"Werden keine Toleranz zeigen": So will Mallorcas Tourismusdezernent gegen illegale Ferienvermietung vorgehen
José Marcial Rodríguez spricht am Rande der Tourismusmesse ITB in Berlin mit der MZ über seine größte Herausforderung, die Strategien im Kampf gegen die illegalen Angebote und die Einstellung der Anzeige gegen ihn

Der Tourismusdezernent des Inselrats von Mallorca, José Marcial Rodríguez, am Balearen-Stand auf der ITB in Berlin. / Johannes Krayer
José Marcial Rodríguez, der Tourismusdezernent des Inselrats von Mallorca, hat kurz nach dem Jahreswechsel mit unschönen Schlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht. Nach einer anonymen Anzeige aus seiner Abteilung wurde gegen den 63-jährigen früheren Vorsitzenden der Hoteliersvereinigung Cala Millor ermittelt. Mitte Februar dann legte die Untersuchungskommission den Fall zu den Akten. Es seien keine Unregelmäßigkeiten festgestellt worden.
Bei der Tourismusmesse ITB in Berlin war Rodríguez froh, dass er sein Hauptaugenmerk wieder auf sein größtes Anliegen, den Kampf gegen die illegale Ferienvermietung, legen konnte. Am Dienstag (4.3.) tauschte er sich mit dem Inselrat von Ibiza sowie der Zentralregierung aus. Die MZ sprach danach mit Rodríguez.
Was haben Sie beim Treffen gerade gelernt?
Wir haben uns darüber ausgetauscht, was Ibiza bereits macht und wir jetzt einführen wollen. Wir wollen effizienter bei der Verfolgung der illegalen Angebot werden. Ibiza macht das mit technologischen Plattformen vor und kann mit deren Hilfe genau feststellen, welche Angebote eine Lizenz haben und welche nicht. Das soll die Arbeit der Inspekteure deutlich vereinfachen.
Auf Ibiza ist die Wohnungsnot unter den Einheimischen noch größer als auf Mallorca.
Das stimmt, aber andererseits finden sich 90 Prozent der legalen wie illegalen Angebote von Ferienvermietung auf den Balearen auf Mallorca. Das ist kein Pappenstiel.
Wie hoch ist der Prozentsatz illegaler Angebote auf Mallorca?
Dazu gibt es keine exakten Zahlen, und es kommt sehr darauf an, von welcher Jahreszeit wir sprechen. Ich gehe aber davon aus, dass rund 20.000 bis 30.000 illegale Gästebetten in den Ferienwohnungen bereitstehen.
Ist die illegale Ferienvermietung die größte Herausforderung, die Sie gerade in Ihrer Abteilung haben?
Ganz ohne Zweifel. Wir müssen die Dinge endlich angehen, die Verwaltung muss intern einen Zahn zulegen und besser werden. Das ist unser vorrangiges Ziel in dieser Legislaturperiode. Und da geht es vor allem um die illegale Ferienvermietung in Mehrfamilienhäusern, wo der Effekt auf die Wohnsituation der Einheimischen am unmittelbarsten ist.
Noch sind die Maßnahmen der Balearen-Regierung für einen nachhaltigeren Tourismus nicht veröffentlicht worden, aber man hat bereits über ein inselweites Verbot von Ferienvermietung in Mehrfamilienhäusern spekuliert. Wäre das schon die Lösung?
Es wird verschiedene Maßnahmen geben, wobei ein zentraler Aspekt ist, all das anzugehen, was schnell den Stopp eines weiteren Wachstums an Gästebetten zur Folge hat. Allerdings dürfte es darauf hinauslaufen, dass das existierende Angebot bestehen bleiben wird. Und dazu gehört in vielen Orten auf der Insel die Ferienvermietung in Mehrfamilienhäusern.
Durften Sie schon einen Blick in den Entwurf für die Maßnahmen der Landesregierung werfen, die in den kommenden Tagen vorgestellt werden sollen?
Wir liefern zu diesem Entwurf unseren Beitrag. Aber im Endeffekt ist es die Landesregierung, die die Regeln aufstellt. Wir sind dann diejenigen, die sie umsetzen müssen. Deshalb haben wir darum gebeten, dass unsere ohnehin schon angespannte Verwaltung nicht noch mehr überfrachtet, sondern im Gegenteil entbürokratisiert wird.
