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Die Uhr tickt: Findet sich noch vor Saisonbeginn ein Betreiber der Playa de Palma?

Es sind nur noch wenige Wochen, bis die Hauptsaison im Frühjahr beginnt. An der Playa de Palma herrscht vor allem eins: Unklarheit. Wer hält dieses Jahr den Strandbetrieb am Laufen? Das Rathaus Palma steht unter Druck, hält sich aber auffällig bedeckt

Mallorca im Winter: So sieht es im Februar an der Playa de Palma aus

Patrick Schirmer Sastre

Patrick Schirmer Sastre

Patrick Schirmer Sastre

Ein wenig schmuddelig ist es schon. Weniger das abgestorbene Seegras als der ganze Müll, der hier breit verstreut liegt. Getränkedosen, Flaschen, Sonnenbrillen, abgebrochene Sonnenschirmhalter, ein kaputter Besen, ein Blumentopf. Und die ein oder andere Boje.

Die Brandung schlägt an den Strand. Die Sonne scheint. Es ist Nebensaison an der Playa de Palma. An diesem Vormittag ist es nicht mehr so windig wie in den vergangenen Tagen. Manche Besucher haben sich auf die Plattformen gelegt, auf denen in ein paar Wochen wieder die Wachstände der Rettungsschwimmer errichtet werden. Eine Gruppe mallorquinischer Schulkinder spielt im Sand. Ansonsten aber meiden die meisten den Strand, gehen an der Promenade spazieren. Auf dem Mäuerchen, in der Nähe vom Balneario 3, sitzt Barbara aus Minden. „Wunderschön“ sei es hier. „Das Licht ist ganz besonders.“ Sie kommt häufiger auf die Insel, gerne in der Nebensaison. Auf den Zustand des Strandes angesprochen, zuckt sie mit den Schultern. War schon mal sauberer. Die Freude an der Playa nimmt es ihr nicht.

Es ist ja auch nicht so, dass die Playa zu einer Müllhalde verkommen ist. Aber die Frage, wer in Zukunft dafür sorgt, dass der Strand sauber ist, stellt sich immer drängender. Seit Ende 2025 hat die Playa de Palma keinen Betreiber mehr. Keiner, der in ein paar Wochen die Strandliegen und Sonnenschirme aufstellt. Keiner, der dafür sorgt, dass es Toiletten, Strandduschen, Mülleimer gibt. Knapp drei Jahrzehnte lang hat dies ein Unternehmen namens Mar de Mallorca gemacht. Weitaus länger als die eigentliche Konzession. Zuletzt wurde sie immer wieder verlängert. Salopp gesagt, weil das Rathaus es nicht hinbekommen hat, den Betrieb auszuschreiben. Ende 2025 klappte es dann. Mar de Mallorca hat sich nicht mehr darum beworben, die Bewirtschaftung fortzuführen.

Der Müll an der Playa de Palma wird derzeit nicht weggeräumt.   | FOTO: SCHIRMER

Der Müll an der Playa de Palma wird derzeit nicht weggeräumt. | FOTO: SCHIRMER

„Keine leichte Zeit“

Enrique Vázquez hat 28 Jahre an der Playa de Palma gearbeitet. Am 30. November vergangenen Jahres bekamen er und die rund 60 anderen Mar-de-Mallorca-Mitarbeiter die vorläufige Entlassung ausgehändigt. Laut der Ausschreibung muss die neue Betreiberfirma die Mitarbeiter von Mar de Mallorca übernehmen. Doch mit jedem Tag, der vergeht, wächst die Unsicherheit über die eigene Zukunft. „Es ist gerade keine leichte Zeit“, sagt Vázquez.

Seine Arbeitskollegen und er haben noch Ende 2025 sowohl das Rathaus als auch Mar de Mallorca verklagt. Ein Termin vor dem balearischen Schiedsgericht Tamib scheiterte. Jetzt muss ein Gericht entscheiden, wer für die Mitarbeiter verantwortlich ist. Anders gesagt: Wer im Zweifel die Abfindung zahlen müsste. Der Termin ist für den 16. April angesetzt – es sei denn, das Rathaus hat bis dahin einen neuen Betreiber ernannt.

