Limit für Palma-Stadtführungen: Guides fürchten "schwerwiegende Auswirkungen auf die Branche"
Palma will die Anzahl der Teilnehmer bei Stadtführungen begrenzen und so gegen die Überfüllung vorgehen. Bei den Guides kommt das nicht so gut an

Nicht alle sind von den Menschenansammlungen durch Stadtführungen in Palmas Altstadt begeistert / Redaktion DM
Alex Freila ist wie viele Fremdenführer derzeit schlecht auf Palmas Stadtverwaltung zu sprechen. „Es ist unglaublich. Sie verbieten, statt Lösungen zu finden“, schimpft die Touristenführerin und Sprecherin des Branchenverbands Pro Guías. Der Grund: Ende vergangenen Jahres hatte das Rathaus den Entwurf einer neuen ordenanza cívica verabschiedet, einer Liste von Benimmregeln also, die jetzt von verschiedenen Gremien abgesegnet werden muss. Darin finden sich unter anderem strengere Auflagen für Stadtführungen. „Wenn die in Kraft treten sollten, werden sie schwerwiegende Auswirkungen auf die Branche haben, aber die Überfüllung der Altstadt nicht lösen“, ist sich Alex Freila sicher.
Weniger Teilnehmer
Sie stößt sich vor allem an einer geplanten Begrenzung der Tour-Teilnehmer: Zukünftig sollen laut ordenanza an einer Stadtführung nur noch 19 Personen plus ihrem Guide teilnehmen dürfen. Zu wenig, findet Freila. Bisher nähmen durchschnittlich 30 bis 40, maximal 50 Personen an den typischen Palma-Touren teil – angelehnt an die Kapazität der Reisebusse, mit denen die Urlauber ins Zentrum gebracht werden. „Die Limitierung wird dazu führen, dass die Teilnahmegebühren steigen. Viele werden dann keine Tour mehr buchen, sondern privat mit Mietwagen nach Palma fahren. Das ist weder nachhaltig noch zielführend“, sagt Freila.
Dabei seien die Teilnehmer respektvolle, kulturinteressierte Menschen – entsprächen also genau dem Urlauberprofil, das Mallorca sich wünsche. Zudem sorgten die Stadtführungen für die angestrebte Entzerrung der Saison. „Palma-Touren sind vor allem im Winterhalbjahr gefragt. Es ist widersinnig, da Grenzen zu setzen“, findet Freila.
Bessere Organisation
Ingrid Flohr bleibt gelassener angesichts des neuen Regelwerks, das unter anderem auch Fahrten auf E-Rollern, Alkoholkonsum auf offener Straße oder Straßenkunst betrifft. Die deutsche Residentin und Kunstexpertin organisiert seit Jahren in Palma und anderswo auf der Insel mit ihrer Kollegin Maria Sureda Kulturtouren. Individuelle Angebote mit Anspruch und ohnehin meist kleineren Gruppen. „Manchmal haben wir aber auch Gruppen von 24 Teilnehmern, die Limitierung beträfe insofern auch uns“, sagt sie.
Den Grundgedanken hinter der geplanten Neuregelung kann sie nachvollziehen. „Wenn Gruppen von 50 Leuten gleichzeitig in die Rathaushalle strömen, dann ist das schon ein Hindernis.“ Weder das eine Extrem – rigorose Verbote – noch das andere – gar kein Limit – seien angemessen. Stattdessen könne eine bessere Organisation der Routen und Uhrzeiten helfen, die Massen im Zentrum etwas zu entzerren, glaubt Flohr. „Ich vermute aber, dass der Entwurf in seiner jetzigen Form ohnehin nicht durchgesetzt wird – und wenn, dann nur mit zahlreichen Ausnahmen.“
Ausnahmen im Winter
„Gänzlich verhindern können wir die ordenanza nicht, aber wir kämpfen darum, dass sie zumindest in der Nebensaison nicht gilt und Rentner des staatlichen Imserso-Programms davon ausgenommen werden“, sagt Rafa Durán, Vorsitzender der balearischen Vereinigung touristischer Aktivitäten (Abactur). Auch er ist sich sicher, dass durch die Limitierung die Teilnahmegebühren steigen werden. „Ganz einfach, weil dann mehr Guides für weniger Leute benötigt werden.“
Hinzu käme, dass qualifizierte Führer rar gesät seien. Zwar seien knapp 2.000 guías turísticas auf den Balearen eingeschrieben, viele davon gingen aber anderen Arbeiten nach. „Wenn nun deutlich mehr Guides in Palma benötigt werden, dann fehlen sie bei anderen Inseltouren.“ Anders als Alex Freila von Pro Guías klagt Durán nicht über mangelnden Dialog mit Palmas Rathaus. „Wir sind in Kontakt und hoffen, dass die Regelung die bevorstehende Saison nicht tangiert – viele Karten sind ja bereits verkauft.“
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