Seit Ihrem Amtsantritt vergeht kaum eine Woche, in der nicht wieder eine neue fünfstellige Strafe gegen Anbieter einer illegalen Ferienwohnung verkündet wird. Die Mindeststrafe haben Sie von 40.000 auf 80.000 Euro verdoppelt. Aber kommt dieses Geld tatsächlich an oder geht es zuerst einmal in jahrelange gerichtliche Auseinandersetzungen?
Alle Vorgänge dauern ihre Zeit, und die Regularien erlauben im Falle einer Strafe der Verwaltung selbstverständlich, diese Strafe anzufechten oder darauf hinzuwirken, dass sie geringer ausfällt. Aber wir haben erreicht, dass die Summe, die wir mit den Strafen einnehmen, jährlich steigt. 2023 waren es noch rund drei Millionen Euro, für 2024 waren es fast sechs Millionen Euro und für 2025 rechnen wir mit knapp neun Millionen Euro. Gerade im Fall von kompletten Gebäuden, in denen alle Wohnungen in der Ferienvermietung angeboten wurden, greifen wir inzwischen besser durch. Und es ist so, dass die illegalen Anbieter es uns immer schwerer machen, sie zu erwischen, denn sie werden trickreicher und sind in vielen Fällen agiler als die Verwaltung. Aber wir bauen eine Verwaltung auf, die viel mehr Macht hat und wollen in der Öffentlichkeit verbreiten, dass wir keine Toleranz zeigen werden.
Wie muss man sich die Alltagsarbeit vorstellen? Wie viele Inspektionen schaffen Sie am Tag?
Im vergangenen Jahr sind die Inspekteure rund 6.000 Mal ausgeschwärmt, wobei knapp 4.000 Inspektionen herauskamen. Und von diesen wiesen 500 einen Verstoß auf. Was wir darüber hinaus machen, ist, diejenigen Eigentümer zu besuchen, die bereits eine Strafe erhalten haben. Denn wir haben herausgefunden, dass rund elf Prozent der illegalen Angebote selbst nach einer Strafe wieder auf den Markt kommen. Allerdings ist es ein Saisongeschäft. Viele Wohnungen werden im Oktober vom Markt genommen und tauchen im Mai wieder auf. Oder sie werden nur nachts angeboten oder die Angebote werden nur in Deutschland bekannt und die Mieter kommen mit einem Schlüsselcode nach Mallorca und beziehen dort die Wohnung. All diese Schlupflöcher sind beim Kampf gegen die illegale Ferienvermietung zu berücksichtigen.
Aber wie gehen Sie da vor? Wollen Sie rund um die Uhr arbeiten oder in Deutschland ermitteln?
Da muss ich eine Gegenfrage stellen: Wie würden Sie einen Elefanten essen?
Naja, einen Happen nach dem anderen.
Das ist die Antwort. Wir können nicht in eineinhalb Jahren, die ich nun am Ruder bin, das Chaos der vergangenen acht Jahre beseitigen (die beiden Legislaturperioden der vorherigen Linksregierung, d. Red.). Allein auf Mallorca kamen 90.000 legale Gästebetten in der Ferienvermietung dazu. Nicht zu vergessen den Boom der illegalen Angebote, die im Zuge der Legalisierung der Ferienvermietung in Mehrfamilienhäusern dazukamen. Es war eben angesagt und on woke zu sagen: Wir lassen die Leute an den Einnahmen durch den Tourismus teilhaben. Deshalb können wir die Bevölkerung jetzt nicht täuschen. Es wird nicht einfach, das Rad zurückzudrehen. Das dauert.
Landesregierung und Inselrat sprechen seit Monaten davon, dass sie Daten brauchen, um Entscheidungen treffen zu können. Wann soll dieser Prozess endlich abgeschlossen sein?
Wir haben inzwischen sehr viele Daten. Aber wir haben nicht die intelligente Auswertung, die wir brauchen. Und dafür sorgt jetzt die Universität und Toni Riera, der Leiter der Arbeitsgruppen für die Zukunft des Tourismus. Da mag nicht alles perfekt sein, aber es ist ein Ausgangspunkt, um endlich loszulegen.
Sie werden froh sein, dass der Fokus im Tourismusdezernat wieder auf der Arbeit liegt, nachdem die Anzeige gegen Sie eingestellt wurde.
Für mich hat sich nichts geändert. Ich hatte vorher ein ruhiges Gewissen und habe das jetzt auch. Es bin jetzt nicht mehr ich, der Erklärungen liefern muss, sondern diejenigen, die mich unanständigerweise denunziert haben und diejenigen, die sich unanständigerweise der Anzeige angeschlossen haben. Ich habe mir nichts vorzuwerfen.
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