Mallorcas "Tourismus-Orakel" Josep Aloy: "Ich mache mir Sorgen – wir stehen am Ende eines Zyklus"
Josep Aloy war jahrzehntelang prägende Figur im Tourismus der Balearen. Zum Abschied spricht er offen über Klimawandel, Ferienwohnungen und politische Fehlentwicklungen

Viermal Generaldirektor für Tourismus: Josep Aloy. / Manu Mielniezuk
Fünfmal war Josep Aloy unter verschiedenen Ministerpräsidenten Generaldirektor in der Balearenregierung – einmal im Ressort Bildung, viermal im Bereich Tourismus, zuletzt unter Marga Prohens. Ende Oktober übergab er das Zepter an seinen bisherigen Stellvertreter Miguel Rosselló Jiménez. Der Berufsschullehrer und ehemalige Bürgermeister von Sencelles wurde einst von Ministerpräsident Gabriel Cañellas zum "Tourismus-Orakel" der Balearen geadelt. Die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" hat ihn anlässlich seiner Pensionierung getroffen – und mit ihm über die Zukunft des Tourismus gesprochen.
Damit Sie eine Vorstellung von der Art dieses Gesprächs bekommen: Sind Sie gegangen oder wurden Sie gegangen?
Ich bin gegangen, ganz eindeutig, und habe sogar noch drei Monate länger gemacht als mein zugesagtes Zwei-Jahres-Mandat. Ich hasse den Satz „aus persönlichen Gründen“ und man hat Druck auf mich ausgeübt zu bleiben, mit einem „ich nehme an, du kommst zurück“.
Viermal waren Sie Generaldirektor für Tourismus...
...und einmal für Bildung, mit Cristòfol Soler. In die öffentliche Verwaltung bin ich über den Bildungsbereich gekommen, seit der damalige Ministerpräsident Gabriel Cañellas mir an den Kopf warf: „Du wirst die Hotelfachschule nicht einweihen.“ Ich ahnte Schlimmes, aber er fügte hinzu: „Morgen ernenne ich dich zum Generaldirektor.“ Als ich sein Büro verließ, wurde mir klar, dass er gar nicht präzisiert hatte, in welchem Ressort.
Und doch haben Sie es nie zum Minister geschafft.
Ich habe mich in der Verwaltung, im Maschinenraum der Ministerien, immer sehr wohlgefühlt, und mich haben nie die Hochzeiten, Taufen und Kommunionen motiviert.
"Ende eines Zyklus"
Über die Zukunft des Tourismus wissen wir nur, dass es mehr geben wird.
Es gibt manche, die sich vor Begeisterung überschlagen und verkünden, der Tourismus sei unerschöpflich. Ich dagegen bin besorgt um seine Zukunft, weil wir am Ende eines Zyklus stehen – mit dem Einbruch des deutschen Marktes und dem Auslaufen des Nach-Pandemie-Aufschwungs. Noch mehr Sorgen macht mir das Problem der Bevölkerungsentwicklung, das wir nicht in den Griff bekommen haben und das sehr schwer zu lösen ist. Die dramatischen Wellen auf Ibiza schwappen irgendwann nach Mallorca hinüber, etwa in Form von Elends-Siedlungen.
Schrecken die Proteste gegen die Überfüllung die Touristen ab?
Nein. Sie erschrecken oder beleben die Medien. Ihnen tun sie gut, aber – haben Sie sich etwa jemals um die Situation in den Urlaubszielen gekümmert, in die Sie reisen?
Der Tourist hat in den mallorquinischen Familien das Hausschwein ersetzt, aber musste man die Besucher deshalb in Ställe stecken?
Sie können ruhig schreiben, dass ich mit den agroestàncies – den neu eingeführten Ferien auf dem Bauernhof – nicht einverstanden bin. Und genauso habe ich es den Ministern Bauzá (Tourismus) und Simonet (Landwirtschaft) mitgeteilt. Ich habe an dieser Initiative nicht mitgewirkt. Die Leute wollen das Fleisch der touristischen Ausbeutung ohne den Knochen, abgesehen davon, dass es diese Modalität schon gibt: Sie heißt Agrotourismus und setzt einen landwirtschaftlichen Betrieb voraus.
Die einzige rationale Politik beim Markt der Ferienwohnungen ist, ihn zu verbieten.
Wenn jemand eine Genehmigung bekommen hat, zahlen Sie und ich später die Entschädigung nach dem Verbot – in Barcelona beläuft sie sich bereits auf vier Milliarden. In der letzten Verordnung haben wir „Ferienwohnungen“ auf den Balearen untersagt.
Ratschläge des Vaters befolgt
Haben Ihnen die Hoteliers die Tourismusgesetze diktiert?
Keineswegs. Ich habe in der Politik zwei Ratschläge meines Vaters befolgt: allen zuhören und wissen, wann man Nein sagen muss.
Würden Sie als Urlauber nach Mallorca kommen?
Auf jeden Fall. Die Frage ist nur, wann, und die Antwort lautet: im April, Mai und Oktober. Die Reiseveranstalter sagen mir bereits, dass die „Hitzekrisen“ Kunden eines gewissen Alters abschrecken. Der Klimawandel wird Folgen haben.
Werden Sie einen Trostposten bekommen?
Nein, nein, nein. Und wenn man eine Frage an mich hat, soll man in die Vorhersage des spanischen Wetterdiensts Aemet schauen, denn bei ruhiger See werde ich beim Fischen sein. /pss
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