Wirtschaftsevent der PlattesGroup auf Mallorca: Was in Deutschland jetzt geschehen muss
Das Steuer- und Rechtsbüro PlattesGroup lud Familienunternehmer zu einer Expertentagung in die Motorworld. Zentrale Themen waren der wirtschaftliche und politische Epochenbruch

Die Podiumsdiskussion in der Motorworld. / Thor Schoof
Ende Januar, die ersten Mandelbäume auf Mallorca stehen in voller Blüte. Das Steuer- und Rechtsbüro PlattesGroup hat einmal mehr prominente Akteure aus der Wirtschaft auf die Insel geholt, um in würdiger Kulisse in der Motorworld Mallorca über aktuelle Fragestellungen und Herausforderungen zu debattieren. Die zweitägige Veranstaltung, die am Samstag (31.1.) mit dem Besuch des Chateau Vino de la Isla in Algaida endet, hatte das Motto "Familienvermögen in Krisenzeiten". Und mit einer Bestandsaufnahme der gegenwärtig turbulenten geopolitischen Lage startete der Tag.
Der Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg, Moritz Kraemer, versuchte sich an einer Autopsie des Standortes Deutschland und konstatierte zu Beginn, dass sich der deutsche Anteil an der Weltwirtschaft seit 1990 (damals 8,5 Prozent) inzwischen halbiert hat. Das Wachstum liege seit mehreren Jahren nahe null.
"Die geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland sind zwar seit dem Jahr 2000 um fünf Prozent gewachsen, im EU-Durchschnitt allerdings um zehn Prozent und in den USA um 15 Prozent", sagte Kraemer. Hinzu komme, dass in Deutschland zu wenig investiert werde. Und die Aussichten sind aufgrund der zahlreich in den Ruhestand eintretenden Boomer nicht gerade rosig: "In den nächsten fünf Jahren gehen in Deutschland 2,5 Millionen Arbeitsplätze verloren."
"Deutschland ist bequem geworden"
Deutschland sei "ein bisschen bequem geworden" und habe sich als "Exportweltmeister" lange sicher gefühlt. Doch diese Zeit werde nie wieder zurückkommen. Die Globalisierung, von der Deutschland mit am meisten profitiert habe, sei vorbei. Die wirtschaftliche Unsicherheit, die Donald Trump von den USA aus streue, sei enorm. Die erratischen Vorstöße des US-Präsidenten seien Gift für die Wirtschaft. "Die Direktinvestitionen deutscher Unternehmen in den USA sind eingebrochen, aber auch umgekehrt investieren die US-Firmen nicht mehr in Europa, da sie null Planungssicherheit haben", sagte Kraemer.
Allerdings bezweifelte der Volkswirt, dass Trump mit seiner Haltung noch lange durchkomme. Eine Mehrheit der Staaten stehe nicht hinter ihm und dieser Gegenwind formiere sich gerade. Und: Deutschland stehe im internationalen Vergleich bei Forschung und Entwicklung weiterhin exzellent da. Man müsse das Geld nur statt in alte Muster in neue Technologien investieren.
Goldpreis dürfte weiter steigen
Nach Kraemer war die Bühne frei für Martin Lück, den früheren Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter Blackrock. Auch er hatte sich Donald Trump als Lieblingsgegner ausgesucht und ließ noch einmal die Zolleskalation des US-Präsidenten Revue passieren. Darüber hinaus erklärte er, dass China nach den Zollankündigungen die US-Staatsanleihen deutlich reduziert habe, was wiederum Trump zum Handeln gezwungen habe.
Und so komme es doch meist, wie es kommen müsse: "Trump always chickens out" - also: Trump kneift letztlich doch immer, wie bereits das geflügelte Wort über den US-Präsidenten lautet. Der US-Dollar habe bereits eine deutliche Abwertung erfahren. Im Gegenzug stieg der Goldpreis auf immer neue Rekordhöhen. Auch für 2026 rechnet Lück damit, dass der Goldpreis hoch bleibt. Zudem sei auffällig, dass nahezu das gesamte Wachstum der US-Wirtschaft aus der Branche der Künstlichen Intelligenz stamme. Auch nicht unbedingt risikofrei.
