Restaurants auf Mallorca: Schere zwischen ganz teuer und ganz billig öffnet sich weiter
Juanmi Ferrer, der Chef der Gastronomen, mag nicht von einer Krise reden. Er fürchtet aber um den Mittelstand

Juanmi Ferrer ist Verbandssprecher der Gastronomen und hat die Qualitätsinitiative Palma Beach mit ins Leben gerufen. | FOTO: GUILLEM BOSCH
„Hunderte Restaurants werden schließen müssen. Seit Corona hatten wir kein so schlechtes Jahr“, prophezeite Juanmi Ferrer, der Präsident der Gastronomen-Vereinigung beim Unternehmerverband CAEB, im vergangenen Sommer. Viele Wirte klagten über ausbleibende Gäste und leere Terrassen, von einer großen Krise war die Rede. Nun ist die kalte Jahreszeit gekommen und viele Lokale haben eine Pause eingelegt. Werden sie jetzt nicht mehr aus dem Winterschlaf erwachen? Die MZ hat bei Ferrer, der auch die Qualitätsoffensive Palma Beach anführt, nachgehakt.
Wie ist die aktuelle Lage?
Ohne Zweifel war 2025 das schwächste Jahr seit der Pandemie. Allerdings nicht nur auf Mallorca. Der Umsatz ist in ganz Spanien, Europa und selbst in den USA zurückgegangen. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens hat die Inflation dafür gesorgt, dass die Preise völlig übertrieben gestiegen sind. Dadurch haben wir als Wirte an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Die Urlauber haben weniger Geld im Portemonnaie, da die Reise an sich mehr kostet. Sie geben mehr für Flug und Hotel aus, für die Ausgaben vor Ort bleibt weniger übrig.
Und der zweite Grund?
Die Wirte wollen die höheren Kosten nicht vollständig auf die Gäste abwälzen. Das sorgt dafür, dass die Einnahmen sinken. Die Gastronomen überlegen daher, ob sie in Zukunft überhaupt weitermachen können. Die Tendenz geht dahin, dass viele der Gastronomie den Rücken kehren werden.
Viele MZ-Leser beschwerten sich, dass die Qualität in den Inselrestaurants nachgelassen habe. Liegt das an den geringen Einnahmen?
Es kann passieren, dass einige Lokale bevorzugt auf Billigprodukte setzen. Wer auf Qualität setzt, wird davon aber nicht abrücken. Die Schere geht in dem Sinne weiter auseinander. Es ist schwieriger geworden, Mittelklasse-Restaurants auf Mallorca zu finden.
Unsere Gastroautorin Martina Zender meinte, dass vorrangig die Lokale schließen, deren Qualität mangelhaft ist.
Das trifft den Nagel auf den Kopf. Wobei sich Billiganbieter, wie zum Beispiel Fast-Food-Ketten, halten werden. Die Schließungen haben übrigens gar nicht so viel mit ausbleibenden Urlaubern als Kundschaft zu tun.
Sondern?
In einigen Fällen gehen die Wirte in Rente und die Kinder wollen das Geschäft nicht fortsetzen, da es nicht lukrativ genug ist. Das betrifft in erster Linie die Stadtviertel von Palma. Dort sind die Gewinnspannen niedrig, und die Kundschaft besteht hauptsächlich aus Mallorquinern. Die Einheimischen haben aber kaum Geld. Früher sind die Leute täglich auswärts essen gegangen. Heutzutage ist der Restaurantbesuch meist nur noch einmal am Wochenende möglich. Es ist daher eine Realität, dass nun mehr als 300 Restaurants schließen. Ich will jetzt aber keine Alarmstimmung verbreiten. Das sind normale Anpassungen des Marktes.

Auf den Terrassen war im Sommer nicht so viel los. / DM
"Ich habe nie von einer Krise gesprochen"
Es gibt also keine Restaurantkrise?
Keine Krise. Der Markt ist einfach übersättigt. Wir haben mehr als 12.000 Lokale auf Mallorca. Wenn jetzt aus 300 Lokalen Supermärkte, Friseursalons oder andere Betriebe werden, sprechen wir von zwei bis drei Prozent. Das ist ein logischer Prozess, eine Korrektur. Ich habe nie von einer Krise gesprochen.
Im vergangenen Sommer gab es in Port de Sóller aber durchaus Krisenstimmung. Die Wirte entließen mitten in der Hauptsaison Personal, weil die Gäste ausblieben. War das ein punktuelles Ereignis?
Davon gehe ich aus. Es kamen mehrere Dinge zusammen. Die Jahre zuvor waren sehr gut, und die Restaurants hatten viel Personal eingestellt. Dann gab es mal mit dem Juli einen etwas schwächeren Monat, und die Arbeit ließ nach. Generell war die Saison in Port de Sóller aber gut. Warum war der Juli so schlecht? Ich glaube, da spielten die negativen Schlagzeilen eine Rolle. Viele Urlauber wollten nicht nach Sóller, weil sie die ganze Zeit in den Medien vor Überfüllung und Verkehrschaos gewarnt worden waren.
Welche Möglichkeiten haben die Mittelklasse-Restaurants nun, um eine Schließung zu verhindern?
Die beste Wahl wäre, auf Qualität zu setzen. Das ist aber einfacher gesagt als getan. Dafür braucht man das nötige Know-how. Nicht jeder Gastronom weiß, wie er mit qualitativ hochwertigen Produkten umgehen muss. Ich habe Angst, dass Mallorca deswegen wieder in die Billigschiene abrutscht, der wir gerade entkommen waren. In den Urlaubergegenden haben wir schon die Supermärkte als Low-Cost-Anbieter. Noch günstigere Angebote als Fertigessen braucht es nicht.
Kein Geld für die Hypothek, aber für Restaurantbesuche
Die Leute können sich diese Qualität aber doch gar nicht mehr leisten.
Schon, wenngleich nicht so regelmäßig. Die Leute wollen heutzutage auch beim Restaurantbesuch etwas erleben. Die junge Bevölkerung hat zwar kein Geld mehr, um sich eine Immobilie zu kaufen. Ihre Ersparnisse nutzen sie aber für Reisen oder eben gute Essen.
Wie geht die Preisentwicklung in den Restaurants 2026 weiter?
Die Wirte werden weiterhin vor Erhöhungen zurückschrecken. Denn die Kunden wollen keine höheren Preise zahlen. Allerdings wird das nur bis zu einem gewissen Maß gehen, solange die Fixkosten nicht noch weiter steigen. Meine persönliche Einschätzung ist aber, dass die Phase der Preissteigerungen sich langsam dem Ende zuneigt. Die Lebenshaltungskosten können nicht noch teurer werden.
Viele MZ-Leser meinen, dass die Gastronomen auf Mallorca übertriebene Preise aufrufen.
Die Kunden entscheiden selbst, für welche Lokale sie ihr Geld ausgeben. Ich persönlich reise viel. Wenn ich die Preise in der Karibik, in den USA oder in Deutschland sehe, schneiden wir auf Mallorca noch sehr gut ab.
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