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"Unser Wachstum auf Mallorca ist noch nicht zu Ende" - Der neue Eurowings-Chef im MZ-Interview

Der 53-jährige Max Kownatzki ist erst seit vier Wochen im Amt und muss bereits auf eine Krise reagieren: Auch Eurowings ist von dem Krieg in Nahost betroffen. Die erste Dienstreise zur wichtigsten Destination Mallorca steht indes erst noch bevor

Max Kownatzki, der neue Eurowings-Chef, vor einem Bildschirm mit den Premium-Sitzen seiner Airline.

Max Kownatzki, der neue Eurowings-Chef, vor einem Bildschirm mit den Premium-Sitzen seiner Airline. / Ciro Krauthausen

Ciro Krauthausen

Ciro Krauthausen

Seine wichtigste Dienstreise steht erst erst noch bevor: Der neue Chef von Eurowings, Max Kownatzki, war noch gar nicht auf Mallorca, der wichtigsten Destination seiner Fluggesellschaft. Der 53-jährige bisherige CEO des Ferienfliegers SunExpress ist erst seit vier Wochen im Amt. Der Nachfolger von Jens Bischof war überhaupt erst einmal auf Mallorca, und das auch nur für drei Stunden: Mit einer Cessna flog er von Vilajoiosa an der Costa Blanca, wo er schon seit vielen Jahren ein zweites Zuhause hat, zu einem Kurzbesuch auf die Insel. Kownatzki besitzt eine kommerzielle Pilotenlizenz.

Wie wirkt sich der Krieg in Nahost auf Eurowings aus?

Wir sind über die Entwicklung im Nahen Osten natürlich alle in Sorge. Eurowings fliegt allerdings nur knapp 30 wöchentliche Frequenzen in die Krisenregion. Im Vergleich zu mehr als 400 Flügen in der Woche nach Mallorca ist das ein sehr geringer Anteil. Mit Blick auf die Gesamtzahl unserer Sitze macht der Nahe Osten gerade mal 2,5 Prozent aus.

Max Kownatzki beim Interview mit der Mallorca Zeitung auf der ITB

Max Kownatzki beim Interview mit der Mallorca Zeitung auf der ITB / Anke Walter

Trotzdem dürfte das auch geschäftlich schmerzhaft sein, oder?

Die Einbußen durch die Sperrung des Luftraums sind schmerzhaft, rücken aber angesichts der geopolitischen Eskalation weit in den Hintergrund: Es geht um Menschen, die in Hotels darauf warten, wieder sicher nach Hause zu kommen. Deshalb setzen wir derzeit alle Hebel in Bewegung, zum Beispiel Gäste unseres Reiseveranstalters Eurowings Holidays aus der Region auszufliegen.

Um wie viele Passagiere handelt es sich?

Laut Deutschem Reisebüroverbund befinden sich derzeit 30.000 Urlauber aus Deutschland vor Ort – darunter auch rund 300 Kunden von Eurowings Holidays.

Eurowings hat stark auf den Dubai-Flug und den Ausbau der Verbindungen in die Golfstaaten gesetzt. Ist das nun hinfällig?

Der Ausbau unseres Netzes Richtung Golf dient insbesondere dazu, die starke Saisonalität eines Ferienfliegers zu glätten und auch im Winter attraktive Sonnenziele anbieten zu können. Außerdem verringern wir damit die starke Abhängigkeit von Zielen im westlichen Mittelmeer, insbesondere Mallorca. Die aktuelle Lage erlaubt keine seriöse Prognose, wie sich die Situation am Golf mittelfristig entwickeln wird.

Das Gefühl, dass es sich um eine sichere Destination handelt, dürfte vorbei sein.

Ich habe gerade sechs Jahre in der Türkei gearbeitet – mit gravierenden Ereignissen wie der Corona-Pandemie oder dem Erdbeben von 2023, das über 100.000 Todesopfer forderte. Die Buchungszahlen haben sich danach wieder viel schneller erholt, als von Experten vorhergesagt. Häufig führen regionale Krisen nur zu einer temporären Verschiebung von Urlauberströmen.

Kommen wir zu Positivem: Mallorca. Man hört, Eurowings will die Basis in Palma ausbauen?

Wir haben bereits acht Flugzeuge in Palma stationiert und sind mit 1.000 Beschäftigten inzwischen ein großer Arbeitgeber auf der Insel. Mallorca macht in der Sommerhochsaison fast ein Drittel unseres Geschäfts aus, auch weil wir Palma mit 26 Flughäfen verbinden. Da wir Jahr für Jahr mehr Kunden von Eurowings überzeugen, ist unser Wachstumskurs noch nicht zu Ende. Mit Initiativen wie dem neuen Premium BIZ Seat werden wir für eine immer breitere Zielgruppe attraktiv.

Wie sieht Ihr Saisonausblick aus?

Die Buchungen im ersten Quartal stimmen uns positiv. Die Nachfrage ist trotz schwieriger Umfeldbedingungen absolut stabil. Allerdings sehen wir für Sommer eine höhere Preissensibilität unserer Kunden.

Das heißt, die Flüge könnten billiger werden, wenn man ein bisschen abwartet.

(Lacht.) Die besten Preise gibt es in der Regel dann, wenn die Flugzeuge noch nicht gut ausgelastet sind. Es war in den vergangenen Jahren selten eine gute Idee, bei Mallorca auf „last minute“ zu setzen.

Ohne in Werbesprech zu verfallen: Was bietet Eurowings den Kunden, was Ryanair nicht bietet?

Ein so hochwertiges Angebot wie den Premium BIZ Seat, da bin ich mir sicher, würde Ryanair nie einführen. Es gibt bei uns flexibles Umbuchen bis 40 Minuten vor Abflug, freie Mittelsitze auch in den hinteren Reihen, Zugang zum Miles&More-Programm, Lounges für Statuskunden und vieles mehr. Gerade Kunden in Deutschland legen Wert auf gewisse Produkt- und Servicestandards. Sie wollen nicht nur von A nach B fliegen, sondern sich an Bord gut aufgehoben und wohlfühlen.

Ryanair-Boss Michael O’Leary schimpft über die Flughafengebühren und die spanische Regierung. Sind Sie da einer Meinung?

Richtig ist, dass die Gebühren im Luftverkehr grundsätzlich eine immens hohe Belastung darstellen. Sie machen inzwischen rund 30 Prozent unserer Kosten aus und haben dazu beigetragen, dass insbesondere der Luftverkehrsstandort Deutschland zunehmend ins Abseits gerät. Die Kosten sind hier um den Faktor 6 höher als in Spanien. Sie führen im Ergebnis dazu, dass viele Airlines einen Bogen um Deutschland machen.

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