsten touristischen Branchen als auch Gewerkschaften und Verbände.
Scharfe Kritik an der Regierung
In seiner Begründung für den Rücktritt schoss der Gob scharf gegen die Regierung Prohens. Die politischen Entscheidungen der jüngsten Zeit hätten bewiesen, dass der Dialog mit der Zivilgesellschaft nur ein Versuch gewesen sei, das eigene Image zu verbessern. Zwar habe man einige Vorschläge beim Runden Tisch eingereicht. Doch gleichzeitig habe die PP mit ihrem Entbürokratisierungsgesetz die Balearen um mindestens 40 Jahre zurückgeworfen.
Gleich zahlreiche Punkte sind für den Gob inakzeptabel: etwa die Legalisierung illegaler Häuser in ländlichen Gebieten und die Möglichkeit, in Hochwassergebieten zu bauen. Besonders auf die Palme gebracht hat den Gob aber die "versehentliche" Entscheidung der PP, eine Eingabe von Vox zu verabschieden, die den Bau von Häusern in Naturschutzgebieten erleichtert. Die Beteuerungen der PP, dass man dies so schnell wie möglich korrigieren würde, scheinen bei den Umweltschützern auf taube Ohren gestoßen zu sein.
Damit folgt der Gob dem Vorbild des sogenannten Fórum de la Societat Civil, das bereits Ende November den Austritt angekündigt hatte. Dabei handelt es sich um einen Verbund aus unterschiedlichsten Interessensgruppen. Der Gob ist selbst Mitglied, hatte am Runden Tisch aber auch eigene Vertreter.
Auch andere Teilnehmer treten zurück
Ebenfalls ihren Rücktritt vom Runden Tisch erklärt hatte in dieser Woche die Vereinigung der Nachbarschaftsverbände der Insel. Als Argument führte letztere an, die Arbeitsweise des Runden Tisches sei der Sache nicht dienlich. Es fehle an "Transparenz, Stringenz und Kohärenz", monierten die Anwohner.
Statt eines Forums für Debatten und den Austausch handele es sich vor allem um ein undurchdringliches technokratisches Gebilde. Zudem rede man an der Realität vorbei. "Anstatt über die Notwendigkeit zu sprechen, das Wirtschaftsmodell zu diversifizieren, wird uns etwas über die Volatilität der Tourismusbranche erzählt – und das in einem Jahr, in dem 18 Millionen Urlauber gekommen sind", empörte sich Verbandschefin Maribel Alcázar. Der Einschätzung über die Arbeitsweise schloss sich der Gob in seiner Pressemitteilung explizit an.
Derweil wird erwartet, dass der Runde Tisch mit seinem Vorsitzenden, dem Wirtschaftswissenschaftler Toni Riera, noch im Dezember die ersten Ergebnisse präsentiert.
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