ITB 2026: Was der Krieg in Nahost für Folgen für Mallorca haben dürfte
TUI-Chef Ebel beschreibt auf der Tourismusmesse ITB die Dynamik drastisch: Wenn eine Destination in die Krise gerät, „saugt“ die andere die Nachfrage auf. Was das für die Mittelmeerziele, die Flugpreise und den Sommer 2026 bedeutet - und wie sich Mallorca in Berlin präsentierte

Inselratspräsident Llorenç Galmés und sein Generaldirektor Guillem Ginard mit MZ-Beilagen auf der ITB 2026. / David Costa
Es waren erst wenige Stunden vergangen seit dem Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran, und auf den Bildschirmen in den Zentralen der internationalen Reisekonzerne zeichnete sich schon eine Verschiebung der weltweiten Reiseströme ab. "Das sieht man sofort", sagte TUI-Chef Sebastian Ebel am Montag (2.3.) bei einem Pressegespräch im Vorfeld der Internationalen Tourismusbörse Berlin (ITB 3.-5.3.). "Wenn eine Destination in eine Krise gerät, saugt die andere das auf." Griechenland, Spanien, Italien, aber auch zum Beispiel die Kapverden, würden nun stark vom Krieg im Nahen Osten profitieren. Der natürlich tragisch und dramatisch sei, das vorweg.

Ciro Krauthausen
Auch an einem sprunghaften Anstieg der Flugpreise zwischen der Schweiz und Mallorca sei die Verschiebung schon in der Nacht von Samstag auf Sonntag zu sehen gewesen, sagt Yannik Erhart, der Chef der Hotelkette Universal, der wie viele Tourismusmanager und Politiker auf Mallorca zur ITB angereist ist.
Dass die Zuspitzung der Lage im Nahen Osten Gewinner und Verlierer hinterlässt, ist hier auch physisch zu erleben: weitgehende Leere in der Halle 2.2, in der sich die Arabischen Emirate und einige ihrer Hotelketten und Fluggesellschaften präsentieren, und geschäftiges Gewusel in der Halle 2.1, wo die Balearen und Andalusien, aber auch Marokko für sich werben. Die einen konnten anreisen, die anderen nicht.
Eine Preiserhöhung ist abzusehen
"Der Konflikt wird sicherlich Auswirkungen haben", sagt der balearische Tourismusminister Jaume Bauzá in einer Präsentation am Balearen-Stand. "Unsere Kapazitäten sind begrenzt, eine Preiserhöhung ist abzusehen, wobei wir die weitere Entwicklung der Ereignisse abwarten müssen."
Damit liegt er in seiner Einschätzung nah an dem, was am Vortag schon Sebastian Ebel auf MZ-Nachfrage zu dem möglichen Umsatzwachstum auf Mallorca sagte: "Mallorca ist eher schon ausgebucht." Weitere Betten für die Unterbringung zusätzlicher Urlauber, die sich nun wieder nach Westen wenden, stünden gar nicht zur Verfügung.
Alltours sieht gestiegene Preissensibilität
Nach eigener Aussage Marktführer in Sachen deutschem Pauschalurlaub auf Mallorca ist Alltours, dessen Hotelkette Allsun auf der Insel über 20 Häuser verfügt. Vertriebschef Georg Welbers und Key-Account-Leiterin Anne Vollmer legen in ihrer Präsentation auf der ITB zwei Schwerpunkte: die gewachsene Preissensibilität der Kunden, auf die die Unternehmensgruppe etwa mit Kinder- und Jugendermäßigungen und günstigerem Cluburlaub reagiere, und das Wachstum in Griechenland, wo fünf neue Allsun-Hotels dazukommen, eines davon das erste Fünf-Sterne-Hotel der Gruppe überhaupt.
Mallorca taucht in der Präsentation so gut wie nicht auf. "Wenn hier ein Wachstum von einem Prozent drin wäre, ist das schon viel", sagt Vetriebschef Georg Welbers in der Fragerunde. Wobei die Insel natürlich weiterhin eine ganz zentrale Rolle für Alltours spiele.

Die balearische MInisterpräsidentin Marga Prohens am 3. März auf der ITB 2026. / CAIB
Mallorca, das ist "Kerngeschäft"
Mallorca, das ist "Kerngeschäft", sagt auch der neue Eurowings-Chef Max Kownatzki bei einem Abendessen mit der Presse. Und darauf dürfte sich die Insel wohl auch weiterhin verlassen können, wenn man den Aussagen der Tourismusmanager Glauben schenkt und die Entwicklung im Nahen Osten mitbedenkt.
Das ist auch das Kissen, auf dem sich Marga Prohens ausruhen kann. Aus dem Rückgang der deutschen Urlauberzahlen im Jahr 2025 um rund 1,7 Prozent weiß die konservative Ministerpräsidentin auf der ITB eine positive Botschaft zu stricken: "Die Deutschen haben entscheidend zur Abflachung der Kurve beigetragen", sagt sie. Gemeint sind damit die saisonbedingten Hochs und Tiefs. Zwar seien im Hochsommer etwas weniger Deutsche auf den Inseln gewesen, dafür aber in der Nebensaison etwas mehr. Zwischen November und März seien es mit 677.622 Urlaubern aus Deutschland 13,3 Prozent mehr gewesen als noch im gleichen Zeitraum 2024/2025 gewesen, wie ihr Tourismusminister im Anschluss noch nachtrug. Wobei der März ja gerade erst angebrochen ist.
Aufwerten, aufwerten, aufwerten
Die Vorteile der Saisonentzerrung, das ist das nicht unumstrittene derzeitige Steckenpferd der Regierung, die ansonsten entschlossen scheint, auf die wiederholt angekündigten Maßnahmen zur Beschränkung des Massentourismus ganz zu verzichten. Prohens sprach zwar auch in Berlin von "Eindämmung und Nachhaltigkeit", doch die als Belege angeführten Maßnahmen sind teils dünn und symbolisch, wie die Deckelung der Kreuzfahrturlauber in Palma, oder das Mindeste, was von ihr verlangt werden kann, wie die Bekämpfung der illegalen Ferienvermietung.

Der balearische Tourismusminister Jaume Bauzá (Mi.) im Gespräch mit TUI-Chef Sebastian Ebel (re.) / C.K.
Die Regierung setzt stattdessen auf die Aufwertung des Angebots, also mehr oder weniger unverhohlen auf, kraft des Marktes, etwas weniger Urlauber, die aber mehr Geld dalassen. Bleiben als Aushängeschilder auf der ITB das "Jahrhundertprojekt" (O-Ton eines fragenstellenden Journalisten) Aufwertung der Playa de Palma, eine bessere, digitale Steuerung der Urlauberströme, die in diesem Sommer an einigen Stränden Premiere feiern soll oder das Kulturangebot der Art Cologne Palma.
Am Ende des Tages treffen sich die Tourismusverantwortlichen der Balearen noch mit Tui-Vorstand Sebastian Ebel. "Wir sind sehr zufrieden, mit dem, was wir haben, und wir werden wieder einen sehr starken Sommer sehen", sagt der Chef des größten Reisenveranstalters der Welt. "Umso mehr wir das Produkt aufwerten, umso besser für alle". Läuft auf Mallorca. Die Insel ist auf der ruhigen Seite der Weltkugel.
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