Ryanair-Stress auf Mallorca: Hohe Bußgelder und strengere Gepäckkontrollen
Verschärfte Kontrollen am Gate, eine 108-Millionen-Euro-Strafe und ein nach wie vor boomendes Geschäftsmodell: Wie Spanien – und wir alle – mit Ryanair ringen

Ryanair-Chef Michael O'Leary attackert den spanischen Verbraucherschutzminister Pablo Bustinduy als Clown. / J. Guillén/Efe
Ryanair – ein Reizwort. Für viele ist die irische Billigairline eine günstige Möglichkeit, die Welt zu bereisen. Für andere ist sie der Inbegriff des rücksichtslosen Kapitalismus. Die reinen Ticketpreise liegen zumindest außerhalb der Ferienzeiten meist deutlich niedriger als bei den Konkurrenten. CEO und Präsident Michael O’Leary – Besitzer eines Stadtpalastes aus dem 16. Jahrhundert in Palma –, ist geradezu versessen darauf, an jeder Ecke auch den letzten nicht unbedingt nötigen Euro einzusparen. Gleichzeitig versucht Ryanair durch Zusatzeinnahmen etwa über Bordverkauf, Sitzplatzreservierungen oder auch strikte Handgepäckregeln an anderer Stelle Geld einzunehmen.
Es sind im Vergleich kleine Beträge, hier mal acht Euro für einen besseren Platz, dort zwei Euro für ein Rubbellos oder auch mal 90 Euro am Schalter für ein zu großes Handgepäckstück. Dieses Geschäftsmodell brachte Ryanair im Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von 13,4 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 1,9 Milliarden Euro. Doch entsprechend hoch sind auch die Bußgelder. Etwa eine Strafe in Höhe von 108 Millionen Euro von der spanischen Zentralregierung, unter anderem wegen der kostenpflichtigen Sitzplatzreservierungen und der Handgepäckregelungen. Die, Zufall oder nicht, derzeit unter anderem in Palma wieder besonders penibel überprüft werden.
Stress am Gate
So wie etwa beim deutschen Unternehmer Mirko E. Dieser wollte mit seiner Frau und einem der beiden Söhne von Palma nach Mailand fliegen. Bei der Abmessung der Gepäckstücke bemerkte die Crew, dass die Koffer vorne jeweils minimal über die erlaubte Grenze hinausragten. Am Ende sei es ein Zentimeter gewesen. E. berichtet, dass er mit diesen Koffern bereits seit Jahren mit Ryanair fliege und es nie Probleme gegeben habe.
Die beiden Mitarbeiterinnen beim Boarding, die für die Gepäckkontrolle zuständig waren, verlangten von E. einen Aufpreis von 270 Euro. Es kam zu Wortgefechten, und am Ende wäre E. mit seiner Familie für den Preis sogar mitgeflogen. Doch das Boarding-Personal verweigerte ihnen den Zutritt zur Maschine. Die Deutschen buchten daraufhin für rund 1.000 Euro einen Ersatzflug mit Lufthansa nach Mailand.

Ryanair-Mitarbeiter haben das Gepäck im Blick. / privat
Ryanair antwortet für gewöhnlich auf solche Vorfälle mit einem Verweis auf die Abmessungen, die nun einmal eingehalten werden müssen und die sich in den vergangenen Jahren nicht geändert hätten. Ein Zusammenhang mit den Millionenstrafen aus Spanien bestehe nicht. Auch Verbraucherschützer Alfonso Rodríguez vom mallorquinischen Ableger des spanischen Verbraucherschutzes Facua glaubt eher nicht an eine Verbindung. „Dagegen spricht, dass Ryanair diese peniblen Kontrollen bereits seit Jahren am Gate durchführt, das ist nichts Neues und kommt immer wieder in Wellen.“ Vor allem bei Flügen, die voll ausgebucht seien, höre er immer wieder von derartigen Vorfällen. Da lohne sich eine Kontrolle.
Das Modell Ryanair
Kein Wunder: O’Leary legt es mit seinem Geschäftsmodell geradezu darauf an, mit den Kunden in Konflikt zu geraten. Manche dieser Auseinandersetzungen werden zum Politikum, wie im Mai 2023. Die Airline hatte Fluggästen in Palma den Transport der Schmalzschnecke, ein typisches Mitbringsel in spanischen Familien, mit 45 Euro pro Stück in Rechnung gestellt. Bei einem eigens einberufenen Ensaimada-Gipfel mit der Balearen-Regierung lenkte Ryanair dann ein und versicherte, die Spezialitäten gratis zu befördern.
