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Nach Einwänden der Anwohner: Deutsche müssen Baupläne eines Luxushotels auf altem Casino-Grundstück auf Mallorca ändern

Das seit Jahren verwahrloste frühere Casino in der Nobelsiedlung Sol de Mallorca bei Calvià soll zu einer Luxusunterkunft mit Beachclub und Privatklinik umgebaut werden. Doch Änderungen im Stadtentwicklungsplan dürften den Plänen der deutschen Projektentwickler neue Grenzen setzen

Das alte Casino liegt seit vielen Jahren brach

Das alte Casino liegt seit vielen Jahren brach / Juan Luis Iglesias

Das künftige Luxushotel, das ein Deutscher auf dem Gelände des ehemaligen Casinos in der Nobelsiedlung Sol de Mallorca (Gemeinde Calvià) plant, darf nach den Einwänden der Anwohner wohl nur noch maximal zwei statt der ursprünglich im städtebaulichen Plan vorgesehenen drei Stockwerke haben. So sieht es eine Änderung des Stadtentwicklungsplans (PGOU) vor, die im vergangenen Monat im Gemeinderat verabschiedet worden ist.

Weitere Änderung: Die öffentliche Grünfläche, die die Investoren planen, muss näher an der Hauptallee entstehen, als eigentlich vorgesehen. So soll gewährleistet werden, dass die Anwohner der Gegend diese auch tatsächlich nützen können. Ganz in Stein gemeißelt sind die neuen Pläne noch nicht. Die vollständige Neuordnung wartet noch auf die endgültige Genehmigung.

Das Casino befindet sich seit Jahren in einem völlig verwahrlosten Zustand zwischen Graffiti und Schmutz, nachdem es in den 80er und 90er Jahren seine Glanzzeit erlebt hatte.

Das alte Casino in Sol de Mallorca ist in einem bemitleidenswerten Zustand.

Das alte Casino in Sol de Mallorca ist in einem bemitleidenswerten Zustand. / Juan Luis Iglesias

Villenlandschaft, Privatklinik und Bimmelbahn

Die normative Änderung, die die Umwandlung des Geländes zur touristischen Nutzung ermöglichen wird, ist das Ergebnis einer Vereinbarung zwischen dem rechtskonservativen Regierungspakt von PP und Vox im Rathaus Calvià mit dem Eigentümer des Grundstücks, der "Cala Xada Beach Hotel GmbH & Co. KG" mit Sitz in München und einer Niederlassung in Spanien. Diese hatte das Casinogelände und zwei Nachbargrundstücke vor rund neun Jahren erworben.

Wie Projektentwickler Klaus Trescher in einem MZ-Interview im vergangenen Juni erklärte, wollen er und seine Miteigentümer hochtrabende Pläne an dem Küstengrundstück umsetzen. Statt eines "hässlichen Kastens" solle eine Villenlandschaft auf dem oberen Teil des Casinogrundstücks entstehen. Unterhalb des Hangs, der zum Meer abfällt, soll direkt am Wasser ein Beachclub mit Pools und Restaurant wiederbelebt werden. Bereits in Casino-Zeiten habe es einen solchen Beachclub gegeben, der durch eine kleine Bahn mit dem Gebäude oben verbunden war. Auch diese soll nachgebaut werden. Zudem plant die Gesellschaft auf dem Nachbargrundstück, das einst ein Parkplatz war, eine private Vorsorgeklinik mit Kurpark - eben jener Grünfläche, die nun näher an die Straße gebaut werden soll.

Die Neuordnung des Stadtentwicklungsplans sieht vor, dass die touristische Nutzung nur auf dem alten Komplex erlaubt ist. In den angrenzenden Gebieten hingegen soll sie jedoch verboten werden, "um den ökologischen und landschaftlichen Wert zu erhalten“, heißt es in der Vereinbarung.

Glanz und Niedergang

Das Casino Mallorca wurde in den 1970er Jahren eröffnet und nutzte den Tourismusboom auf der Insel sowie vor allem den neuen rechtlichen Rahmen nach dem Ende des Franquismus. 1977, in einer Phase der Öffnung, wurde das erste Glücksspielgesetz verabschiedet, das Casinos, Bingosäle und Lotterien legalisierte. Damals war das Casino einer der wenigen in Mallorca zugelassenen Spielorte und zog wohlhabende Urlauber an.

Im Laufe der Jahre festigte sich das Casino als Veranstaltungsort für alle Arten von Großereignissen, von Preisgala-Abenden bis hin zu Veranstaltungen politischer Parteien, sowohl von links als auch von rechts. Doch die neuen Zeiten, geprägt vom Aufkommen von Online-Wetten, dem Erscheinen zahlreicher Spielhallen und der Entfernung zu Palma, wirkten sich letztlich gegen das Haus aus, bis es 2011 endgültig geschlossen und in das Einkaufszentrum Porto Pi verlegt wurde.

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