Wie es um den Bewerbungsprozess steht, ist nicht bekannt. Von der Stadtverwaltung heißt es lediglich, man werde sich erst bei einer Entscheidung äußern. Doch die Uhr tickt. Denn während Mar de Mallorca in den vergangenen Jahren, in denen die Konzession immer wieder verlängert wurde, auf eine bestehende Infrastruktur zurückgreifen konnte, muss eine neue Betreiberfirma schnell zu Potte kommen. Laut der Ausschreibung sollen den Urlaubern im Sommer 4.436 Strandliegen und 2.218 Sonnenschirme zur Verfügung stehen. Deutlich weniger als bislang – Stichwort: klimawandelbedingtes Strandsterben –, aber auch die müssen erst einmal besorgt werden. Ganz zu schweigen von anderen Elementen wie Wasserspielzeugen und Einrichtungen, die sich die Stadtverwaltung von den neuen Betreibern wünscht.

Einen Reinfall beim Betrieb der Playa de Palma kann sich das Reiseziel nicht leisten. Auch deshalb muss das Rathaus bald zu einer Entscheidung kommen. Das ist kein Gefühl, das belegen auch die Zahlen. Derzeit sind rund 30 Prozent der Hotels an der Playa de Palma geöffnet. Ende des Monats sollen es dem Hoteliersverband zufolge 49 Prozent sein. Und Ende März, also in der Woche vor Ostern, sollen den Urlaubern 77 Prozent der Hotels zur Verfügung stehen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 61 Prozent. All diese Gäste sollten sich darauf verlassen dürfen, dass der Strand vor ihrem Hotel ordentlich bewirtschaftet wird.

3,1 Millionen – pro Jahr

3,1 Millionen Euro muss das Unternehmen, das die Playa de Palma betreiben möchte, jährlich an das Rathaus abdrücken. Ein Betrag, der erst einmal erwirtschaftet werden will. Zumal die Konzession mit vielen Investitionen verbunden ist. Und mit festgeschriebenen Ausgaben verbunden ist, etwa den Gehältern der Mar-de-Mallorca-Mitarbeiter. Wie viele Firmen sich beworben haben, ist noch nicht bekannt. Ob sich das überhaupt rechnet, muss sich erst noch zeigen. Damit der neue Konzessionär schwarze Zahlen schreiben kann, hat das Rathaus Palma die Preise für die Dienstleistungen deutlich angehoben. Die Strandliegen, die bislang 6 Euro pro Tag kosteten, werden in der kommenden Saison für 10 Euro vermietet – ein Anstieg um rund 67 Prozent. Gleiches gilt für die Sonnenschirme. Das bedeutet: Ein Tag am Strand für zwei Urlauber kostet inklusive Sonnenschirm und zwei Liegen 30 Euro. Bucht man einen Safe für die Wertsachen hinzu, kommen noch einmal 5 Euro obendrauf. Bislang gab es diese – angesichts der vielen Taschendiebe – durchaus nützliche Dienstleistung für einen Euro.

Das wiederum will der GOB nicht akzeptieren. Mallorcas größter Umweltverband liegt schon seit Jahren mit dem Rathaus Palma wegen der Bewirtschaftung der Strände in der Gemeinde im Clinch. Vor zwei Jahren legten die Aktivisten Beschwerde bei der Stadtverwaltung wegen der Verlängerungen der Konzession für Mar de Mallorca ein. Diese sei rechtswidrig, argumentierte der Verband damals und forderte eine neue Ausschreibung.

Jetzt, wo diese am Laufen ist, hat der GOB neue Unregelmäßigkeiten entdeckt. Die Umweltschützer werfen dem Rathaus vor, sich bei der Ausschreibung nicht an die Ergebnisse eines Finanzgutachtens zu halten, das die Stadtverwaltung selbst in Auftrag gegeben hatte. Das Gutachten habe deutliche niedrigere Preise für die Dienstleistungen an der Playa de Palma ergeben als diejenigen, die in der öffentlichen Ausschreibung festgelegt sind.