"Europa hat den KI-Trend komplett verschlafen"
Den dritten Impulsvortrag steuerte Sebastian Orbe, Managing Director bei Blackstone, bei. Er beschäftigte sich vor allem mit der Frage, wie die internationalen Stakeholder auf Deutschland und Europa blicken. Und da habe Europa, und speziell Deutschland, durchaus den Ruf, die "Könige der Regulatorik" zu sein. Wobei das nicht nur negativ zu verstehen sei, es könne Unternehmen auch Planungssicherheit bieten. In Sachen KI stellte Orbe Deutschland und Europa allerdings kein gutes Zeugnis aus. "Europa hat den KI-Trend komplett verschlafen."
Auch der Trend hin zu deutlich mehr Robotern in der Wirtschaft sei noch nicht wirklich hier angekommen. In China gebe es bereits eine Million Arbeitsroboter. Der Wettbewerbsvorteil von Deutschland sei weiterhin die geringe Staatsverschuldung, trotz des 500-Milliarden-Euro-Sondervermögens. Dieses müsse nun aber sinnvoll eingesetzt werden.
2026 als Jahr der Umsetzung und der Strukturreformen
In der anschließenden Podiumsdiskussion der drei Experten mit Moderator Sascha Haghani, Managing Partner der Hannover Finanz, herrschte weitgehende Einigkeit: So müssten in der EU Hindernisse abgebaut werden, auch gerade innereuropäische Zölle. Außerdem müsse Europa einiger auftreten, was angesichts der Tendenz der Gesellschaften, zu den Extremen abzugleiten, schwieriger sei denn je.
Deutschland müsse mutiger werden, eine Insolvenz sei kein Todesurteil, sondern vielmehr die Chance auf einen Neustart. "So wird das übrigens in den USA auch gesehen", sagte Martin Lück. Die Abwendung vom Verbrenner-Aus sei das falsche Signal. "Der Ottomotor ist sicher nicht die Zukunft", sagte Volkswirt Kraemer. 2026 werde das Jahr der Umsetzung und der Strukturreform in Deutschland, hofften die Redner abschließend. Allerdings sei die AfD ein "Standortrisiko für Deutschland". "Unternehmen investieren nicht dort, wo Nazis an der Macht sind", sagte Martin Lück.
Chinesische Autoindustrie mit großem Vorsprung
Zum Abschluss des ersten Blocks warf China-Experte Frank Sieren im Gespräch mit Willi Plattes einen Blick auf die Automobilbranche in China. Dort machten E-Autos bereits 50 Prozent der Neuzulassungen aus, sagte Sieren. Die Autofirmen aus Deutschland spielten eine immer geringere Rolle, 2025 waren noch 2,5 Prozent der Neuzulassungen deutsche Fabrikate. Und trotzdem neige die deutsche Wirtschaft dazu, China ein zweites Mal zu unterschätzen.
Demnächst seien die chinesischen Autos auch in Deutschland zu bekommen. Noch sei der Marktanteil sehr gering, noch hätten die Unternehmen die Produktion und das Marketing aber gar nicht ausgerollt. "Der Vorsprung von China ist groß und wir müssen endlich anfangen, ihn realistisch einzuschätzen", appellierte Sieren an Wirtschaft wie Politik. In China gebe es derzeit 130 Autohersteller. "Von denen überleben letztlich wahrscheinlich 120 nicht, aber die zehn werden zu riesigen Playern."
Nüchterne Analysen und anschauliche Erfahrungsberichte
Eine ähnlich nüchterne und ernüchternde Analyse des Wirtschaftsstandorts Deutschland trug am Nachmittag auch Clemens Fuest, der Präsident des Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung vor. In weiteren Themenblöcken ging es um steuerliche und zivilrechtliche Gestaltungsmöglichkeiten von Familienvermögen sowie um Strategien der Unternehmensführung in Zeiten rasanten Wandels.
Besonders anschaulich hier: die Erfahrungsberichte von Torsten Toeller, dem Gründer der Tierbedarfskette Fressnapf, sowie des Hausherrn Andreas Dünkel, dem Gründer der Motorworld Group (hier ein Interview anlässlich der Eröffnung des Standorts Mallorca im April 2025).
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