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Bloomberg-Recherchen: Hinter dem Eigentümer des Steigenberger Hotels Camp de Mar könnte der Sohn von Ajatollah Khamenei stehen

Nach Recherchen der Nachrichtenagentur Bloomberg soll der schwerreiche iranische Unternehmer Geschäfte der Machthaberfamilie abwickeln

Finanzieren so manche Strandurlauber in Camp de Mar die iranischen Revolutionsgarden unwissentlich mit?

Finanzieren so manche Strandurlauber in Camp de Mar die iranischen Revolutionsgarden unwissentlich mit? / Nele Bendgens

Nach den Enthüllungen der "Financial Times", dass mit dem iranischen Milliardär Ali Ansari ein schwerreicher Tycoon und mutmaßlicher Geldgeber der iranischen Revolutionsgarden der Eigentümer des von einer deutschen Hotelgesellschaft betriebenen Steigenberger Hotel & Resorts Camp de Mar auf Mallorca sei, hat die Nachrichtenagentur Bloomberg nachgelegt.

Demnach könnte sogar der Arm der iranischen Machthaberfamilie Khamenei nach Mallorca reichen. Monatelange Recherchen hätten ergeben, dass hinter Ali Ansari der zweitälteste Sohn des religiösen Führers Ali Khamenei, Modschtaba Khamenei, steht, so Bloomberg. Er gilt als aussichtsreicher Nachfolger seines Vaters für das höchste Amt des Staates. Al Ansari bestreitet die Verbindung. Das Portfolio des Tycoons erfasst auch noch viele weitere Immobilien, darunter zwei Hilton-Hotels in Frankfurt.

Laut den Recherchen von Bloomberg sind mehrere Iran-Experten und ein nicht genauer genannter westlicher Geheimdienst davon überzeugt, dass Ali Ansari als "Khameneis Geldmann" fungiert, wie es Bloomberg ausdrückt. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" gibt zu bedenken, dass - sollten die Recherchen zutreffen - Gäste der beiden deutschen Hilton-Hotels in Frankfurt indirekt das iranische Regime mitfinanzieren. Im Falle des Steigenberger Hotels & Resort Camp de Mar wäre das dann ebenso der Fall.

Hamburger Gruppe hat das Hotel in Camp de Mar nur gepachtet

Das an den Golfplatz von Camp de Mar gelegene Hotel wird seit 2015 unter der Franchise-Marke Steigenberger - die wiederum der chinesichen Huazhu Group gehört - von der Hamburger Hotelgesellschaft RIMC Hotels & Resorts betrieben. Zwei Jahre später ging das Eigentum der Anlage für "deutlich über 30 Millionen Euro" an eine im karibischen Steuerparadies Saint Kitts and Nevis beheimatete Offshore-Gesellschaft namens ZIBA Leisure Ltd über. Sie hat das Hotelresort über die Royal Golf Hotel Camp de Mar S.A. an RIMC verpachtet. Die "Financial Times" schreibt ZIBA Leisure Ltd. dem Iraner Al Ansari zu.

In einer Pressemitteilung des Steigenberger Hotel & Resorts Camp de Mar ist von einem "klassischen Vermieter-/Mieter- bzw. Pachtverhältnis" die Rede. "Weitere Kenntnisse oder Einbindungen in die aktuell veröffentlichten Berichterstattungen liegen uns nicht vor, sodass wir diese auch nicht bewerten können." Der laufende Hotelbetrieb sei in keiner Weise betroffen, es gelte weiterhin ein "herzliches Willkommen für all unsere Gäste".

Das Steigenberge Hotel & Resort Camp de Mar auf einem Unternehmensbild.

Das Steigenberge Hotel & Resort Camp de Mar auf einem Unternehmensbild. / RIMC

"Korrupter iranischer Banker und Geschäftsmann"

Großbritannien hatte gegen Ali Ansari Sanktionen verhängt, weil er angeblich „feindselige Aktivitäten“ der Revolutionsgarde finanziert habe. Die britischen Behörden bezeichneten Ansari als „korrupten iranischen Banker und Geschäftsmann“ und froren ein Londoner Immobilienportfolio im Wert von mehr als 150 Millionen Pfund ein.

