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Luxushotel, Beachclub, Bimmelbahn und Privatklinik: Deutscher Eigentümer verrät hochtrabende Pläne für Ex-Casino

Im Gespräch mit der MZ spricht Klaus Trescher, einer der Eigentümer des Küstengrundstücks in der Nobelsiedlung Sol de Mallorca (Calvià) über die millionenschweren Bauvorhaben - und darüber, warum dort kein dringend benötigter Wohnraum entstehen soll

Das derzeit verwahrloste Grundstück liegt direkt am Meer. Auch ein Beachclub mit Pools und Restaurants soll hier entstehen.

Das derzeit verwahrloste Grundstück liegt direkt am Meer. Auch ein Beachclub mit Pools und Restaurants soll hier entstehen. / Juan Luis Iglesias

Sophie Mono

Sophie Mono

Mehrere Gebäude, die locker miteinander verbunden sind, maximal drei Stockwerke hoch. "Kein hässlicher Kasten, sondern eine harmonische Gebäudelandschaft", betont Klaus Trescher. "Und das auf dem vielleicht schönsten verbliebenen Grundstück der Insel, auf dem man mit altem Baurecht noch ein Hotel bauen darf", fügt er hinzu. Selbst am Telefon kann man die Begeisterung spüren, mit der der Projektentwickler und Eigentümer des Grundstücks in der Nobelsiedlung Sol de Mallorca über die Bauvorhaben spricht, die Ende Mai von der Gemeinde Calvià abgesegnet worden sind. Hier, auf dem Gelände des einstigen Prunk-Casinos, von dem nur noch Ruinen übrig sind, wollen er und seine befreundeten Miteigentümer hochtrabende Pläne umsetzen.

Alte Baurechte

Acht Jahre ist es her, dass die "Cala Xada Beach Hotel GmbH & Co. KG" mit Sitz in München und einer Niederlassung in Palma das weitläufige Küstengrundstück sowie zwei Nachbargrundstücke erwarb. Bereits zu diesem Zeitpunkt stand das Casino, das in seiner Glanzzeit in den 70er bis 90er Jahren auch Schauplatz zahlreicher Großevents war und sogar Promis wie Box-Legende Muhammad Ali anzog, seit sechs Jahren leer. "Die alten Gebäude befinden sich in einem trostlosen Zustand", so Klaus Trescher im Gespräch mit der MZ. Zunächst habe man überlegt, die Spielhölle modern wiederzubeleben, aber schnell gemerkt, dass es für das Casino keine lohnende Wiederverwertung gebe. "Wir haben acht Jahre lang dafür gekämpft, dass wir es abreißen und dort ein Luxushotel hinbauen dürfen."

Wie viel das deutsche Unternehmen damals als Kaufpreis für das Grundstück hingeblättert hat, will er nicht verraten. "Es war sehr teuer." Das Besondere: Das Grundstück verfügt seit Jahrzehnten über Baurechte für die touristische Nutzung. "Heute würde man die für ein solches Küstengrundstück niemals bekommen", sagt Trescher. Bei einem ersten Bauantrag vor mehreren Jahren habe man zudem die Lizenz für 204 Gästebetten erworben - mittlerweile ist die Vergabe durch ein Moratorium in der Bettenbörse eingefroren, die bestehenden Lizenzen daher heiß begehrt.

Beachclub und Bimmelbahn

"Es waren sehr schicke Baupläne, die bei der Immobilien-Messe Expo Real in München sogar einen Preis für besonders schöne Hotelarchitektur bekommen haben", so Trescher über den ersten Bauantrag. Letztlich lehnte die Gemeindeverwaltung von Calvià diesen jedoch ab, da die Umsetzung bedeutet hätte, einen etwa 20 Meter breiten Streifen Wald des angrenzenden Grundstücks abholzen zu müssen.

"Es gab sehr viele Gespräche mit der Gemeinde. Letztlich einigten wir uns darauf, dass der Wald unangetastet bleibt, das Casino abgerissen werden darf und das Luxushotel sich wie eine Villenlandschaft auf dem oberen Teil des Casinogrundstücks erstrecken kann. Unterhalb des Hangs, der zum Meer abfällt, soll direkt am Wasser ein Beachclub mit Pools und Restaurant entstehen. Auch diese Lizenz liege bereits seit Jahrzehnten vor. Bereits in Casino-Zeiten habe es einen solchen Beachclub gegeben, der durch eine kleine Bahn mit dem Gebäude oben verbunden war. "Die alten Schienen sind teilweise noch vorhanden", so Trescher. Auch die Bahn wolle man wiederaufbauen.

Ob eine externe Hotelkette das künftige Nobel-Etablissement betreiben wird, sei noch nicht sicher. "Wir sind in Kontakt mit vielen Ketten, das Interesse ist groß, aber wir führen in Deutschland selbst Hotels und ziehen das auch für Mallorca in Erwägung."

Privatklinik mit Kurpark

Auch das riesige angrenzende Parkplatzgrundstück, das die "Cala Xada Beach Hotel GmbH & Co. KG" ebenfalls erworben hat, wollen die Deutschen gewinnbringend nutzen. Pläne für ein mögliches Spaßbad habe man letztlich verworfen. "Es wäre nicht rentabel, dafür sind die rund eine Million Einwohner, die ganzjährig auf Mallorca wohnen, zu wenig." Die aktuellen Pläne sehen anderes vor: "Auf dem Parkplatz soll eine private Vorsorgeklinik mit "ernsthafter Medizin" entstehen, bei der sich internationale Patienten gründlich durchchecken lassen können, beispielsweise als Herzinfarkt-Prävention", erklärt der Projektentwickler.

Ein Viertel des Parkplatzgrundstücks hat die Gemeinde als Geschenk beansprucht. "Dort soll ein kleiner Kurpark entstehen, der öffentlich zugänglich ist, eine Art Gemeindeplatz, den wir bepflanzen." Auch habe man sich dazu verpflichtet, die Bürgersteige um die Grundstücke herum barrierefrei zu erweitern.

Nichts gegen die Wohnungsnot

Nach der Zustimmung der Gemeinde müssen die Pläne nun durch die weiteren Behördenprüfungen gehen. Trescher rechnet damit, dass es wohl etwa zwei Jahre dauern wird, bis die Projekte umgesetzt werden können. Als reine Baukosten plant die Gesellschaft für das Hotel und die Privatklinik mit gut 100 Millionen Euro.

Für Trescher ist Mallorca kein Neuland. In den vergangenen Jahren hat die Kriton Immobilien GmbH aus München, an der er beteiligt ist, auf der Insel fünf Bauprojekte verwirklicht und insgesamt 120 Eigentumswohnungen im Hochpreissegment gebaut. Zuletzt entstanden 24 Maisonettehäuser am Hang von Port d'Andratx. Trescher besitzt zudem selbst eine Immobilie auf Mallorca.

Dem Bau von auf Mallorca so dringend benötigtem Wohnraum für weniger zahlungskräftige Kunden habe man sich "bisher noch nicht" gewidmet, so Trescher auf MZ-Anfrage. Auch auf dem Casino-Gelände in Sol de Mallorca sei Wohnungsbau für die breite Bevölkerung nie eine genehmigungsfähige Option gewesen, "obwohl es natürlich schön gewesen wäre". Doch laut des Bebauungsplans müsse dort nunmal etwas Touristisches entstehen.

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