Warum plötzlich so viele junge südkoreanische Paare nach Mallorca kommen
Immer mehr frisch verliebte Paare finden den Weg von Fernost auf die Insel. Das kommt nicht von ungefähr

Auch für Südkoreaner ein Muss: ein Foto in Valldemossa. / Instagram: LE_MUGUET_SNAP
Das Profil ist immer dasselbe: Südkoreaner, jung, frisch verheiratet, auf Hochzeitsreise, Aufenthaltsdauer: zwei bis drei Tage. Seit drei Jahren kommen sie in das Hotel Ca’n Bónico von Gori Bonet in Ses Salines. „Korea ist nach Deutschland und Nordamerika für uns mittlerweile der drittgrößte Markt”, sagt Gori Bonet, der auch Vorsitzender der Hoteliersvereinigung von Colònia de Sant Jordi ist. Die Gäste aus Südkorea kommen aber praktisch ausschließlich zu ihm. Bonet hat im Social-Media-Lotto einen Hauptgewinn gezogen.

Das Hotel Ca’n Bónico in Ses Salines. / Gori Bonet / Hotel
„Vor vier oder fünf Jahren waren bekannte koreanische Influencer während ihrer Hochzeitsreise in meinem Hotel untergebracht. Wie wir später aus anderen koreanischen Urlaubern herausbekommen konnten, haben sie auch über ihren Aufenthalt bei uns berichtet“, sagt der Hotelier. Daraufhin hätten schlagartig auch andere junge Paare aus Südkorea den Weg in das Hotel gefunden. Auch ihnen gefiel es, auch sie empfahlen Mallorca für die Flitterwochen weiter. Schneeballprinzip eben.
Drittgrößter Markt
Ein paar Jahre später hält der Hype immer noch an. „Von den 29 Zimmern, die wir haben, sind zwei oder drei stets von Koreanern belegt“, sagt Bonet. Die Frischvermählten wüssten schon bei der Ankunft, wo es schön sei, und welche Buchten auf Mallorca sie aufsuchen wollen. Das Erste, was sie täten, sei zu der „Instagram-Bucht“ Caló des Moro zu fahren“, sagt Bonet. Nach anderen Ausflugsmöglichkeiten oder Informationen fragten sie so gut wie nicht. „Sie sind sehr diskret. Wir haben eigentlich nur an der Rezeption oder beim Frühstück Kontakt mit ihnen.“ Auch in der Hotelbar seien sie nicht anzutreffen.
Wobei es relativ schwierig ist, mit ihnen zu kommunizieren. „Nur die wenigsten sprechen Englisch“, sagt Bonet, „sie sind immer mit ihrem Handy als Übersetzer zugange.“ Damit sich die Koreaner in Bonets kleinem Hotel wohlfühlen, können einige Kellner des Hotels mittlerweile zumindest ein paar Brocken Koreanisch, etwa annyeonghaseyo für Buenos Días“. „Das scheint den koreanischen Gästen zu gefallen“, so der 45-Jährige. Personal zu finden, das mehr Koreanisch spricht, oder gar Koreaner, sei sehr schwierig. „Bisher ist bei mir noch kein solcher Lebenslauf eingegangen“, sagt der Mallorquiner.

Ein Paar in der „Instagram-Bucht“ Caló des Moro. / IG: LEEBUBU_HAUS
Auch Palma lieben sie
„Wenn die Entwicklung so weitergeht, müssen wir uns alle für Sprachkurse einschreiben“, sagt Francisco Serrano, Direktor des Hotel Nixe in Palma und Vorsitzender der Hoteliersvereinigung der Balearen-Hauptstadt zur MZ. Nicht nur er, auch andere Hoteliers in Palma, hätten in den vergangenen Jahren einen deutlichen Zuwachs an südkoreanischen Urlaubern festgestellt. Zunächst war da dieser Fußballer: Kang-In Lee spielte von 2021 bis 2023 bei Real Mallorca. „Seither werden es immer mehr Südkoreaner. Sie lieben Palma und die Insel als romantisches Urlaubsziel“, bestätigt Serrano. Die Gäste seien oft jung und sehr Social-Media-affin.
Auch zuletzt auf der Insel gedrehte koreanische Serien oder Musik-Shows könnten die Beliebtheit Mallorcas bei den potenziellen Urlaubern verstärkt haben, mutmaßt Serrano. Dass der Ansturm mit Eak-tai Ahn zu tun hat, glaubt er eher nicht. Der Musiker und Komponist der koreanischen Nationalhymne hatte in Palmas Stadtviertel Cala Major ein Haus und verstarb hier 1965.

Das Monument zu Ehren von Eak-tai Ahn. / Nele Bendgens
Viele der koreanischen Urlauber würde sich aber freuen, wenn sie beim Bummeln über dem Borne, ganz in der Nähe des Geschäfts Massimo Dutti, an dem Denkmal für den einstigen Chefdirigentin der Balearen-Sinfoniker vorbeikommen. Zumal sich diese Urlauber aus Südkorea auch sonst für Kultur und die Geschichte der Stadt interessierten, sagt Serrano. „Joan Miró etwa wird in der asiatischen Kultur sehr geschätzt. Sie besuchen die Fundació Pilar i Joan Miró, Museen oder die Kathedrale.“

Urlaubserinnerungen eines Paares von 2024. / IG: TAEBANG.NG
Auch Sóller ist beliebt
Serrano vermutet, dass die honeymooners aus Südkorea auf der Insel schon eine feste Route etabliert haben, die sich in ihrem Heimatland herumgesprochen hat und für die Reiseagenturen Pakete anbieten. Auf der liegt offenbar auch Sóller, wie der Vorsitzende der dortigen Hoteliersvereinigung, Lluís Rullán, sagt. „Letztes Jahr waren die koreanischen Urlauber bei mir für vier Prozent der Aufenthalte verantwortlich, in den Jahren zuvor waren es nur 0,12 Prozent, zumeist von Pärchen“, rechnet er vor. „Mittlerweile gibt es kein Halten mehr“, sagt auch der Verantwortliche vom Hotel Sa Tanqueta in Fornalutx. Die Tramuntana sei in Südkorea sehr in Mode, wisse er von den Urlaubern.
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