"Ich verabscheue den Massentourismus": Coloma Jaume führt die einzige Pension auf Mallorca
Die überzeugte Tierschützerin ist seit 2005 für die Pensión Bellavista verantwortlich. Sie ist alles andere als eine typische Hotelierin

Coloma Jaume führt die Pensión Bellavista in Port de Pollença. / Tonina Crespí
Coloma Jaume ist Eigentümerin der einzigen Pension auf Mallorca: der Pensión Bellavista in Port de Pollença, einem Haus, das auf die 1950er-Jahre zurückgeht. Es verfügt über zwölf Zimmer, die Jaume auf ganz eigene Weise führt – mit ökologischem Bewusstsein und sozialem Engagement. Das Register für Unternehmen und touristische Betriebe des Inselrats von Mallorca führt die Unterkunft als einzige Pension der Insel auf.
„Ich verabscheue den Massentourismus“, sagt Coloma Jaume. „Er ist zerstörerisch und umweltschädlich. Natürlich muss es Tourismus geben – schließlich lebt hier fast jeder direkt oder indirekt davon. Aber man muss ihn regulieren und ein Gleichgewicht finden – und das gibt es derzeit nicht.“
"Reisende, die die Insel kennenlernen wollen"
Die Mallorquinerin, überzeugte Tierschützerin und leidenschaftliche Weltenbummlerin, hält bewusst an der Kategorie Pension fest. Trotz zahlreicher Kaufangebote denkt sie weder ans Verkaufen noch ans Vermieten – und auch nicht daran, ihr Konzept zu ändern. Sie zieht Gäste an, „die weder am Pool liegen noch Cocktails trinken wollen. Es geht um Reisende, die die Insel kennenlernen und Sport treiben möchten. Das war mir lieber als der klassische Sonnen- und Strandtourismus“.
Viele ihrer Gäste sind Radfahrer oder Wanderer, die auf den Fernwanderwegen GR 221 und 222 durch die Serra de Tramuntana wandern. „Zu meiner Überraschung kamen in diesem Sommer viele Mallorquiner“, erzählt sie.
Als Anbau eines Hotels
Die Pensión Bellavista entstand ursprünglich als Anbau des gleichnamigen Hotels, das 1931 eröffnet wurde. Es war damals das dritte Hotel in Port de Pollença. „Die Pension wurde gebaut, um Gäste aufzunehmen, wenn das Hotel ausgebucht war“, erinnert sich Coloma Jaume. „Dort befanden sich auch der Hühnerstall, Schweine, die Wäscherei und die Schreinerei meines Großvaters Damià Campomar.“ Eigentümerin war ihre Patenmutter, die das Hotel und die Pension geerbt hatte. „Meine Mutter wollte das Geschäft nicht weiterführen, und 1980 wurde das Hotel abgerissen – heute stehen dort Apartments.“

Die Pensión Bellavista von außen. / Tonina Crespí
Die Pension blieb zunächst geschlossen. „Es gab Pächter, aber es lief nie richtig und hätte Investitionen gebraucht“, erzählt Coloma Jaume. Erst 2005, nach vielen Reisen und Aufenthalten in kleinen Hostels, entschloss sie sich, das Familienhaus neu zu beleben. „Ich öffnete es zunächst mit einem frischen Anstrich und renovierte es später vollständig. 2010 kam dann das vegane Restaurant Bella Verde hinzu, das ich heute verpachtet habe.“
Das Sagen hatte immer die Großmutter
Ihre Großmutter Juana Ana Albertí habe das Wiederaufblühen der Bellavista mit großem Stolz erlebt. Sie stammte aus Pollença, zog aber in den Hafen, als ihre Mutter Margarita das Hotel eröffnete. „Unser Familienunternehmen war immer stark matriarchal geprägt“, sagt Coloma. „Mein Großvater machte die Instandhaltung, aber das Sagen hatte meine Großmutter – sie war die Alleinerbin.“
Auf einer Insel, die zunehmend vom Luxus und der Aufwertung bestehender Hotels geprägt ist, will Coloma Jaume ihren Ansatz ganz bewusst nicht ändern. Stattdessen achtet sie auf nachhaltige Betriebsführung und arbeitet mit verschiedenen NGOs zusammen, darunter Dentistas sobre Ruedas, gegründet von ihrem Bruder, und Cat Protection Pollensa.

Hunde dürfen in der Pensión Bellavista nicht fehlen. / Bellavista
"Flüge und Immobilienkäufe durch Ausländer beschränken"
„Ich unterstütze die Idee einer Einschränkung des Tourismus auf den Balearen voll und ganz“, sagt die Gastwirtin, die bereits an Protesten gegen die Überfüllung teilgenommen hat. „Wenn wir einst Vorreiter des Tourismus waren, könnten wir jetzt Vorreiter darin sein, zu wissen, wann und wie man bremst.“
Sie fordert, „die Zahl der täglichen Flüge zu begrenzen, ebenso die Hotel- und Ferienwohnungsplätze – die Airbnb-Angebote haben großen Schaden angerichtet – und die Immobilienkäufe durch Ausländer stärker zu regulieren“.
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