Die Folge: exorbitante Preise, die von den Urlaubern und den einheimischen Strandbesuchern getragen werden müssen. „Wir fordern die Stadt auf, die Tarife anzuwenden, die das Gutachten vorsieht und die abgesegnet worden sind“, erklärt eine Sprecherin des Verbands gegenüber der MZ. Eine entsprechende Beschwerde habe man bereits vor Wochen beim Rathaus eingereicht. Eine Antwort stünde noch aus.

„Monatelang gedrängt“

Die Umweltschützer sind bei Weitem nicht der einzige Player, der ganz genau aufpasst, was bei der Ausschreibung passiert. Auch der Hoteliersverband an der Playa de Palma sitzt der Politik im Nacken. Wäre es nach Verbandschef Pedro Marín gegangen, wäre die Ausschreibung deutlich vor November 2025 veröffentlicht worden. „Wir haben monatelang darauf gedrängt.“ In Kürze stünden Treffen mit Vertretern des Rathauses an. Dabei werde man auch beantragen, dass der Strand bald gesäubert wird und dass ordentliche Mülleimer aufgestellt werden.

Die Ansprüche der Hoteliers an die neuen Betreiber sind hoch. Marín macht keinen Hehl daraus, dass er mit dem Playa-Management von Mar de Mallorca alles andere als zufrieden war. Und er weiß, dass er nicht alleine steht. „Wir haben uns mit den Restaurantbetreibern und den Anwohnern zusammengeschlossen.“

Marín schwebt vor, die Playa in einen „unterhaltsamen Strand“ zu verwandeln. Einer, an dem man nicht nur baden und saufend auf dem Mäuerchen sitzen kann. Sondern einer, an dem es unter anderem ein breites Sportangebot gibt. An dem man Wasserspielzeuge ausprobieren kann. Und vor allem auch ein Strand, an dem es mehr gibt. „Mehr Duschen, mehr Stände für Rettungsschwimmer, mehr Zugänge für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.“

Zudem hofft Marín, dass die neue Betreiberfirma ein wenig mehr Wert auf die Ästhetik legt, als es in den vergangenen Jahren der Fall war. Wenn die Playa de Palma zum hochwertigen Reiseziel werden soll, so der Gedanke, dann muss sie sich optisch dem auch anpassen. „Und wenn das bedeutet, dass Premium-Zonen eingerichtet werden, die exklusiver sind, dann bin ich dafür.“ Die erhöhten Tarife findet Marín okay. Im Vergleich mit anderen Mittelmeer-Destinationen liege man damit im Mittel.

Warnung vor Betrügern

In die Hoffnungen auf eine neue Premium-Playa platzte vor wenigen Tagen eine Nachricht hinein. Der Verband Adopuma, in dem sich die Konzessionsnehmer der mallorquinischen Küsten zusammengeschlossen haben, warnte öffentlich vor Betrügern, die versuchen könnten, den Betrieb an der Playa de Palma an sich zu reißen. Demnach gebe es ein Unternehmen, das bereits an anderen Stränden der Insel mit einer Masche für großen finanziellen Schaden gesorgt hat. Diese Firma bewerbe sich bei Ausschreibungen mit überzogenen Versprechungen.

Tatsächlich aber biete das Unternehmen nicht alle Dienstleistungen an, zu denen es sich verpflichtet hatte. Und auch die Konzessionsgebühr und die entsprechenden Steuern würden nicht gezahlt. In Calvià habe die Masche einen Schuldenberg in Höhe von vier Millionen Euro hinterlassen, in Son Servera und Ses Salines seien es jeweils über eine Million Euro gewesen. Und der Rechtsweg für die Rathäuser, aus so einer Nummer wieder herauszukommen, sei nicht leicht. Adopuma steht mit dieser Warnung nicht alleine dar. Auch Pedro Marín erklärt, er habe unabhängig davon das Rathaus kontaktiert, um die zuständigen Entscheider in den Behörden zu warnen.

Wie ernst das Rathaus diese Warnung nehmen wird, ist unklar. Dass die Uhr tickt, steht außer Frage.

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