„Wie eine Ohrfeige“: Ein Deutsch-Iraner über seinen Protest vor dem Steigenberger Hotel auf Mallorca und dessen Verbindung zu Chamenei
Er protestierte tagelang vor dem Steigenberger Hotel, weil es einem iranischen Tycoon gehört. Dann kamen der US-Angriff und der Streit um den Krieg

Shahab Farahani bei einer seiner Protestaktionen vor dem Hotel in Camp de Mar. / Privat
Shahab Farahani (37) ist Deutsch-Iraner und lebt seit 13 Jahren auf Mallorca. Fünf Tage lang stand der selbstständige Finanzberater vor dem Steigenberger Hotel in Camp de Mar und protestierte. Anlass waren Recherchen der „Financial Times“, die belegen sollen, dass das Hotel auf Mallorca einem iranischen Tycoon gehört. Der Milliardär Ali Ansari ist wegen mutmaßlicher Finanzierung der Islamischen Revolutionsgarden mit Sanktionen belegt worden und soll auch eng mit Modschtaba Chamenei zusammengearbeitet haben, dem Sohn und Nachfolger des getöteten iranischen Oberhauptes Ali Chamenei.
Welche Verbindung haben Sie zum Iran?
Im Iran bin ich tief verwurzelt, es ist meine Heimat. Wenn ich über den Iran spreche, dann spreche ich nicht als politischer Beobachter, sondern als jemand, dessen Familie von dort kommt. Wenn meine Mutter und meine Großmutter über das Land vor der islamischen Revolution sprechen, sind die Geschichten voller Wärme, Freiheit und Hoffnung. Umso stärker ist der Kontrast zur heutigen Zeit. Besonders als Iraner in der Diaspora fühlt man sich fremd und entwurzelt.
Was haben Sie sich von dem Protest erhofft?
Mein Ziel war vor allem, Aufmerksamkeit zu erregen. Viele Menschen auf Mallorca wissen oft gar nicht, dass internationale Politik und wirtschaftliche Verflechtungen wie im Fall des Steigenberger Hotels mit dem iranischen Tycoon Ali Ansari auch hier auf der Insel überall zu finden sind. Ich wollte Transparenz für die Gäste schaffen, die womöglich gar nicht wissen, wen oder was sie indirekt unterstützen. Meine einzige Forderung war, dass sich das Unternehmen öffentlich zu Menschenrechten bekennt und Gewalt sowie Festnahmen im Iran klar verurteilt oder zumindest Mitgefühl für die Opfer zeigt. Aber selbst das war schon zu viel verlangt.
Wie haben Sie die Außenwirkung wahrgenommen? Gab es Zuspruch?
Die Wahrnehmung war gespalten, aber überwiegend positiv. Viele Menschen waren schockiert und wussten nichts über die Verbindung zu Ali Ansari und der Familie von Chamenei. Es gab viel Zuspruch von der iranischen Diaspora, aber auch von Einheimischen und Touristen. Es gibt jedoch auch Menschen, die einfach wegschauen, weil es anscheinend nur um Urlaub geht. Die Mehrheit versteht aber den moralischen Konflikt.
Kann man den Pächter – in diesem Fall die deutsche Hotelgesellschaft RIMC – dafür verantwortlich machen, dass der Verpächter engen Kontakt zum iranischen Regime hat?
Rechtlich mag der Pächter fein raus sein, moralisch aber nicht. Wer Millionen Euro an Pacht an jemanden zahlt, der unter Sanktionen steht oder als Strohmann des iranischen Regimes gesehen wird, der finanziert das System meiner Meinung nach auch mit. Man kann sich nicht einfach hinter Verträgen verstecken, man trägt auch definitiv Verantwortung dafür mit, wessen Taschen man füllt.
Welche Anhaltspunkte gab es, dass Ali Ansari engen Kontakt zum iranischen Regime und Chameneis Sohn Modschtaba pflegt?
Die britische Regierung hat Ansari als korrupten Banker sanktioniert. Es gibt zahlreiche Berichte unter anderem von der „Financial Times“ und der „Frankfurter Allgemeinen“, die ihn als zentralen Finanzverwalter für die wirtschaftlichen Interessen der Familie Chamenei beschreiben. Er ist Teil der finanziellen Infrastruktur des Regimes und kann auch als Strohmann gesehen werden. Wenn man im Iran nämlich Banker werden will, dann braucht man die Erlaubnis und den Segen vom geistlichen Führer. Klar besteht ein Zusammenhang. Dabei muss man sich auch das Ausmaß vor Augen führen. Sucht man einen Vergleich, kann man sagen, dass Ali Ansari schlimmer ist als beispielsweise ein Jan Marsalek von Wirecard. Die von Ansari gegründete Bank Ayandeh ging bankrott, und es fehlen nun über fünf Milliarden Euro von Privatkonten.
Wie nehmen Sie die aktuelle Lage im Iran persönlich wahr?
Es bricht mir das Herz. Wir sehen eine sehr junge und sehr gebildete Generation im Iran, die ihr Leben für die Freiheit riskiert. Menschen gehen auf die Straße, obwohl ihnen Verhaftung, Folter und sogar der Tod drohen. Jede Nachricht über Hinrichtungen oder neue Verhaftungen trifft mich besonders und macht mir bewusst, wie hoch der Preis ist, den die Menschen im Iran für grundlegende Rechte zahlen müssen. Was mir auch sehr wehtut, ist wie das Leid von uns Iranern über Jahre hinweg ignoriert wurde. Deshalb fühlt es sich für uns aktuell wie eine Ohrfeige an, wenn gerade jetzt, wo es einen Grund für Hoffnung und Veränderung gibt, international darüber diskutiert wird, was für das iranische Volk das Beste ist. Ich verstehe auch nicht, warum die Leute wie zum Beispiel hier in Palma gegen den Krieg auf die Straße gehen, obwohl es für uns Iraner ein Befreiungsschlag ist. Für mich zeigt das vor allem eines: Freiheit und Demokratie erscheinen vielen Menschen als selbstverständlich, solange sie sie nie selbst verloren haben.
Unter welchen Umständen sind weitere Proteste von Ihnen geplant?
Das hängt davon ab, ob es zu einem Regimewechsel kommt. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen habe ich das Ganze vorerst eingestellt. Wenn es jedoch einen neuen Anlass gibt, möchte ich auf jeden Fall weitermachen. Mir geht es dabei aber nicht um Dauerlärm. Protest muss sinnvoll begründet und im richtigen Moment sichtbar sein. Wenn der Regimewechsel also scheitert und die Verantwortlichen weiter schweigen, sind weitere und noch viel krassere Aktionen möglich.
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