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Bettenbörse für die Ferienvermietung auf Mallorca: Der Inselrat ändert nach IT-Pannen das Vergabesystem

Nachdem die erste Ausschreibung annulliert wurde, soll nun ein Losverfahren die Vergabe der Betten regeln. Die Opposition übt scharfe Kritik

Der neue Tourismusdezernent Guillem Ginard (Mitte) mit Vertretern der Ferienvermietungslobby.

Der neue Tourismusdezernent Guillem Ginard (Mitte) mit Vertretern der Ferienvermietungslobby. / CIM

Der Inselrat von Mallorca wird die befristete Bettenbörse für die touristische Ferienvermietung nun endgültig in Gang setzen. Nachdem die für September geplante Ausschreibung wegen Ausfällen und Zusammenbrüchen des IT-Systems annulliert wurde, will die Verwaltung nun die auf Mallorca verfügbaren Plätze endlich auf den Markt bringen.

Hinzukommen sollen jene Kontingente, die in der jüngeren Vergangenheit zurückgegeben wurden. Vor sechs Monaten lag die Zahl der angebotenen Plätze bei rund 654; nach Angaben des Inselrats dürfte sie inzwischen deutlich gestiegen sein und heute zwischen 1.000 und 1.200 liegen.

Neuer Tourismusdezernent will Brücken bauen

Das Tourismusdezernat des Inselrats unter Leitung von Guillem Ginard machte die neue Ausschreibung am Rande des 4. Forums für Ferienvermietung von Habturalia öffentlich, das vom Branchenverband Habtur organisiert wurde. Von Habtur hatte es nach der annullierten September-Ausschreibung heftige Kritik gegeben; die Lage sei „skandalös und nicht zu rechtfertigen“ gewesen.

Ginard hat seit seinem Amtsantritt versucht, Brücken zu bauen, nachdem sein Vorgänger José Marcial Rodríguez keinen gemeinsamen Nenner mit den Ferienvermietern gefunden hatte. Der gewählte Rahmen für die heutige Ankündigung ist ein weiteres Zeichen der allmählichen Annäherung beider Seiten – ein bewusst gesetztes Signal.

Am Mittwoch Abstimmung im Inselrat

Nach Bekanntgabe der Ausschreibung äußerte sich die Geschäftsführerin des Ferienvermietungsverbands Habtur, Maria Gibert, zufrieden. Die Öffnung der Bettenbörse ermögliche eine Rotation der Gästebetten.

Über die Ausschreibung soll am Mittwoch (11.3.) abgestimmt werden. Der Inselrat betonte, dass die Vergabe auf dem von der Balearen-Regierung verabschiedeten Dekret zur Eindämmung des Tourismus beruhe und „keine Schaffung neuer Plätze“ bedeute.

Neues Vergabesystem

Der letzte Versuch einer Vergabe der Betten-Lizenzen war gründlich misslungen. Am 1. und 2. September 2025 waren bei der ersten Ausschreibung die IT-Systeme unter der Flut der elektronisch eingereichten Anträge kollabiert. Dadurch ließ sich die tatsächliche Reihenfolge der Bewerbungen um die Gästebetten rechtssicher nicht mehr feststellen.

Vor diesem Hintergrund sah sich der Inselrat gezwungen, ein alternatives Vergabesystem zu suchen. So soll nun das bisherige Kriterium der strikten chronologischen Reihenfolge ersetzt werden. Stattdessen wird eine Bearbeitungs- und Vergabereihenfolge per Losverfahren vor einem öffentlichen Urkundsbeamten festgelegt.

Ziehung wird im Internet übertragen

Die Ziehung wird öffentlich sein und zur Gewährleistung der Transparenz über die öffentlichen Kanäle des Inselrats im Internet übertragen. „Die einzige Änderung gegenüber der vorherigen Ausschreibung betrifft das System zur Bestimmung der Bearbeitungsreihenfolge der Anträge; neu ist außerdem eine Warteliste von sechs Monaten, innerhalb derer Plätze vergeben werden können, die in diesem Zeitraum in die temporäre Börse eingehen“, erklärte Ginard.

Was die Warteliste betrifft, so sei die Zahl der möglicherweise zusätzlich zu den ursprünglich angebotenen Kontingenten hinzukommenden Plätze „ungewiss“, betonte der Insel-Tourismusrat, da sich nicht im Voraus sagen lasse, wie viele tatsächliche Abmeldungen in diesem Zeitraum erfolgen werden.

Parallel dazu arbeitet der Inselrat auch mit der Hoteliersvereinigung von Mallorca (FEHM) daran, das Vergabesystem für jene Plätze festzulegen, die der für Hotelbetriebe reservierten Börse zugeordnet sind.

„Man kann so etwas nicht verwalten, als wäre es eine Tombola“

Die sozialistische Abgeordnete im Inselrat, Joana Maria Adrover, kritisierte die Entscheidung, neue Gästebetten in der Ferienvermietung auf Mallorca auszugeben, scharf und bezeichnete die Situation als „absolut enttäuschend und sehr besorgniserregend“. Ihrer Ansicht nach geschieht dies zu einem Zeitpunkt, in dem „das größte Problem Mallorcas der Wohnraummangel und die Schwierigkeiten vieler Menschen sind, überhaupt eine Wohnung zur Miete oder zum Kauf zu finden“.

Adrover warf dem Inselrat vor, das Angebot an touristischer Vermietung „in dieser Kollaps-Situation“ weiter auszubauen, und warf ihm eine „Fake-Nachhaltigkeit“ vor. Die sozialistische Politikerin kritisierte unter anderem, dass diese Entscheidung getroffen worden sei, „ohne eine Belastungsstudie vorzulegen, obwohl dies ihre Pflicht wäre“ und ohne der eigenen Zuständigkeit nachzukommen, „gegen illegale Ferienvermietung vorzugehen und sie einzudämmen“.

In die gleiche Richtung argumentierte die Sprecherin von MÉS per Mallorca im Inselrat, Catalina Inés Perelló, die insbesondere das gewählte Vergabesystem infrage stellte. „Es überrascht uns, dass der Inselrat beschlossen hat, die Vergabe touristischer Vermietungsplätze per Los zu regeln. Eine öffentliche Verwaltung kann ein solches Verfahren nicht derart willkürlich handhaben, als wäre es eine Tombola“, sagte sie.

Perelló betonte, „öffentliche Entscheidungen müssten auf objektiven Kriterien und dem Allgemeininteresse beruhen, nicht auf dem Zufall“. In diesem Zusammenhang fügte sie hinzu: „Ein Losverfahren kann transparent sein, aber es ist keine Tourismuspolitik.“ Wenn der Inselrat die Verantwortung trage, das touristische Angebot zu regulieren, „dann müsste er klare Kriterien festlegen, die mit dem Territorium, der Nachhaltigkeit und dem allgemeinen Interesse Mallorcas verknüpft sind“.

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