Mallorca und der Krieg in Nahost: Was sich jetzt schon alles auf der Insel geändert hat – und was noch kommen könnte
Wie lange der Krieg in Nahost andauert, wird entscheidend dafür sein, welche Folgen er hat. Doch schon jetzt bekommen die Branchen und Verbraucher auf Mallorca sie zu spüren

Symbolbild: Ein voll beladener Einkaufswagen in einem Aldi-Supermarkt. / ALDI
Leicht war die Aufgabe für Antoni Costa am Montagvormittag (16.3.) sicherlich nicht. Der Vize-Ministerpräsident der Balearen traf sich mit Vertretern von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden, um über mögliche Maßnahmen zu sprechen, um der Folgen des Krieges in Nahost Herr zu werden. Sicherlich: Es handelt sich nicht um die erste Krise der vergangenen Jahre. Ein bisschen gibt es eine Vorstellung davon, was unmittelbare Folgen für die Insel sein könnten. Zugleich stellt sich die Frage, inwieweit die Planlosigkeit, mit der dieser Krieg begonnen wurde, dazu führen wird, dass er wieder schnell vorbei ist. Oder ob er sich dadurch erst recht in die Länge zieht.
Auch deshalb endete das Treffen mit einer Erklärung des Politikers, die genauso unbefriedigend wie bezeichnend für die derzeitige Situation ist. Ja, die Balearen-Regierung werde ein Maßnahmenpaket verabschieden, um die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges auf die Unternehmen und die Bürger der Balearen zu lindern. Aber welche Maßnahmen dieses Paket beinhalten werden, vermochte Costa angesichts der unsicheren Lage noch nicht zu sagen. Zumal die konkreten Maßnahmen auf den Balearen auch davon abhängen werden, was die spanische Zentralregierung macht. Wirtschaftsminister Carlos Cuerpo kündigte am Dienstag an, am Freitag ein erstes Maßnahmenpaket zu verabschieden.
Transporteure schlagen Alarm
Viel Zeit bleibt nicht. Denn in manchen Branchen steht den Unternehmen jetzt schon das Wasser bis zum Hals. So etwa bei den Transportunternehmen. Laut Zahlen der spanischen Regierung sind die Preise für Benzin und Diesel seit Kriegsbeginn am 28. Februar um 16 beziehungsweise um 28 Prozent gestiegen. Auf Mallorca schlug am Montag der Chef des Transportverbands, Ezequiel Horrach, Alarm. Viele Firmen müssten die Arbeit einstellen, wenn sich nicht bald eine Lösung für die hohen Kraftstoffpreise finde, erklärte er. Die Spritkosten, die normalerweise rund ein Drittel der Betriebskosten ausmachen, seien seit Kriegsbeginn auf 50 Prozent gestiegen. Das mache die Arbeit unrentabel.
Zumal die gestiegenen Kraftstoffpreise sich auch anderweitig für die Branche bemerkbar machen. Denn die Reedereien haben schon auf die veränderte Lage reagiert und die Preise für den Fährtransport nach oben angepasst. Trasmed verlangt ab sofort vier Euro mehr pro Lademeter und Strecke. Bei Baleària sind es 6,25 für jeden Lademeter auf Hin- und Rückfahrt. Bei einer Insel, die stark von Importen abhängt, kommt da schnell etwas zusammen.

