Nachhaltiger Tourismus: Balearen weisen in der EU den Weg
Ausschuss der Regionen übernimmt zentrale Vorschläge der Balearen zur Neuausrichtung des Tourismus: Im Fokus stehen Nachhaltigkeit, Lebensqualität und regionale Vielfalt

Marga Prohens und Toni Riera am Mittwoch (10.12.) im EU-Parlament in Brüssel. / Caib
Der Europäische Ausschuss der Regionen hat am Mittwoch (10.12.) einstimmig das von der Balearen-Regierung präsentierte Strategiepapier zum nachhaltigen Tourismus verabschiedet. Dieses soll als Fahrplan für die künftige Tourismusstrategie der Europäischen Union dienen.
Das Dokument wurde gemeinsam mit dem Ökonomen Toni Riera erarbeitet, der einer der wichtigsten Berater der Landesregierung ist. Das Papier mit dem Titel „Auf dem Weg zu einem nachhaltigen und widerstandsfähigen Tourismus in der Europäischen Union: Strategie für ein ausgewogenes und adaptives Management“ kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt, da die Europäische Kommission gerade ihre neue Strategie für nachhaltigen Tourismus ausarbeitet und die Empfehlungen des Ausschusses als politische Grundlage nutzen wird. Damit rücken die Inseln in eine einflussreiche Position in einer Debatte, die viele europäische Regionen beschäftigt: Wie lässt sich der Druck des Tourismus auf Wohnraum, Wasser, Mobilität oder sozialen Zusammenhalt steuern?
"Bei diesem Thema vorangehen"
"Wir arbeiten seit 14 Monaten an diesem Strategiepapier. Viele Regionen wollten bei diesem Thema vorangehen, aber auf den Balearen war uns klar, dass wir es selbst tun müssen“, erklärte Ministerpräsidentin Marga Prohens nach der Plenarsitzung im Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Brüssel. Ziel sei es gewesen, die Erfahrung eines reifen Reiseziels wie des Archipels zu nutzen, um die Neuausrichtung des europäischen Tourismusmodells zu unterstützen – „hin zu einem widerstandsfähigen, nachhaltigen und regenerativen Tourismus“.
Während des Verfahrens wurden mehr als 70 Änderungsanträge eingereicht, von denen rund fünfzig – ganz oder teilweise – sowohl im Ausschuss als auch im Plenum übernommen wurden. Prohens betonte, man habe sich nicht darauf beschränkt, die Beiträge „zusammenzukleben“, sondern sie in eine gemeinsame Struktur integriert, um die innere Kohärenz des Textes zu wahren. Das Ergebnis sei ein „konkretes und mutiges“ Dokument, das sich mit Grenzen des Wachstums und Gleichgewicht zwischen Touristen, den Zielgebieten und den Einwohnern auseinandersetze
Das Dokument fasst die Strategie in drei Achsen zusammen:
- Das Wohlergehen der Bürgerinnen und Bürger der touristischen Zielgebiete steht im Mittelpunkt. Das Papier vertritt die Auffassung, dass der Erfolg eines Reiseziels nicht allein an Ankunftszahlen oder dem Bruttoinlandsprodukt gemessen werden könne, sondern an den Auswirkungen, die der Tourismus auf die Lebensqualität der lokalen Bevölkerung hat. "Millionen Bürgerinnen und Bürger verlangen von uns etwas so Einfaches wie dies: dass der Tourismus dazu beiträgt, ihr Leben zu verbessern“, so Prohens. Die Umstellung der Indikatoren sei „eine politische Entscheidung“.
- Die zweite Achse behandelt die sogenannte "adaptive Steuerung“. Demnach sollen Reiseziele mit Daten arbeiten, die Auswirkungen des Tourismus überwachen, Spannungen frühzeitig erkennen und bei Bedarf gegensteuern. Tourismus wird als komplexes System verstanden, in dem jede Entscheidung Kettenreaktionen bei natürlichen Ressourcen, Infrastrukturen, Beschäftigung oder Zusammenleben auslösen kann. Die Steuerung dieses Systems erfordere Beteiligung, Reaktionsfähigkeit und kontinuierliches Lernen.
- Die dritte Achse ist die ausdrückliche Anerkennung der europäischen Vielfalt. Das Dokument hebt hervor, dass Inseln, Regionen in äußerster Randlage, ländliche Räume, Berggebiete, Küstenziele und Großstädte sehr unterschiedliche Realitäten erleben und dass diese Heterogenität nicht als Problem, sondern als Stärke zu begreifen ist. Die Autoren des Dokuments fordern eine differenzierte Politik und auf jedes Gebiet angepasste Instrumente ab, anstatt einheitliche Lösungen für alle vorzusehen.
Besonderer Schutz für Inseln
Im Fall der Inseln enthält die Stellungnahme eine Inselschutz-Klausel, die die Balearen seit Monaten einfordern. Zum ersten Mal wird in einem europäischen Text zum Thema Tourismus festgehalten, dass die Insellage bei der Gestaltung der Politik in Bereichen wie Verkehr, Mobilität, Wohnen oder Innovation berücksichtigt werden muss.
Eine weitere aufgenommene Forderung ist, dass die EU jene Regionen, die gerade mitten im Wandel ihres Tourismusmodells stehen – wie die Balearen – mit finanziellen Mitteln und technischer Unterstützung begleiten soll. Es brauche spezifische Mechanismen vor, um im Tourismus eine höherere Wertschöpfung zu erreichen.
Prohens bekräftigte, dass der Tourismus "nicht grenzenlos und um jeden Preis" wachsen dürfe. "Wir wollen, dass er Ungleichheiten abbaut, die Destination erhält und Ressourcen regeneriert“, sagte sie. Außerdem forderte sie eine stärkere Beteiligung der Regionen an der Ausarbeitung und Umsetzung der zukünftigen Tourismusstrategie der Kommission. Nun beginnt eine Phase, in der all diese Empfehlungen in die Strategie einfließen sollen, die die EU-Kommission für 2026 vorbereitet.
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