Hunderte Boote müssen vorübergehend aus dem Hafen von Palma verschwinden – wie setzt man so etwas um?
Die Schiffe liegen normalerweise im Hafenbecken an der Alten Mole. Für die Boat Show müssen sie verschwinden. Keine einfache Aufgabe – und nicht billig

Um Platz für die Yachten und Superyachten auf der Boat Show zu schaffen, müssen die Charterfirmen ihre Boote anderweitig unterbringen. | FOTO: PIBS
Zehntausende Besucher flanieren dieser Tage bei der Palma International Boat Show über die Ausstellungsflächen an der Alten Mole gegenüber der Seehandelsbörse Llotja sowie dieses Jahr erstmals im Club de Mar. Mehr Aussteller denn je sind dabei, der Platz für Boote und Zubehör wurde erstmals seit vielen Jahren wieder vergrößert, und die Händler versprechen sich vor allem Kontakte, um in den kommenden Monaten den ein oder anderen Verkauf über die Bühne zu bringen oder einen Reparaturauftrag einzuheimsen. Die meisten Besucher dürften sich dabei keine Vorstellung von der logistischen Meisterleistung machen, die im Vorfeld der Messe nötig ist, damit alle rund 600 Boote an den Stegen ausgestellt werden können. Denn da, wo die Yachten und Superyachten in der Sonne glänzen, liegen normalerweise mehrere Hundert andere Boote. Und die müssen für die Zeit der Boat Show gleichsam unsichtbar werden.
„Das ist eine Aufgabe, die uns mehrere Wochen lang beschäftigt“, berichtet John Rossbach der MZ am Telefon. Rossbach ist für die Charter-Abteilung des Unternehmens Yates Mallorca verantwortlich und derzeit Präsident der Vereinigung La Lonja Marina Charter SL. In dem Verband haben sich sechs Firmen zusammengeschlossen, die Bootscharter auf Mallorca anbieten. Und die alle während der Boat Show ihre 104 Liegeplätze räumen müssen. „Das war damals eine Bedingung, als wir 2009 den Pachtvertrag an der Lonja abgeschlossen haben und war uns von Beginn an klar“, berichtet Rossbach. Nichtsdestotrotz ist es jedes Jahr eine Herausforderung für die Mitglieder der Vereinigung.
Drei Wochen woanders
Vor allem natürlich in logistischer Hinsicht. Denn ein paar Tage die Boote anderweitig einzusetzen, wäre kein Problem. Aber bei drei Wochen, wie für die Boat Show, bringt das manche Firma an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Es muss schließlich bereits rund zehn Tage vor Beginn der Messe mit dem Aufbau begonnen werden, und auch nach dem Ende der Boat Show dauere es noch einmal etwa eine Woche, bis der Normalzustand im Hafen wiederhergestellt sei, erklärt Rossbach.
Doch was tun mit den rund 90 Booten der sechs Unternehmen, darunter auch ein 50 Meter langer Katamaran? Es gebe nicht viele Optionen, wie Rossbach sagt: „Die Boote müssen möglichst unterwegs sein.“ Das versuchen die Charterfirmen zum Teil mit Schnäppchenangeboten zu erreichen. „Wir lassen die Boote den Mietern dann auch schon mal zwei oder gar drei Wochen zum Preis von einer Woche.“ Wer also zum Zeitpunkt der Boat Show eine Mallorca-Umsegelung oder Ähnliches plane, habe gute Karten für einen günstigen Urlaub.
Die meisten Charterfirmen versuchten auch ihre eigenen Skipper dafür zu gewinnen, das Boot auszufahren. „Die Verantwortlichen der meisten der Firmen, die in unserer Vereinigung zusammengeschlossen sind, nehmen sich für die Zeit der Boat Show frei und fahren selbst raus aufs Meer“, berichtet Rossbach. Der Geschäftsführer einer der Firmen habe sich zum Beispiel eine Woche Urlaub genommen und ankere nun in der Bucht von Palma.
Nicht immer hielten sich in der Vergangenheit alle Unternehmen an die Vorgaben. So habe es vor ein paar Jahren ein Charterer deutlich übertrieben, als er rund zehn Boote nahe am Ufer etwa auf Höhe der Kathedrale von Palma ankern ließ. „Das geht natürlich nicht. Die Regel besagt, dass man Boote, die nicht im Hafen oder an einem Bojenfeld liegen, nur kurz verlassen darf. Das ist keine Option für mehrere Tage oder gar Wochen.“
Die Charterer, so kritisiert Rossbach, würden von den Organisatoren und den Institutionen mit ihren Nöten weitgehend allein gelassen. Vor allem finanziell bringe die Boat Show und alle damit verbundenen Unannehmlichkeiten große Nachteile mit sich. Zum einen müssen die Charterer ihre Jahrespacht für den Anlegesteg in voller Höhe zahlen, einen Rabatt oder gar eine Aussetzung der Zahlung für den Zeitraum der Boat Show sowie der Auf- und Abbauarbeiten gibt es nicht. „Aber das ist nur ein Aspekt. Ein anderer ist, dass wir für alternative Liegeplätze für unsere Boote während der drei Wochen ebenfalls bezahlen müssen“, sagt Rossbach.
Doppelt zur Kasse gebeten
Im Fall von Yates Mallorca kommt noch etwas anderes hinzu: Das Unternehmen stellt als einziges Mitglied von La Lonja Marina Charter SL selbst vier Boote auf der Boat Show aus, um sie zu verkaufen. Somit muss die Firma für diese Boote doppelt zahlen: zum einen für den Liegeplatz auf der Boat Show, zum anderen für den Anlegesteg ein paar Meter weiter, an dem die 22 Boote von Yates Mallorca normalerweise lägen. Die anderen Boote habe er im Club de Mar untergebracht, berichtet Rossbach. Dafür würden täglich noch einmal rund 400 Euro pro Boot fällig. Rossbach kalkuliert mit Gesamtkosten zwischen 10.000 und 20.000 Euro, die die Boat Show seiner Firma beschert. Das lohne sich natürlich trotzdem, wenn eines der Boote verkauft werde. Doch davon könne man nicht zwingend ausgehen.

Eindrücke von der Boat Show 2025 in Palma / Bendgens
Noch eine weitere Schwierigkeit kommt hinzu: Die Bojenfelder, die die Balearen-Regierung für die Sommermonate bereitstellt, damit es genügend Anlegestellen für die dann deutlich mehr Boote rund um Mallorca gibt, sind zur Boat Show noch nicht in Betrieb. „Diesmal ist es ganz knapp. Nächste Woche werden die Felder aufgebaut“, sagt Rossbach, der sich hier etwas mehr Entgegenkommen seitens der Verwaltung gewünscht hätte.
Und die Charterfirmen sind nicht die einzigen, die während der Messe aus dem Hafenbecken verschwinden müssen: Ebenso ergeht es den Booten und Schiffen von privaten Eigentümern sowie den Fischern. Die Fischer dürfen dabei einen Bereich innerhalb des Fährhafens ansteuern, die Privatboote müssen sich anderweitig Anlegestellen suchen.
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