Ali Ansari unterdessen will nichts davon wissen, dass er als Strohmann für Khamenei fungiert. "Herr Ansari bestreitet entschieden, jemals finanzielle oder persönliche Beziehungen zu Modschtaba Khamenei unterhalten zu haben", teilte sein Anwalt Roger Gherson der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" mit.

Laut Bloomberg soll zwischen den beiden Männern eine jahrzehntelange Verbindung bestehen. Ali Ansaris Familie habe sich 1979 in Teheran niedergelassen und sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet. Während seines Wehrdienstes in den 1980er-Jahren soll Ansari dann Modschtaba Khamenei kennengelernt haben. Ansari soll danach durch gute politische Kontakte hochkarätige Staatsaufträge und Importlizenzen an Land gezogen haben. Dann wurde er zum Immobilien-Tycoon und machte sein Vermögen in der Bauindustrie, mit Reedereien und der Erdölverarbeitung. Im Jahr 2009 gründete Ansair die TAT-Bank, ein Vorgänger der Ayandeh-Bank.

Ali Ansaris Familie gehörte die zusammengebrochene Ayandeh Bank

Wie die Recherche der "Financial Times" zeigte, ist das Immobilienvermögen des Bankiers deutlich größer und soll sich auf rund 400 Millionen Euro belaufen. Demnach soll Ali Ansari, dessen Familie die gescheiterte iranische Kreditbank Ayandeh Bank gegründet hatte, über ein Unternehmensgeflecht mit Offshore-Firmen ein weit verzweigtes Immobilienportfolio in Europa aufgebaut haben.

Der Niedergang der Bank im Oktober 2025 gilt als wesentlicher Auslöser für die Proteste, die in den vergangenen Wochen vom Regime brutal niedergeschlagen wurden und nach Berichten von Ärzten und Menschenrechtsorganisationen zwischen 20.000 und 30.000 Tote gefordert haben könnten. Die Bank hatte Schulden im Wert von rund fünf Milliarden US-Dollar angehäuft und meldete Konkurs an. In der Folge und auch aufgrund eines gescheiterten Rettungsversuchs durch die Regierung stieg die Inflation an, was bei den Bürgern des autoritär geführten Landes zu immer mehr Wut führte.

Beide Männer sollen sich seit Jahrzehnten kennen

Der Name Modschtaba Khamenei steht laut den Bloomberg-Recherchen zwar kein einziges Mal explizit in den Kaufunterlagen für Objekte des Immobilienportfolios von Ali Ansari. Dennoch gebe es "klare Hinweise" auf eine enge Verbindung der beiden Männer. So zitiert die Nachrichtenagentur Farzin Nadimi, einen Senior Fellow am Washington Institute for Near East Policy, der das Finanzimperium der Familie Khamenei untersucht hat. Nadimi sagt über Modschtaba Khamenei: "Wenn man sein Finanznetzwerk analysiert, stellt man fest, dass Ali Ansari der Hauptkontoinhaber für ihn ist." Damit sei Ansari einer der einflussreichsten Oligarchen des Landes.

Ali Ansari unterdessen will nichts davon wissen, dass er als Strohmann für Khamenei fungiert. "Herr Ansari bestreitet entschieden, jemals finanzielle oder persönliche Beziehungen zu Modschtaba Khamenei unterhalten zu haben", teilte sein Anwalt Roger Gherson der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" mit.

Laut Bloomberg soll zwischen den beiden Männern eine jahrzehntelange Verbindung bestehen. Ali Ansaris Familie habe sich 1979 in Teheran niedergelassen und sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet. Während seines Wehrdienstes in den 1980er-Jahren soll Ansari dann Modschtaba Khamenei kennengelernt haben. Ansari soll danach durch gute politische Kontakte hochkarätige Staatsaufträge und Importlizenzen an Land gezogen haben. Dann wurde er zum Immobilien-Tycoon und machte sein Vermögen in der Bauindustrie, mit Reedereien und der Erdölverarbeitung. Im Jahr 2009 gründete Ansair die TAT-Bank, ein Vorgänger der Ayandeh-Bank.

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