Aber es droht schon neues Ungemach: Ryanair akzeptiert ab dem 3. November keine Bordtickets aus Papier mehr. Wer dann kein digitales Ticket vorweisen könne, dem werde die Reise verweigert, ließ die Airline vor wenigen Tagen wissen. Michael O’Leary hatte bereits vor Jahren halb im Ernst, halb im Scherz gesagt: „Ich würde die Leute auch für die Sauerstoffmasken zahlen lassen oder für die Toilettenbenutzung. Denn die Toiletten sind schuld daran, dass wir weniger Sitzplätze in den Flugzeugen verkaufen können.“
Das selbstbewusste bis arrogante Auftreten von Michael O’Leary lässt sich leicht durch den wirtschaftlichen Erfolg erklären. Keine Airline transportiert in Europa mehr Passagiere. Auch auf Mallorca ist Ryanair Marktführer.
Die Strafen
Nicht zuletzt deshalb steht sie im Fokus der Mitte-Links-Koalition, die Spanien regiert. Und da vor allem eines Mannes, der der Airline auf den Balearen bereits vor Jahren Beine machte: der Abgeordnete der Linkspartei Sumar, Félix Alonso. Auslöser war eine Anzeige der spanischen Verbraucherschutzvereinigung Facua wegen der Extragebühren für Handgepäckstücke. Alonso war zwischen 2019 und 2023 Generaldirektor für den Verbraucherschutz auf den Balearen, nahm sich der Anzeige von Facua an und leitete 2021 ein Verfahren gegen Ryanair ein. Hinzu kamen in den Folgejahren Verfahren gegen Vueling, Easyjet, Norwegian und Volotea.
Der Katalane merkte aber schnell, dass ihm auf den Balearen die Hände gebunden waren und er nicht annähernd so hohe Strafen ausstellen konnte, wie er das gerne tun würde. So überzeugte er die Zentralregierung in Madrid davon, den Fall zu übernehmen. In Verbraucherschutzminister Pablo Bustinduy fand Alonso einen Verbündeten. Der Madrilene verfolgte die Strategie von Alonso und machte ernst. Im November 2024 sprach das spanische Verbraucherschutzministerium die Strafe gegen Ryanair sowie die vier anderen Airlines aus. Sie betrug insgesamt 179 Millionen Euro – der Löwenanteil dabei für den irischen Billigflieger.
Die Kampagne
Das heißt nun aber nicht, dass der spanische Staat plötzlich um 108 Millionen Euro reicher ist, denn erst jetzt beginnt die rechtliche Auseinandersetzung um die Sanktion. Ryanair wird Einspruch erheben und – sollte dieser verloren gehen – die nächsthöhere Instanz anrufen, bis die Airline beim Europäischen Gerichtshof angelangt sein wird. Spätestens dort, so das Kalkül von CEO Michael O’Leary, wird er recht bekommen. „Die EU-Gerichte werden die Strafen einkassieren“, erklärte er bereits siegessicher. Diese seien nicht mit dem EU-Luftfahrtrecht vereinbar.
Der exzentrische Chef von Ryanair, der sichtlich Freude daran hat, sich mit Politikern anzulegen, fand gewohnt deutliche Worte im Umgang mit Bustinduy und nannte ihn einen „verrückten Kommunisten“ und einen „Clown“. Passend dazu legte Ryanair eine neue Kampagne für Schnäppchenpreise auf. Auf den dazugehörigen Fotos zu sehen: ein diabolisch grinsender O’Leary vor einem Aufsteller von Minister Bustinduy im Clowns-Outfit.
Die Folgen
Und O’Leary beließ es nicht bei Beleidigungen und Marketing-Gags, sondern er schoss gegen die Sanktionen zurück. Ryanair werde die Preise für die Flüge von und nach Spanien erhöhen müssen, um die Millionenbeträge zahlen zu können, kündigte er an. Zusätzlich drohte er damit, aufgrund aus seiner Sicht zu hoher Gebühren Verbindungen in Spanien auszudünnen. Der Drohung folgten nur wenig später Taten: Die Airline zieht sich zum Sommer komplett aus Jérez und Valladolid zurück, an sechs anderen Provinz-Flughäfen werden die Verbindungen spürbar zurückgeschraubt.
Was O’Leary dabei unerwähnt lässt: Die spanische Zentralregierung hat Ryanair laut der Online-Zeitung „eldiario.es“ von 2000 bis 2019 rund 230 Millionen Euro an Subventionen gezahlt, vor allem für die Nutzung von Provinzflughäfen. Im Vergleich zu Italien ist das noch lächerlich wenig. Dort bekam die Airline allein im Jahr 2022 rund 218 Millionen Euro staatliche Zuwendungen.
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