Dubai-Mallorca-Connection: Führt der Nahostkrieg wirklich zu einem Run auf die Insel?
Der Konflikt in Nahost weckt auf der Insel Begehrlichkeiten. Doch nicht alle erwarten, dass Mallorca von Wohlhabenden aus Dubai überrannt wird

Brand in der Nähe des Flughafens Dubai nach einem Drohnenangriff. / STRINGER/Efe
In den vergangenen Jahren hatte man den Eindruck, Dubai wolle Mallorca den Rang ablaufen. Zu attraktiv war die Kombination aus Sommerwetter, wie man es von der Insel kennt, und den Vorteilen eines Steuerparadieses. Wie gemacht für wohlhabende Deutsche, denen die Ansprüche der spanischen Steuerbehörde nicht schmeckten. Influencer wie Ex-"Germanys Next Topmodel"-Teilnehmerin Fiona Erdmann kamen auf die Insel, um kräftig Werbung für Investments im Emirat zu machen. Die deutschsprachige Dubai-Freihandelszone IFZA gründete bereits 2023 medienwirksam ein Büro auf der Insel.
Auch anderweitig schienen die Bande zwischen der Insel und der modernen arabischen Reichenmetropole enger zu werden. Dubais Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktum betreibt seit vielen Jahren über seine Gesellschaft Dubai Holding das Hotel Jumeirah in Sóller, neuerdings gehört es ihm auch. Der Inselrat schickte in den vergangenen Jahren Delegationen zur Tourismusmesse Arabian Travel Market, um die Vorteile eines "verantwortungsbewussten und ausgeglichenen" Tourismus zu bewerben. Die Airline Etihad will diesen Austausch ab Juni mit drei Flügen pro Woche befördern – zwar nicht nach Dubai selbst, aber ins Nachbaremirat Abu Dhabi, wo der ehemalige Mallorca-Fan und Altkönig Juan Carlos I. seit Jahren residiert.
Alles schien also auf verstärkte Verbindungen hinzudeuten. Doch dann kam der Angriff Israels und der USA auf den Iran – und die Vergeltungsschläge, die viele Länder im Nahen Osten treffen. Darunter auch das Emirat Dubai. Plötzlich schien die Zukunft doch nicht mehr so eindeutig zu sein. Und damit entstand eine neue Goldgräberstimmung auf der Insel. Wie sehr könnte Mallorca den Wohlhabenden von Dubai eine Alternative bieten, bei gleich angenehmen Wetter, dafür aber mit mehr Sicherheit?
100.000 Euro Miete pro Woche
Ein aus dem deutschen TV bekannter Makler verbreitete die frohe Kunde, dass die Unsicherheit in Nahost zu einem regelrechten Run auf Mallorca geführt habe. Das Angebot für Ferienvermietungen im Luxussegment werde knapp. Bis zu 100.000 Euro würden teilweise als Miete verlangt – pro Woche. Die Schlagzeilen schrieben sich von selbst.
Doch wie realistisch ist dieses Szenario? Beim Ferienvermieterverband Habtur erklärt Verbandschefin Maria Gibert auf MZ-Anfrage, man habe von einem solchen Run nichts mitbekommen. Sowohl die Nachfrage als auch die Preise bewegten sich im für die Jahreszeit üblichen Bereich. Ähnlich sieht man es bei "Essentially Mallorca". Der seit Jahren auf der Insel aktive Verband für Luxustourismus hat ebenfalls weder eine gesteigerte Nachfrage noch überraschende Entwicklungen bei den Preisen festgestellt.
Auch Hans Lenz vom Immobilienunternehmen Engel & Völkers hält die Nachfrage sowohl im Bereich der Ferienvermietung als auch bei den Verkaufsimmobilien für stabil. "Statt eines Anstiegs gibt es eher einen leichten Nachfragerückgang. Dies ist nicht ungewöhnlich angesichts der geopolitischen Situation. In Krisenzeiten sind die Leute vorsichtiger und warten lieber ab." Wenn, dann würde man die Veränderungen eher mittelfristig sehen. Wobei es auch hier eine Einschränkung gebe: "Wer aus Steuergründen nach Dubai gegangen ist, wird jetzt nicht Mallorca als Alternative auswählen."
Potenzial bei Firmenevents
Potenzial sieht derweil Alessia Comis von der Agentur Pidelaluna, die sich auf Firmenevents spezialisiert hat. „Wer für dieses Jahr ein Event in Asien oder in den USA geplant hat, überlegt es sich noch einmal“, sagt sie. „Asien ist aufgrund der komplizierten Flugverbindungen unattraktiv geworden. Die USA, weil sie eine der Konfliktparteien sind.“ Viele Unternehmen würden sich daher in Europa umschauen. „Wir auf Mallorca profitieren im Gegensatz zu anderen südeuropäischen Zielen davon, weil die Insel das ganze Jahr über gut vernetzt ist. Viele Firmenevents finden eher in der Nebensaison statt.“
Comis glaubt nicht, dass es bis zum Herbst dauern wird, bis man die Auswirkungen auf der Insel spüren wird. „Wer im Mai oder im Juni ein Event geplant hat, hat jetzt noch Zeit, um umzudisponieren. Davon dürften wir auf Mallorca profitieren.“ Dass der Konflikt bald endet und solche Maßnahmen nicht notwendig sind, davon geht laut Comis niemand in der Branche aus.
"Unsicherheit lockt Kapital in andere Regionen"
Der auf Mallorca seit über 25 Jahren tätige Steuerberater Willi Plattes (PlattesGroup) stellt in einem Essay zur Lage im Nahen Osten derweil die Vorteile Spaniens in den Mittelpunkt, die mittelfristig für Investoren ausschlaggebend sein könnten: "Es wäre geschmacklos, von einem Krieg zu profitieren – und es wäre auch analytisch unredlich, einfache Kausalitäten zu konstruieren, wo die Realität komplexer ist. Aber es gibt eine Beobachtung, die ich mir erlaube: Unsicherheit in einer Region lenkt Kapital und Menschen in andere Regionen. Das ist kein Wunschdenken, das ist schlicht das historische Muster."
Mallorca – und Spanien insgesamt – stehe für politische Stabilität, Rechtsstaatlichkeit, geografische Sicherheit und eine Lebensqualität, die international ihresgleichen sucht, so Plattes. "Für vermögende Privatpersonen, Familienunternehmen und Investoren aus dem arabischen Raum, aber auch aus anderen krisennahen Regionen, könnte die Iberische Halbinsel an Attraktivität gewinnen. Nicht weil Mallorca besser geworden ist – sondern weil die Vergleichsalternativen gerade komplizierter erscheinen."
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