Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Mallorca-Aktivisten verschärfen Tonart: „Bleibt zu Hause – wir brauchen keine Touristen!“

Der vom Umweltschutzverband GOB mitunterzeichnete Brief wählt harte Formulierungen - und gibt den Touristen die Schuld an den Problemen auf Mallorca

Urlauber an der Kathedrale von Palma

Urlauber an der Kathedrale von Palma / Europa Press

Sophie Mono

Sophie Mono

Der größte und bekannteste Umwelschutzverband auf Mallorca, der GOB, fordert gemeinsam mit anderen Aktivisten auf Mallorca Urlauber dazu auf, der Insel fernzubleiben. In einem öffentlichen Brief, der von sieben Bürgerinitiativen der Insel unterzeichnet worden sein soll und der MZ vorliegt, heißt es wörtlich: "Kommt nicht hierher. Wir brauchen keine weiteren Touristen - ihr seid die Ursache unseres Problems". Eine der Verantwortlichen des GOBs bestätigte die Echtheit des an Redaktionen verschickten Schreibens gegenüber der MZ. Die Aufforderung, nicht auf die Insel zu reisen, wird allerdings längst nicht von allen Aktivisten geteilt.

Sieben verschiedene Bürgerinitiativen

Der dreiseitige Text, der auf Deutsch und Englisch verfasst ist, beginnt mit der Begrüßung "Liebe Touristen" und endet mit der Schlussfloskel "die Einwohner von Mallorca". Darunter wird eine Liste der Vereinigungen aufgeführt, die das Schreiben unterzeichnet haben sollen. Dazu gehören auch die Bürgerplattformen "SOS Residents" und "Menys Turisme Més Vida", die im vergangenen Jahr an der Organisation der Großdemonstrationen gegen die Auswirkungen des Massentourismus und die Wohnungsnot auf der Insel beteiligt gewesen waren.

Ebenfalls mit dabei: Mallorcas größte Umweltschutzorganisation GOB. Zwar haben die Aktivisten das Schreiben auf ihrer Internetseite noch nicht veröffentlicht. Auf MZ-Anfrage bestätigten die Umweltschützer aber, den Brief mitzutragen.

"Nicht mehr gastfreundlich"

Durch den Brief wird eine neue Tonart bei der seit Längerem schwelenden Diskussion um den Massentourismus angeschlagen. Zwar sind die Aktivisten bekannt dafür, die Massifizierung zu kritisieren und auf die Gefahren für Umwelt und Inselgesellschaft hinzuweisen, die die Urlauberströme mit sich bringen. Die jetzt in dem Schreiben verwendeten Formulierungen wie "Bleibt zu Hause" und "Die Einheimischen sind wütend und nicht mehr gastfreundlich" wurden aber bisher eher vermieden.

Nicht alle denken so

Erst am Mittwoch (13.3.) hatte ein Sprecher der Bürgerinitiative "Banc de Temps de Sencelles", die ebenfalls maßgeblich an der Protestbewegung beteiligt ist und auch in den kommenden Monaten wieder zu Kundgebungen aufrufen will, in einem Interview mit der MZ betont, dass man sich nicht gegen den Tourismus im Allgemeinen ausspreche, sondern allein gegen die Auswirkungen, die die Massifizierung auf den Wohnungsmarkt und die Lebensqualität der Einwohner habe. "Spruchbänder a la 'Tourists go home' wird man bei uns nicht finden", so die klare Ansage.

Tatsächlich dürfte ein Großteil der Einwohner der Insel sich mit einer direkten Abfuhr an die Touristen ebenfalls schwertun. Immer wieder war bei den Massenprotesten im vergangenen Jahr darauf hingewiesen worden, dass der Tourismus nicht abgeschafft werden, sondern stattdessen besser reguliert und die daraus resultierenden Gewinne besser auf die Bevölkerung verteilt werden müssten. Statt die Urlauber nahmen die Demonstranten stets die Politik sowie Tourismus- und Immobilienunternehmer in die Verantwortung.

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents