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Radikaler Plan am Ballermann: Hotelierschef der Playa de Palma will alle Strandbars abschaffen

Auch das Mäuerchen in seiner derzeitigen Form ist Pedro Marín ein Dorn im Auge. Dafür soll die Urlauberhochburg viel sicherer werden

Die Strandbar mit der Nummer 6 ist fast schon legendär.

Die Strandbar mit der Nummer 6 ist fast schon legendär. / Dörr

Ralf Petzold

Ralf Petzold

Der Hoteliersverband Playa de Palma hat sich am Mittwoch (26.2.) mit Palmas Bürgermeister zu einer strategischen Sitzung getroffen. Das Rathaus versprach Verbandspräsident Pedro Marín, mehr Polizisten in der anstehenden Saison in die deutsche Urlauberhochburg zu schicken. Der Hotelierschef ist entzückt. Die MZ hat bei ihm nachgefragt und mehr Einzelheiten aus dem Treffen erbeten.

In den vergangenen Jahren hat das Rathaus immer wieder angekündigt, das Polizeiaufgebot aufzustocken. Was überzeugt Sie, dass es diesmal wirklich besser wird?

Das Rathaus Palma mit seiner Ortspolizei sowie die Delegation der Zentralregierung mit der Nationalpolizei haben in den vergangenen Jahren immer nur im Sommer Verstärkungen geschickt. Das war nie länger als vier Monate und reichte nicht aus. Bei einem Spaziergang an der Playa entlang konnte jeder die verschiedenen Exzesse beobachten. Die Playa de Palma war ein absolutes Chaos. Bislang gab es da vom Rathaus immer nur Ausreden oder halbherzige Versuche, etwas zu ändern.

Und was ist nun konkret anders?

Das Rathaus hat Geld beantragt, das in die Sicherheit an der Playa de Palma gesteckt werden soll. Der Bürgermeister wird sicher noch eine Pressekonferenz abhalten und ich will ihm nicht zu viel vorwegnehmen. Aber es ist unglaublich, dass die Politiker endlich mal einen Plan haben und Bereitschaft zeigen, etwas zu ändern. Wir werden in dieser Saison Polizisten sehen, die zu Fuß an der Playa auf Streife gehen. Vorher fuhren sie dort nur mit dem Auto entlang. Es wird mehr Streifen geben, es ist Geld da, um Überstunden zu bezahlen. Die Polizei weiß endlich, welche Konfliktpunkte sie ansteuern muss. Kurzum: Das Rathaus hat seine Hausaufgaben gemacht. Es ist das erste Mal, dass ich nach so einem Treffen das Gefühl habe, es ändert sich etwas.

Pedro Marín.

Pedro Marín. / Nele Bendgens

Die Urlauber werden den Wandel spüren?

Jeder wird ihn spüren. Die Sommerverstärkung der Polizei kommt in diesem Jahr schon im April und nicht erst Ende Mai. Sechs Monate - das ist unglaublich! Und das sage ich als sonst kritischer Mensch. Wenn wir so weitermachen, ändern wir die Playa de Palma in vier, fünf Jahren von einem Katastrophengebiet in ein Beispiel, was Sicherheit angeht.

Es soll mehr Kontrollen geben, was den illegalen Alkoholverkauf betrifft. Ist das das große Problem an der Playa? Die Saufurlauber können sich den Schnaps schließlich auch im normalen Supermarkt oder den Diskotheken kaufen.

Die normalen Supermärkte machen 21.30 Uhr zu. Die Diskotheken sind für den Alkoholkonsum eingerichtet. Es geht um die öffentlichen Räume. Die werden verschmutzt. Die Urlauber sollen nun nicht denken, dass die Kontrollen sich gegen sie richten. Wir arbeiten auf ein Miteinander mit den Anwohnern hin. Die Playa macht Spaß. Das soll sich nicht ändern. Nur die Exzesse müssen aufhören. Denken wir mal an den Rattenschwanz, den diese Art des Tourismus mit sich bringt: Taschendiebe, Prostituierte, Hütchenspieler, illegale Straßenhändler. Wenn wir alle an einem Strang ziehen, werden die Urlauber bald noch mehr Spaß an einer sicheren Playa haben.

Die Qualitätsoffensive Palma Beach brachte eine Namensänderung der ersten Meereslinie an der Playa de Palma ins Spiel. Wie sieht es damit aus?

Mit dem Hoteliersverband machen wir uns gerade selber Gedanken, wie die Playa de Palma künftig aussehen könnte. Am Freitag und Montag treffe ich mich mit Abgeordneten der Stadt, um darüber zu sprechen. Es geht um einen Umbau. Was den Namen angeht: Früher hörte die Ringautobahn in Can Pastilla auf und die Autos fuhren an der ersten Meereslinie an der Playa de Palma entlang. Da war den Name "Carretera" noch zutreffend. Jetzt ist es eher ein Spazierweg, also ein Paseo. Es müsste daher geändert werden. Nun schauen wir, ob es der Paseo de Arenal oder der Paseo de Playa de Palma wird. Ich bevorzuge Letzteres.

Am Ende ist es nur ein Name. Da ändert sich nicht wirklich viel.

Im Gegenteil. Wir wollen schließlich die ganze Meereslinie umbauen. Mir schwebt vor, die Mauer abzureißen und den Strand um etwa sieben Meter zu verlängern. Bis dorthin, wo jetzt die Straße ist. Aus der Straße machen wir dann einen neuen Fußweg.

Das sind nun Ihre eigenen Ideen? Denn gleichzeitig arbeitet auch ein Architektenbüro in Barcelona im Auftrag des Rathauses an einer Umgestaltung der Playa.

Das Dünenprojekt. Da glaube ich nicht, dass das machbar ist. Dann müssten Tonnen an Sand auf die derzeitig neu gemachte Kanalisation und Gehwege geschüttet werden. Das wird nicht halten und macht die aktuellen Bauarbeiten obsolet. Ich setze mich mit den verschiedenen Verbänden an der Playa de Palma zusammen und wir machen ein Brainstorming, damit alle glücklich sind. Diese Ideen stelle ich dann dem Rathaus vor.

Das Mäuerchen ist den Deutschen sehr wichtig. Das wollen Sie wirklich abreißen?

Anpassen ist das bessere Wort. Wir wollen es verschieben und etwas hübscher machen. Im Endeffekt ist die Mauer aber dafür da, um den Sand am Strand zu behalten. Sie ist nicht als Sitzgelegenheit konzipiert.

Welche weiteren Ideen haben Sie?

Ich denke, wir brauchen die Balnearios als Bars nicht mehr. Die Strandhäuschen müssen an die heutige Zeit angepasst werden. Früher waren sie wichtig, weil es keine Restaurants und Supermärkte in der Zone gab. Heute sind 15 Bars direkt am Strand zu viel, da wenige Meter entfernt alle möglichen Lokale sind. Öffentliche Toiletten oder Sportanbieter würden viel besser in die Balnearios passen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Stand-up-Paddle-Verleih? Oder ein Wasserski-Anbieter? Die Strandbesucher müssen animiert werden und wir müssen ihnen Möglichkeiten bieten, damit sie eben nicht nur in den Bierkönig und Megapark gehen.

Wie laufen die derzeitigen Bauarbeiten?

Am 30. April fängt wieder die Sommerpause auf der Baustelle an. Bis zum 1. November ruhen die Baumaschinen. Nächsten Winter ist dann das letzte sechsmonatige Fenster. Es läuft alles nach Plan. Derzeit sind die Laternen dran. Das stört nicht so wie die Erneuerung des Gehwegs, da es kleinere Arbeiten sind.

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