Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Mallorca auf der ITB: Ökosteuer und Überfüllung als Reizworte

Bei der Internationalen Tourismusmesse in Berlin rückt die Balearen-Regierung noch nicht mit Details zu den geplanten Maßnahmen für einen nachhaltigeren Tourismus heraus. Dafür bestimmen andere Themen die Debatte

Mallorca auf der ITB 2025: So sieht es am Stand der Balearen aus

Johannes Krayer

Folgen Sie uns bereits?Marken Sie uns als bevorzugte Medien
Hinzufügen zu Google
Johannes Krayer

Johannes Krayer

Der Stand der Balearen bei der Tourismusmesse ITB in Berlin ist diesmal deutlich pompöser ausgefallen. Mehr als 100 Quadratmeter größer als der Vorgänger, dafür aber auch unübersichtlicher und ein paar Meter vom angestammten Platz entfernt, war der Stand zur Eröffnung der Messe am Dienstag (4.3.) sowie am Mittwoch Treffpunkt von Politikern, Hoteliers, Reiseveranstaltern, Medienvertretern – und wer sonst noch so alles zum großen Spektakel ITB gehört.

Die Balearen werben in Berlin mit großen Videoleinwänden, die Botschaft des nachhaltigen Reiseziels hat sich dabei kaum geändert. Hinzu kamen neu große Fotowände rund um das Thema Wasser – eines der Steckenpferde der konservativen Landesregierung schlechthin. Es lag eine gewisse Erwartungshaltung auf der ITB, was die geplanten Maßnahmen zur Eindämmung des Tourismus betraf. Vor allem, weil Regierungssprecher Antoni Costa am Freitag (28.2.) bei einer Pressekonferenz noch nichts Genaueres verraten wollte.

Mallorca auf der ITB 2025: Ministerpräsidentin Marga Prohens stellt die Balearen auf Deutsch als Pioniere für Innovation vor

Johannes Krayer / Patrick Schirmer Sastre

Doch schnell übernahm die balearische Ministerpräsidentin Marga Prohens kurz nach der Eröffnung die Rolle der Spielverderberin und weigerte sich, konkreter zu werden. Ein paar Details waren ja bereits durchgesickert, wie etwa eine – wenn auch eher homöopathische – Erhöhung der Steuer für nachhaltigen Tourismus im Sommer bei gleichzeitiger Reduzierung im Winter. Auch eine größere Diversifizierung, was die Herkunft der Urlauber auf den Balearen betrifft, soll erreicht werden – speziell im Hinblick auf den sehr treuen deutschen Markt.

Es werde weiterhin der Hauptmarkt bleiben, erklärte Prohens nach ihrer komplett auf Deutsch gehaltenen Rede, in der es vor allem um den Runden Tisch zur Zukunft des Tourismus auf den Inseln ging. Aber das heiße ja nicht, dass man sich nicht noch stärker für Urlauber aus anderen Ländern öffnen könne. Das sehe die Strategie im Dokument „Bases para la transición“ vor – eine Diagnose der Ist-Situation des Tourismus auf den Inseln nach dem Ende der Arbeitsgruppen.

Wenige Hoteliers

Es waren vergleichsweise wenige Hoteliers, die diesmal den Weg nach Berlin gefunden hatten. Und glaubt man einer ranghohen Vertreterin der mallorquinischen Kette BQ Hoteles, dann bedeute das, dass ihnen momentan nicht viel auf der Seele brenne, wie sie der MZ sagte. Wenn vieles im Argen läge und Bitten an die Politik herangetragen werden müssten, dann sei das anders. Die handverlesenen Hoteliers, die in den Messehallen oder bei den anderen Veranstaltungen im Rahmen der ITB in Berlin anzutreffen waren, gaben sich sehr diskret und wollten sich kaum zur Strategie der Balearen-Regierung äußern. Mehr als Gemeinplätze oder gar der Ansage eines Managers einer mittelgroßen mallorquinischen Kette zu seinem Kollegen, dass er ja nicht mit der Presse darüber sprechen solle, war nicht zu erfahren.

