Buhlen um die Gunst der Urlauber aus den USA: Bürgermeister von Palma reist mit großem Gefolge nach New York
Teil der Delegation sind auch Vertreter von 14 Unternehmen. Opposition schätzt die Kosten der dreitägigen Werbeoffensive auf über 100.000 Euro

In der Angel Orensanz Foundation, einer ehemaligen Synagoge, wird das Event stattfinden. / Rathaus Palma
Der Mallorca-Hype ist längst in den USA angekommen – so schien es zumindest. Doch das Rathaus in Palma schickt sich nun an, den Trend weiter zu befeuern. Palmas Bürgermeister Jaime Martínez wird am Dienstag (18.2.) nach New York reisen, um an einer Werbeveranstaltung teilzunehmen, die die Stiftung Turismo Palma 365 im Rahmen ihres Aktionsplans für 2025 in Manhattan organisiert hat. Ziel des Events ist laut einer Pressemitteilung, "die Hauptstadt von Mallorca auf dem US-amerikanischen Markt bekannt zu machen".
Martínez wird von einem großen Gefolge begleitet: Mit dabei sind sein Stellvertreter und Kulturstadtrat Javier Bonet, der Generalkoordinator für Kultur und bildende Kunst, Fernando Gómez de la Cuesta, und der Geschäftsführer der Stiftung Turismo Palma 365, Pedro Homar sowie Vertreter von vierzehn in Palma ansässigen Unternehmen. Im Laufe von drei Tagen wollen sie "ein umfangreiches Arbeitsprogramm absolvieren" und nicht nur an der Hauptveranstaltung am Mittwoch (19. Februar) teilnehmen, sondern auch an "Treffen mit den wichtigsten Reiseveranstaltern und Medien des amerikanischen Marktes" .
Präsentation in einer ehemaligen Synagoge
Das Promo-Event findet in der "Angel Orensanz Foundation" im Lower East Side von Manhattan statt, einem Gebäude, das ursprünglich eine Synagoge aus dem 19. Jahrhundert war – die älteste der Stadt. Die Veranstaltung, zu der gerade mal 100 Gäste erwartet werden, beginnt mit einer Podiumsdiskussion über Palma als Reiseziel mit Vertretern von Turespaña, dem Reiseführer Lonely Planet, der Fluggesellschaft United Airlines und Virtuoso, einer US-amerikanischen Gruppe, die auf Luxustourismus spezialisierte Reisebüros umfasst.
Im Anschluss beginnt eine Networking-Session zwischen den nach New York gereisten mallorquinischen Unternehmen, der Stadtverwaltung und den lokalen Teilnehmern. Zugesagt hätten dafür unter anderem Medien wie "Robb Report", "The Independent", "Wall Street Journal" und "Fodor's Travel".
Festival Paco de Lucía: Flamenco als Zugpferd
Teil der Werbeoffensive ist an diesem Tag auch die Präsentation des Festivals Paco de Lucía Mallorca, das vom 8. bis 14. März in Palma stattfinden wird. Für die Show reist unter anderen die aufstrebende und schon mehrfach preisgekrönte deutsch-mallorquinische Musikerin Maria Hein nach New York, um am Klavier und mit Gesang "La dama de Mallorca" darzubieten. Auftreten sollen auch Künstler wie Andrés Barrios, Yiyo, Kiki Morente, Carlos de Jacoba und Curro Conde Morente.
Die nach New York gereiste Delegation der Stadtverwaltung wird von Vertretern folgender Unternehmen begleitet: Hoteles HM, Melia Hotels International, Aubamar, Summum Hotel Group, Essentially Mallorca, Grupo IT Mallorca, ASHPAMA, Son Marroig, Arabella, RCD Mallorca, Valparaíso, Hyatt, Hotel Nakar und Hotel Santa Clara. "Alle diese Unternehmen werden die Möglichkeit haben, an Treffen mit den wichtigsten Unternehmen des amerikanischen Tourismussektors teilzunehmen", so das Rathaus von Palma.
Martínez lebe "in einem Paralleluniversum"
Die Kritik an dem Vorhaben vonseiten der Opposition ließ nicht lange auf sich warten. Die Sozialisten wettern in Bezug auf die Reise, dass Jaime Martínez "mehr als 100.000 Euro für eine dreistündige Party in New York mit Premium-Freigetränken ausgibt, um die Stadt zu bewerben". Für den Sprecher der Sozialisten im Rathaus, Xisco Ducrós, zeige diese Aktion, "dass der Bürgermeister kein Interesse daran hat, auf die Probleme der Stadt einzugehen, und dass er in einem Paralleluniversum lebt". Der Stadtrat betonte, dass "jede Stunde der Party uns 33.000 Euro kostet – ein Unding inmitten der Wohnungskrise, die Palma erlebt".

PSOE-Sprecher Xisco Ducró auf einem Archivbild. / Rathaus Palma
Zu den 60.000 Euro, die das Unternehmen kassiere, das die Party veranstaltet, kämen 22.000 Euro für die Miete der Räumlichkeiten sowie die Kosten für Flugtickets, Hotel und Verpflegung der Delegation, die mindestens weitere 20.000 Euro betragen würden. Somit beliefen sich die Gesamtkosten auf mehr als 100.000 Euro. Der 60.000-Euro-Vertrag beinhalte zwei Stunden Premium-Bar mit Freigetränken, Kanapees und Flamenco-Musikdarbietungen, erklärte Ducrós. Diese Ausgabe aus öffentlichen Geldern sei nicht gerechtfertigt. Zudem kritisierte der PSOE-Sprecher die zuletzt gehäuften Reisen von Martínez: "Er ist mehr außerhalb der Stadt als in Palma." /bro
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