Achtung, Cyberkriminalität: So lief der letzte Tag des Wirtschaftsforums "Neu Denken" auf Mallorca
Womit sich das hochkarätige Treffen von Unternehmern, Politikern und Experten am Samstag beschäftigte
Der letzte Tag des Wirtschaftsforums „Neu Denken“ auf Mallorca am Samstag (14.6.) begann da, wo die Vorträge am Vortag aufgehört hatten: bei der Kriminalität. Unter den rund 220 Teilnehmern des Treffens im Castillo Hotel Son Vida waren mehrere Vorstandschefs und viele Entscheidungsträger aus der deutschen Wirtschaft. Marco Gercke, Direktor des Cybercrime Research Instituts in Köln, simulierte mit ihnen anhand realer Beispiele die Reaktionen im Falle eines Cyberangriffs.
Was tun, wenn die erste Meldung auf dem Bildschirm erscheint, wenn Lösegeld gefordert wird, wenn die Zeitbombe tickt? Mit wem beraten, wem Bescheid geben? Der Polizei? Zahlen oder nicht – und wenn ja, wie viel? Gercke stellte die Zuhörerinnen und Zuhörer vor eine schnelle Abfolge von dringend zu treffenden Entscheidungen und bewies damit, wie schnell auch die professionellsten Vorstände damit überfordert sein können. Sein eindringlicher Rat an die versammelten Unternehmer: Bereiten Sie sich rechtzeitig vor, legen Sie sich eine Checkliste für den Notfall an. Die Blaupause dafür lieferte er gleich mit.
Schonungslose Analysen der weltpolitischen Lage
Auch wie ungemütlich es in anderer Hinsicht auf der Welt geworden ist, war Thema beim Abschluss der achten Ausgabe des von der Steuer- und Rechtskanzlei PlattesGroup und der Produktionsfirma TV21 veranstalteten Treffens. Im Gespräch mit den Moderatoren Horst von Buttlar, Michael Bröcker und Ulrich Reitz präsentierten unter anderem der ehemalige SPD-Parteichef Sigmar Gabriel und – wie schon am Vortag – der ehemalige österreichische Bundeskanzler Christian Kern schonungslose Analysen zur weltpolitischen Lage. Gemäß der auf der Konferenz geltenden sogenannten Chatham-House-Regel, darf der Inhalt der Gespräche zwar wiedergegeben, nicht aber einzelnen Teilnehmern zugeschrieben werden.
Was Donald Trump und die Folgen seiner Politik für Europa betrifft – natürlich –, vor allem aber die Situation im Nahen Osten. Das Thema Israel, die Zerstörung des Gaza-Streifens und die Pläne für das Westjordanland waren auf der Konferenz bislang weitgehend ausgespart geblieben. Nun stand es, auch vor dem Hintergrund der Konfrontation mit dem Iran, in seiner ganzen Dramatik im Raum.
"Kosmos der Möglichkeiten" für Europa
Wobei bei den von Sabine Christiansen geleiteten Treffen immer auch die Wirtschaftspolitik im Vordergrund steht: Die Diskutanten am Samstag beleuchteten die Rahmenbedingungen (Arbeits- und Finanzmarkt, Regulierung, Forschung und Entwicklung) aus den unterschiedlichsten Perspektiven und waren vorsichtig, nicht aber pessimistisch in der Bewertung, ob die neue deutsche Regierung diesen Herausforderungen gewachsen ist. Die Chance, nun durchzustarten, ist auf jeden Fall da – jetzt, wo der erratische Kurs der US-Regierung viele Investoren verstärkt nach Europa blicken lässt. Von einem "Kosmos der Möglichkeiten" sprach einer der Referenten.
Es diskutierten Hildegard Müller (Verband der deutschen Automobilindustrie, VDA), Jörg Heinermann (Mercedes-Benz Deutschland), Mark Lakner und Teresa Shawe (Unternehmensberatung Kearney), Sebastian Orbe (Investmentfonds Blackstone), David Knower (Cerberus), Martin Lück (Macro Money) und Christoph Ahlhaus (Bundesverband Mittelständische Wirtschaft).
So investieren, dass alle etwas davon haben
Bleibt die Frage: Wo anlegen? (Vom Schutz vor der Cyberkriminalität einmal abgesehen.) Anregungen, Rendite zu suchen mit Investitionen, die auch die Gesellschaft als Ganzes weiterbringen, gaben Julia Kleiser (LGT Private Banking) sowie die Investorinnen Nadja Swarovski und Anouk Hilti-Zingg. Leider nur kurz kam auch das ehrgeizigste dieser Projekte zur Sprache: der einstige Mitgründer von Scout24, Joachim Schoss, und seine „Earthguard“ genannten Pläne, zwischen Sonne und Erde Schutzschirme zu positionieren, die einen Teil der Sonnenstrahlung umleiten könnten. Sollte das Milliarden-Vorhaben gelingen, könnten die derzeitigen Temperaturen auf der Erde zumindest gehalten werden.
Bevor es dann zum Lunch auf die tatsächlich brütend heiße Terrasse ging, ergriff der Initiator von „Neu Denken“, Willi Plattes, zum Abschied noch einmal die Gelegenheit, um eines seiner geliebten Bonmots anzubringen: „Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun“, gab er den in Palma versammelten deutschen, österreichischen und Schweizer Unternehmern, Politikern und Experten mit auf den Weg.
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