Was eine mögliche Erhöhung der Steuer für nachhaltigen Tourismus angeht, da gab es dann doch Meinungen. Javier Vich, der neue Präsident der Hoteliersvereinigung FEHM, zeigte kein Verständnis dafür. Davon abgesehen, dass das Thema in den Besprechungen mit den Reiseveranstaltern keine Rolle gespielt habe, weise man jegliche Erhöhung zurück. „Wenn ohnehin jetzt schon gesagt wird, dass sich eine Erhöhung nicht auf die Nachfrage auswirken wird, welchen Sinn soll sie dann haben?“, fragte Vich. Und sinnlosen Vorschlägen könne man generell nicht zustimmen.

Das sagen die Reiseveranstalter

Auch bei den Reiseveranstaltern blickt man einer möglichen Erhöhung der Steuer auf Mallorca eher bang entgegen. „Mallorca hat schon sehr an der Preisschraube gedreht, viele Kunden haben ein Limit und sind nicht bereit, immer mehr auszugeben“, sagte Nils Lübbe, der Direktor für den westlichen Mittelmeerraum bei DER Touristik. Und auch Jan Mayer, Mitglied der Geschäftsführung bei Alltours, äußerte sich zwar vorsichtig, sagte aber auch: „Wenn etwa diese Steuer die Preise immer weiter nach oben schraubt,, ist nicht ausgeschlossen, dass sich Urlauber nach anderen Destinationen umschauen.

Das merke man ohnehin bereits bei den Buchungszahlen. Im Sommer, so erklärten die Vertreter von DER Touristik und Alltours einvernehmlich, werde es auf Mallorca keinen Zuwachs im Vergleich zu 2024 geben. Der Winter laufe dafür mit einem Plus von fünf bis sechs Prozent besser als im Vorjahr. Zur Wahrheit gehört hier aber auch, dass ein weiteres Wachstum im Sommer auf Mallorca ohnehin nahezu ausgeschlossen ist. Und: Dass die Reiseveranstalter sich bereits im Sommer 2024 über ein zweistelliges Wachstum freuen konnten. Doch das ist dieses Jahr natürlich vergessen.

Gastronomen skeptisch

Doch nicht nur die Reiseveranstalter haben Bedenken angemeldet. Auch der Gastronomenverband CAEB Restauración meldete sich zur Wort und erklärte, man gehe mit „Skepsis“ in die Saison. Bereits 2024 habe es geheißen, es werde ein gutes Jahr, doch dann gingen die Umsätze überraschend zurück. Gleichzeitig stiegen die Preise, die nur zum Teil an die Kunden weitergegeben werden konnten. Man werde sich das Ganze „mit sehr viel Vorsicht“ anschauen, erklärte Playa-Gastronom Juan Miguel Ferrer, der Präsident der Vereinigung.

Wie so häufig einen differenzierten Blick auf die Dinge hatte Yannik Erhart, CEO der Universal Hotels. Der Schweizer wollte sich im Gespräch mit der MZ nicht generell gegen eine Erhöhung der Steuer für nachhaltigen Tourismus aussprechen. „Wenn das Geld in die Nachhaltigkeit fließt, sind wir nicht dagegen.“ Die Urlauber würden das gerne zahlen, erkundigten sich allerdings häufig danach, wohin das Geld fließt. Bei einer Erhöhung von einem Euro sehe Erhart keinen Effekt auf Nachfrage und Überfüllung der Insel.

Reizwort Überfüllung

A propos Überfüllung: ein Reizwort, auf das der FEHM-Präsident Javier Vich dünnhäutig reagierte. Auf Mallorca gebe es fünf, sechs Orte, an denen sich gerade in der Hauptsason viele Urlauber ansammelten. „Aber da von Kollaps oder Massifizierung zu sprechen, ist einfach falsch. Das entspricht nicht der Realität“, gab Vich energisch zu Protokoll. Im Übrigen haben ihn kein einziger Reiseveranstalter besorgt wegen einer möglichen Überfüllung angesprochen.

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents