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Wegen "erheblicher Verunsicherung": Steigenberger Hotel Camp de Mar bittet um Unterstützung und Vertrauen der Gäste

Buchungsplattformen Booking und Expedia stornieren Buchungen im Luxushotel. Hintergrund ist eine mutmaßliche Iran-Connection

Spaziergänger an einem regnerischen Tag in Camp de Mar (Archivbild).

Spaziergänger an einem regnerischen Tag in Camp de Mar (Archivbild). / Cati Cladera / Efe

Ciro Krauthausen

Ciro Krauthausen

Es ist der ungewöhnliche Hilferuf eines in sehr schwieriges Fahrwasser geratenen Luxushotels auf Mallorca: Das Steigenberger Hotel & Resort Camp de Mar bittet in einer Pressemitteilung explizit um die Unterstützung und das Vertrauen seiner Gäste. Das Fünf-Sterne-Haus direkt am Golfplatz Camp der Mar wird von einer deutschen Hotelgesellschaft betrieben, Eigentümer der Anlage ist aber eine spanische Gesellschaft, die wiederum zu einer deutschen Firma gehört, hinter der wiederum laut Recherchen der "Financial Times" letztlich ein mit dem Regime in Teheran eng verbandelter iranischer Banker und Unternehmer namens Ali Ansari stehen könnte. Eine unmittelbare Verbindung besteht nicht, dennoch brechen gerade die Buchungen weg.

"Wir bitten darum, das Hotel, unsere Gäste sowie unsere Mitarbeitenden nicht zum Opfer einer Situation werden zu lassen, für die wir keine Verantwortung tragen", heißt es in einer am Donnerstag (12.2.) veröffentlichten Mitteilung der Direktorin und des Teams des Hotels. "Jede Unterstützung – insbesondere durch fortgesetztes Vertrauen und Buchungen – hilft uns, diese herausfordernde Situation zu bewältigen. Wir werden auch in Zukunft als Ihr Gastgeber auf Mallorca für Sie da sein."

Hotel nicht mehr über Booking und Expedia zu buchen

Hintergrund des Ausrufezeichens ist ein Buchungseinbruch. Wohl aus der Befürchtung heraus, gegen international verhängte Sanktionen zu verstoßen, haben die Buchungsplattformen Booking und Expedia ihre Buchungssysteme für das Steigenberger Camp de Mar geschlossen. Und nicht nur das: Die Plattformen hätten "ohne Wissen und ohne Zustimmung" bestehende Reservierungen storniert, heißt es in der Mitteilung des Steigenberger Hotels.

Gäste, Partner und die Öffentlichkeit seien durch die Berichterstattung über die Ansari-Verbindung nun "erheblich verunsichert". Ein Großteil der Gäste des Steigenberger Camp de Mar sind Deutsche, unter ihnen befinden sich immer wieder auch Prominente. Unter anderem verbrachte hier 2023 die damalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser einen Kurzurlaub.

Die Anlage wird seit 2015 als Pächter von der deutschen Hotelgesellschaft RIMC Hotels & Resorts Gruppe betrieben. Verpächter ist die spanische Gesellschaft Royal Hotel Camp de Mar S.A.. Sie gehört der in Köln ansässigen Kommanditgesellschaft Hotel Camp de Mar GmbH & Co. KG. "Der Verpächter hat uns erneut ausdrücklich versichert und aufgezeigt, dass Herr Ali Ansari nicht Gesellschafter des Verpächters ist", heißt es in der Mitteilung des Steigenberger Camp de Mar.

Das ist die Verbindung zu dem iranischen Geschäftsmann Ali Ansari

Diese Information stimmt auch mit dem Kölner Handelsregistereintrag überein, der der MZ vorliegt. Allerdings ist dort als Bevollmächtigter der Kommanditgesellschaft ein von London aus tätiger Anwalt namens Moris Mashali aufgeführt. Er ist laut der Datenbank von North Data zugleich Co-Vorstand der in Luxemburg registrierten "Tidalwave Holdings I Sàrl". Sie ist eine der Gesellschaften, die dem Iraner Alia Aliakbar Ansari - abgekürzt: Ali Ansari - gehören sollen. Tidalwave Holdings I Sàrl wiederum ist der Holding "Smart Global" übergeordnet. Sie hieß früher Ziba Leisure, ist somit Nachfolgerin jener Dachgesellschaft, die 2017 laut einer Pressemitteilung den Hotelkomplex "für deutlich über 30 Millionen Euro" von deutschen Investoren erwarb.

Die britische Regierung bezeichnet Ansari offiziell als "korrupten iranischen Banker und Geschäftsmann" und hat sein Londoner Immobilienportfolio im Wert von mehr als 150 Millionen Pfund eingefroren. London wirft ihm vor, die von der EU als Terrororganisation eingestuften iranischen Revolutionsgarden - eine zentrale Stütze des Terrorregimes in Teheran - finanziert zu haben.

Auch drei Hotels in Deutschland sollen zum Immobilien-Imperium des Iraners gehören

Laut Recherchen der Nachrichtenagentur Bloomberg soll Ali Ansari zudem eng mit dem Sohn des religiösen Führers Ajatollah Ali Khamenei, Modschtaba Khamenei, zusammenarbeiten. Ansari selbst bestreitet Verbindungen zu den Revolutionsgarden. Europaweit soll sich sein Immobilienvermögen laut der "Financial Times" auf rund 400 Millionen Euro belaufen. Auch zwei Hilton-Hotels in Frankfurt sowie das Schlosshotel Kitzbühel sollen dazugehören.

"Erheblicher wirtschaftlicher Schaden" befürchtet

Für die Mitarbeiter des Steigenberger Camp de Mar ist das alles weit weg, sie fürchten einen "erheblichen wirtschaftlichen Schaden" und damit wohl auch um ihre Jobs. Der laufende Hotelbetrieb sei in keiner Weise betroffen, betonen sie. "Das Steigenberger Hotel & Resort Camp de Mar wird unverändert von der RIMC Hotels & Resorts Gruppe mit einem erfahrenen und engagierten Team geführt. Für unsere Gäste, Geschäftspartner und Mitarbeitenden ergeben sich keinerlei Einschränkungen oder Veränderungen." Das Hotel stehe weiterhin für höchste Servicequalität, Professionalität und ein herzliches Willkommen auf Mallorca.

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