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Kultrestaurant in Porto Cristo zieht Reißleine: 60 Prozent der Tische für Mallorquiner reserviert

Um Stammgästen auch in den Sommermonaten einen Tisch zu garantieren, reduziert das Flamingo in Porto Cristo die Anzahl der Plätze für Urlauber

Will, dass Einheimische in sein Restaurant kommen: Jaime Cuadrench vom Flamingo.

Will, dass Einheimische in sein Restaurant kommen: Jaime Cuadrench vom Flamingo. / Sebastià Sansó

Das bekannte Restaurant Flamingo in Porto Cristo reserviert in den Sommermonaten zwischen 50 und 60 Prozent seiner Plätze für mallorquinische Gäste. Damit reagiert der Familienbetrieb nach eigenen Angaben auf die Entwicklung der vergangenen Jahre, als die stark gestiegene touristische Nachfrage zunehmend dazu führte, dass einheimische Kunden kaum noch einen Tisch bekamen.

Verantwortlich für das Lokal ist Jaime Cuadrench Berlinger, der das Restaurant nach dem Rückzug seines Vaters Pepe weiterführt. Er begründet die Entscheidung damit, dass das Flamingo immer auch von der lokalen Kundschaft getragen worden sei. Gerade kleine Geschäfte und Restaurants wie dieses seien über Jahre hinweg von den Menschen vor Ort unterstützt worden. Deshalb wolle man bewusst an der Gemeinschaft festhalten.

Lage spitzte sich nach der Pandemie zu

Nach Darstellung Cuadrenchs hatte sich die Lage vor allem nach der Pandemie zugespitzt. Der Tourismus sei damals stark angesprungen, die Nachfrage habe das tatsächliche Angebot übertroffen. Zwar hätten Agrotourismus und Ferienvermietungen dem Restaurant wirtschaftlich genutzt, zugleich sei aber ein Punkt erreicht worden, an dem auswärtige Gäste die einheimische Kundschaft zunehmend verdrängten. Urlauber hätten oft bereits drei oder vier Tage im Voraus reserviert, sodass am Ende viele Tische besetzt gewesen seien, bevor Stammgäste überhaupt eine Chance gehabt hätten.

Old-School und an der Küste: Jaime Cuadrench vor seinem Restaurant Flamingo.

Old-School und an der Küste: Jaime Cuadrench vor seinem Restaurant Flamingo. / Sebastià Sansó

Hinzu komme, dass Restaurantbesuche wegen der gestiegenen Lebenshaltungskosten für viele Menschen vor Ort seltener geworden seien. Familien, die früher einmal pro Woche auswärts essen gegangen seien, kämen nun oft nur noch ein- oder zweimal im Monat. Wenn sie sich dann dafür entschieden, solle auch ein Tisch verfügbar sein, so Cuadrench.

Terrasse mit spektakulärem Meerblick

Das Flamingo liegt an der Costa d’en Blau in Porto Cristo, oberhalb des Strands, und gilt als eines der bekanntesten Restaurants des Ortes. Trotz seiner weithin bekannten Terrasse mit spektakulärem Meerblick und seiner Popularität in sozialen Netzwerken habe sich am gastronomischen Konzept in den fast vier Jahrzehnten unter Leitung der Familie Cuadrench nichts geändert. Angeboten werde weiterhin eine traditionelle Küche mit gegrilltem Fleisch und Fisch, Tintenfisch und Paellas, ohne moderne Inszenierung und ohne Exzentrik.

„Wir verdanken den Menschen von hier sehr viel, es ist ein ständiger Ausdruck unserer Dankbarkeit.“

Jaime Cuadrench

— Betreiber des Flamingo

Auch an anderer Stelle hält der Betrieb bewusst an seiner Linie fest. Das Restaurant ist jedes Jahr vom 1. März bis Ende Oktober geöffnet. Nach Angaben Cuadrenchs wird zudem versucht, die Preise möglichst stabil zu halten oder nur geringfügig anzuheben. Ziel sei es, dass sich die Menschen von der Insel dort weiterhin wohlfühlen und nicht nur zum Essen, sondern auch auf ein Bier, einen Kaffee oder ein pa amb oli einkehren können.

Für Cuadrench bleibt die lokale Kundschaft der wichtigste Pfeiler des Geschäfts. Der Tourismus sei im Sommer zwar eine gute Ergänzung, der einheimische Gast sei aber seit jeher der Motor des Restaurants. Gerade deshalb müsse man ihn schützen.

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