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Reiseveranstalter gehen für Mallorca trotz Protesten wieder von einem Rekordsommer aus

Die großen deutschen Reiseveranstalter prophezeien auch für 2025 neue Urlauberrekorde. Verhallen die Warnungen und Proteste der Einheimischen ungehört?

Selbst in etwas abgelegeneren Buchten wie der Cala Molins in Cala Sant Vicenç war es im Sommer 2024 voll. 2025 könnten es noch mehr Menschen sein.

Selbst in etwas abgelegeneren Buchten wie der Cala Molins in Cala Sant Vicenç war es im Sommer 2024 voll. 2025 könnten es noch mehr Menschen sein. / Nele Bendgens

Johannes Krayer

Johannes Krayer

Mallorca steht in Sachen Urlauberzahlen einmal mehr ein neuer Rekordsommer bevor. Allen Debatten um Nachhaltigkeit, allen Protesten gegen den Massentourismus, allen Problemen wie Wasserknappheit, Überfüllung und Wohnungsnot zum Trotz steuert die Insel auch im Sommer 2025 auf neue Höchstmarken zu. Darin sind sich zumindest mehrere Reiseveranstalter aus Deutschland einig.

Der Reiseriese Tui aus Hannover war mit der Erste, der das erneut außerordentliche Interesse an Mallorca erkannte – oder, je nach Interpretation: förderte –, indem er bereits im Mai 2024 wissen ließ, dass schon zu diesem frühen Zeitpunkt die Sommerurlaube 2025 buchbar seien. Der Konzern programmierte die Website so, dass Pauschalreisen mit über einem Jahr Vorlauf reserviert werden konnten.

Und schon damals sagte Stefan Baumert, zu diesem Zeitpunkt noch Vorsitzender der Geschäftsführung, über Mallorca: „Die Insel ist und bleibt die Nummer eins bei unseren Gästen. Die Nachfrage ist ungebrochen.“ Deshalb erweitere die Tui ihr Angebot im Sommer 2025 und biete über 40 wöchentliche Flüge nach Mallorca an.

Reiseriese Tui: Der Pauschalurlaub ist nicht das Problem

Und die Frühbuchungen scheinen eingegangen zu sein. Bei der Pressekonferenz von Tui im Dezember, bei der die Verantwortlichen eine Jahresbilanz zogen und auf 2025 vorausblickten, hieß es, dass Mallorca zum jetzigen Zeitpunkt bereits besser gebucht sei als im Dezember des Vorjahres. Die Proteste gegen die Folgen den Massentourismus hätten bei den Buchungen keinerlei Effekte, sagte Tui-Sprecher Aage Dünhaupt bei der Veranstaltung. Er führt das darauf zurück, dass die typischen Pauschalurlauber der Tui nicht diejenigen seien, an denen sich die Demonstranten störten. „Aus unserer Sicht ist das eine Urlaubsform, die für das lokale Umfeld gut planbar und annehmbar ist.“

Zwar sei das Buchungsplus in der Türkei noch auffälliger und deshalb das östliche Mittelmeer derzeit der unangefochtene Verkaufsschlager bei Tui, das liege aber weniger an einer Schwäche von Mallorca als vielmehr an Kontingenten des Mitbewerbers FTI, der im vergangenen Jahr in die Insolvenz rutschte. Tui übernahm daraufhin in der Türkei eine große Zahl an Betten. Insgesamt schnappte sich der Hannoveraner Konzern rund 400.000 Gästebetten von FTI, mehr als ein Viertel davon an der türkischen Riviera. Auf den Balearen waren das deutlich weniger.

Dertour: Sehr gute Buchungslage erwartet

Auch die Verantwortlichen des zweitgrößten deutschen Reiseveranstalters, Dertour, sprachen bei ihrer Jahrespressekonferenz Mitte Dezember von einem möglichen neuen Rekordsommer auf Mallorca. Man erwarte für die Insel eine sehr gute Buchungslage.

Und all das, obwohl die Reiseveranstalter auch für die kommende Saison wieder die Preise anheben werden. So kündigte unter anderem Alltours-Inhaber Willi Verhuven in einem Interview mit der MZ im Herbst „moderate Preiserhöhungen“ an. Im Vergleich zu Griechenland und der Türkei seien die Preissteigerungen auf Mallorca bisher aber geringer ausgefallen.

Schauinsland: Fast doppelt so viele Buchungen

Auch bei Schauinsland wird kräftig Sommerurlaub gebucht. „Für die Hauptsaison 2025 stellen wir derzeit fast doppelt so viele Buchungen wie vor einem Jahr fest“, erklärte ein Sprecher des Unternehmens aus Duisburg.

Wer früh dran ist mit der Buchung, der kann teilweise bis zur Hälfte des eigentlichen Reisepreises sparen. Nicht zuletzt diese Bedingungen dürften dazu führen, dass viele Familien jetzt buchen und dank der flexiblen Umbuchungsmöglichkeiten bis kurz vor Reiseantritt die genauen Daten festlegen können.

Das sagen die Aktivisten auf Mallorca

Den Aktivisten der Plattform „Menys turisme, més vida“ (Weniger Tourismus, mehr Leben), die im Sommer zwei Großdemonstrationen gegen die Folgen des Massentourismus organisierten, stoßen diese Meldungen über neue Urlauberrekorde bitter auf. „Die Reiseveranstalter machen einfach weiter wie bisher. Sie sprechen von nachhaltigem Tourismus, unternehmen aber nichts in diese Richtung“, sagt etwa Pere Joan Femenia von Fridays for Future der MZ.

Die Protestaktionen waren im Herbst abgeklungen, doch Femenia warnt davor, das falsch zu interpretieren. „Klar haben wir in den vergangenen Monaten etwas weniger unternommen, auch wegen der Nebensaison und des Unwetters in Valencia, aber hier sollte keiner wieder zur Tagesordnung übergehen“, sagt er. Auch im Sommer 2025 stünden wieder Protestaktionen und Kundgebungen an. Die Plattform hatte kürzlich den von der Balearen.Regierung einberufenen Runden Tisch für die Zukunft des Tourismus verlassen. Die Treffen seien eine „Zeitverschwendung“ gewesen, so der Aktivist.

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