"Über die Sicherheit redet kein Urlaubsziel gerne": Welche Sorgen die Tourismusbranche an der Playa de Palma umtreiben
Beim Forum Palma Beach diskutierten Vertreter der drei Polizeieinheiten und ein Tourismusberater der UNO miteinander

Ein Ortspolizist an der Playa de Palma. / Ortspolizei Palma
Ein runder Tisch beim Forum Palma Beach hat sich am Donnerstagvormittag (20.11.) der Sicherheit an der Playa de Palma gewidmet. Auf dem Podium saßen Vertreter der Guardia Civil, der Nationalpolizei und der Ortspolizei Palma sowie Tourismusberater Iñaki Garmendia, der unter anderem für die UNO im Einsatz ist.
Und er lieferte eine ebenso unbequeme wie wohl wahre Analyse – die zwar generell gesprochen, aber doch auch auf die Playa de Palma zugeschnitten war: "Wir sprechen nicht gerne über das Thema Sicherheit, denn das hieße ja, dass sie nicht vollständig gegeben ist." Und wenn es in einem Urlaubsziel keine Sicherheit gebe, nütze das beste Hotel nichts. Dann blieben die Urlauber aus. "Die Tourismusbranche reagiert extrem sensibel bei negativen Schlagzeilen zum Thema Sicherheit", sagte Garmendia. Das Thema werde also so lange wie möglich vermieden, und häufig komme es dann auf die Tagesordnung, wenn es schon zu einem Problem geworden sei. Und dann reagiere die Polizei zu zögerlich und zu langsam, so dass das Problem wachse statt zu verschwinden.

Der runde Tisch zum Thema Sicherheit mit (v. li.) Tourismusberater Iñaki Garmendia, Ceferina Guerrero (Guardia Civil), Journalistin Laura Marqués, Guillem Mascaró (Ortspolizei Palma) und Francisco Javier Santos (Nationalpolizei). / Agencia.com
"Es liegt viel Arbeit vor uns"
Wo man dann schon mal dabei war, über die Sicherheit zu sprechen, nahm auch Guillem Mascaró, der Chef der Ortspolizei Palma, kein Blatt vor den Mund. Der Polizist stellte der Playa de Palma gleich zu Beginn ein schlechtes Zeugnis aus. "Wenn ich an der Playa de Palma entlanglaufe, besorgt mich das Bild, das ich sehe. Wir haben viel Arbeit vor uns." Die Menschen nähmen die Playa de Palma nicht als komplett sicheres Reiseziel wahr.
Mascaró ging vor allem auf die illegalen Straßenhändler ein, denen die Ortspolizei gemeinsam mit den anderen Polizeieinheiten noch stärker den Kampf ansagen will. Man intensiviere seit einiger Zeit die Kontrollen, setze Drohnen und Kameraüberwachung ein und beschlagnahme regelmäßig gefälschte Produkte. "Unsere Hoffnung ist, dass es irgendwann für die Straßenverkäufer nicht mehr rentabel ist und sie nicht mehr zurückkehren." Im Jahr 2026 werde es noch mehr Kontrollen geben, außerdem versuche die Ortspolizei auch die Wege der gefälschten Waren auf die Insel zu unterbrechen und versuche, die Hintermänner zu erwischen.
Videoüberwachung mit hohen Hürden
Großflächige Videoüberwachung sei in Spanien nicht einfach umzusetzen, da die europäischen Datenschutzbestimmungen im Wege stünden. "Wir können Videoüberwachung nur in Gegenden einführen, in denen es nachgewiesenermaßen in der Vergangenheit zu zahlreichen Delikten gekommen ist." Deshalb beispielsweise könne in Zukunft der Parc de ses Estacions am Bahnhof von Palma per Video überwacht werden.
Ceferina Guerrero von der Guardia Civil erklärte das Gefühl der Unsicherheit an der Playa de Palma zum Teil mit dem Tourismusmodell, das dort in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut wurde. "Es müsste ein anderes Modell dort angeboten werden. Dann würde die Kriminalität auch automatisch abnehmen", sagte sie. Und es gebe durchaus Maßnahmen, die sofort angewandt werden könnten und die den Urlaubern zugutekommen könnten, wie etwa einen Informationspunkt, an dem beispielsweise Delikte sofort angezeigt oder Beobachtungen mitgeteilt werden können.
Aufklärung durch die Nationalpolizei
Francisco Javier Santos von der Nationalpolizei erklärte, dass sich die Beamten häufig mit den Anwohnern der Urlaubergegend träfen und sich über die Sicherheitslage austauschten. Zu Saisonbeginn böte die Nationalpolizei außerdem Konferenzen für Rezeptionisten in Hotels an, um aufzuklären, was im Falle eines Diebstahls oder Überfalls auf Hotelgäste zu tun ist.
Auch die Nationalpolizei sei sehr dahinter her, den illegalen Straßenverkauf einzuschränken. Als zumindest einigermaßen wirkungsvolles Mittel in diesem Zusammenhang hätten sich Platzverweise erwiesen.
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