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Die vier großen Hotelketten auf Mallorca sind Weltkonzerne in Familienhand - Wer führt sie in die Zukunft?

An der Spitze der vier größten Hotelketten Mallorcas stehen vier Dynastien. Bei der Nachfolgeregelung geht es nicht immer friedlich zu. Zwei Kenner geben Einblicke

Familienunternehmen in vierter Generation: Die Familie Riu auf einem Bild aus dem Jahresbericht 2023.

Familienunternehmen in vierter Generation: Die Familie Riu auf einem Bild aus dem Jahresbericht 2023. / Riu

Johannes Krayer

Johannes Krayer

Die großen Hotelketten auf Mallorca sind mächtig und weltweit aktiv – und ihr Vermächtnis wandert von einer Generation in die nächste, wobei die Kontrolle stets in der Familie zu bleiben scheint. Meliá, Riu, Iberostar und Barceló gehören europaweit zu den ganz Großen ihrer Branche. Gegründet wurden Riu und Meliá in den 1950er-Jahren.

Iberostar und Barceló sind als Firmen deutlich älter, ins Hotelgeschäft stiegen die Nachfahren der Gründer aber auch hier in den 1950er-Jahren mit dem Aufkommen des Massentourismus ein. Seither waren in allen Fällen stets Familienmitglieder die sichtbaren Köpfe der Unternehmen. Zunächst die Patriarchen und Gründer, dann die zumeist sehr zahlreichen Nachkommen.

Bedeutende Investmentfonds im Rücken

„Das ist eine Besonderheit bei den hiesigen Big Playern. Sie präsentieren sich immer noch wie ein Familienunternehmen, dabei geht häufig unter, dass sie bedeutende Investmentfonds im Rücken haben“, sagt Ivan Murray, Geografieprofessor an der Balearen-Universität UIB und Kenner der Tourismusindustrie auf den Inseln. Vor allem seit der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2008 habe sich das Anteilsverhältnis bei vielen großen Familienunternehmen geändert.

Das „geradezu mythologische Narrativ des familiengeführten Betriebs“ werde aber weitergeführt – auch um der Branche ein menschliches Gesicht zu geben, was vor allem im Tourismus sehr wichtig sei. Dennoch, ergänzt Juan Franch Fluxá, UIB-Kollege, Rechtsprofessor und Tourismusexperte: „Auch wenn inzwischen Investoren einen großen Einfluss haben, handelt es sich dabei eher um strategische Partner. Die wirklich wichtigen Entscheidungen treffen weiterhin die Eigentümerfamilien.“

Familien hüten ihre Privatsphäre

Dass es bei der Nachfolgeregelung immer friedlich zugeht, bezweifelt Ivan Murray stark, auch wenn derartige Informationen nicht nach außen dringen. Die Familien hüten ihre Privatsphäre wie einen Schatz, was auch zum diskreten Naturell der Mallorquiner passt. „Nur bei Meliá wurde bekannt, dass Gabriel Escarrer senior in die vorgesehene Nachfolgeregelung eingriff“, sagt Murray. Die Familien funktionierten noch sehr patriarchalisch, sagen Murray und sein Kollege Juan Franch Fluxá unisono.

Carmen Riu machte einen Anfang, doch erst in der nun an die Schalthebeln gelangenden Generation bekommen Frauen verantwortungsvolle Posten in vorderster Front, wie etwa Finanzdirektorin Naomi Riu oder die beiden Töchter des Iberostar-Präsidenten Miquel Fluxá. „Und immer schwingt die Angst der Vorgängergeneration mit, die nächste Generation könnte den ganzen Laden an die Wand fahren“, sagt Fluxá.

Hervorragende Ausbildung

Was alle Jüngeren gemein haben, ist ihre „hervorragende Ausbildung“, wie der Jurist sagt. „Diese Familien achten sehr auf die Bildung, vor allem auch auf Sprachkenntnisse, und schicken ihre Kinder ins Ausland, um dort an renommierten Unis zu studieren.“ Gleichzeitig holen sie sich erfahrene Manager ins Haus, gerne auch aus dem Ausland.

Bei Iberostar ist das etwa der Deutsche Finn Ackermann, der den Verkauf bei der Kette verantwortet. Und bei Barceló könnte man da Gabriel Subías nennen, schon beinahe eine Art Ziehsohn der Eigentümer.

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