Die Landwirte werden durch hohe Preise für Treibstoff und Düngemittel gebeutelt. / ARCHIVFOTO: TOMEU OBRADOR
Die Landwirte sind ebenfalls doppelt betroffen. Denn neben den gestiegenen Kraftstoffpreisen sind auch die Preise für Düngemittel in die Höhe geschnellt. Wirtschaftsminister Cuerpo bezifferte den Anstieg seit Kriegsbeginn auf 40 Prozent. Für die Branche, die ohnehin durch Dürre, Seuchen und Bürokratie gebeutelt ist, sind die Preiserhöhungen existenzbedrohend, wie der Bauernverband Cooperatives Agro-alimentàries mitteilte.
Auch in der Bauwirtschaft macht man sich Sorgen. Die Branche hängt von zahlreichen Zulieferern ab, die ebenfalls durch die steigenden Preise in Bedrängnis kommen. Zudem ist die Arbeit auf den Baustellen kraftstoffintensiv. Der Verband der balearischen Baufirmen warnte, die Preise könnten mittelfristig zu Baustopps führen. Auch im Straßenbau wird die Entwicklung ebenfalls genau beobachtet. Grund ist Bitumen, ein Erdöldestillat, das als Bindemittel einen der Grundbestandteile von Asphalt ausmacht.
Folgen für die Verbraucher
Bei den Verbrauchern sind die Folgen des Konflikts zunächst in Form von erhöhten Kraftstoffpreisen angekommen. Der Liter bleifreies Benzin kostet auf Mallorca bis zu 1,84 Euro, der Liter Diesel streift an manchen Tankstellen die Zwei-Euro-Marke. Und es ist abzusehen, dass die Preissteigerungen sich auch auf die Lebensmittel auswirken werden. Bartolomé Servera, Vorsitzender der Vereinigung von Lebensmittellieferanten auf den Balearen, sagte Anfang der Woche eine Preissteigerung von sieben Prozent in den kommenden Wochen voraus. Milchprodukte etwa dürften als mit die ersten Waren von der Preisspirale betroffen sein, so Servera.

Lkws am Hafen von Palma: Die Insel ist stark auf Importe angewiesen. / Bernardo Arzayus
Wirtschaftsminister Cuerpo erklärte auch deshalb, die Maßnahmen der Zentralregierung würden sich vor allem auf die am stärksten betroffenen Wirtschaftszweige konzentrieren. Ziel sei es, dass Sekundäreffekte wie beispielsweise die Preissteigerungen bei Lebensmitteln abgefedert werden. Konkrete Maßnahmen nannte er noch nicht. Im Gespräch sind aber unter anderem Steuersenkungen für bestimmte Branchen und strukturelle Förderung von nachhaltigen Energiequellen. Als ausgeschlossen gelten direkte Subventionen für Kraftstoff, wie es sie etwa in den ersten Jahren des Ukraine-Kriegs gab. Autofahrer in Spanien sind wohl erst einmal den Marktpreisen an den Tankstellen ausgeliefert.
Der Tourismus
Auch in der Reisebranche werden die Folgen des Kriegs in Nahost beobachtet. Anfang der Woche erklärte Pedro Fiol, Vorsitzender des Reisebüroverbandes Aviba, dass Flugpreise bei Fernreisen bereits um bis zu 50 Euro gestiegen seien. Auf Kurz- und Mittelstrecken sei dies noch nicht der Fall. „Die Preisspannen auf der Kurzstrecke sind geringer. Die Fluglinien zögern hier mehr, wenn es darum geht, höhere Treibstoffkosten auf die Kunden abzuwälzen“, so Fiol. Auffällig sei jedoch, dass die Billigangebote verschwinden – etwa für Flüge am frühen Morgen.
Beim deutschen Reiseveranstalter Tui hingegen scheint der Konflikt für einen Aufschwung zu sorgen. Am Dienstag gab der Konzern bekannt, die Anzahl der Verbindungen, insbesondere auch nach Mallorca, im April kurzfristig zu erhöhen. Grund sei die gestiegene Nachfrage. Auf Anfrage der MZ erklärte ein Sprecher, dass die Unsicherheit in anderen Urlaubsdestinationen dazu führe, dass die Reisegäste sich nach anderen Zielen umschauten. Davon profitiere die Insel.

Eine Tui-Maschine an einem Flughafen: Im April wurden spontan mehr Flugverbindungen nach Mallorca bereitgestellt. / Tui
Auf Mallorca selbst will man das nur bedingt mitbekommen haben. Sowohl der Ferienvermieterverband Habtur als auch der Hoteliersverband FEHM ließen verlauten, man habe für die kommenden Wochen, insbesondere Ostern, keine besonderen Ausschläge beim Buchungsverhalten wahrgenommen.
Optimistische Unternehmer
Angesichts der unsicheren Lage sorgte Anfang der Woche eine Studie für Erstaunen. Laut den Wirtschaftsprüfern von KPMG hat lediglich ein Viertel der befragten Unternehmen auf den Balearen die Strategie für das laufende Jahr angesichts der Lage in Nahost angepasst. Weitere zehn Prozent planten, dies in den kommenden Wochen zu tun.
Aber die Zuversicht dominiert: 83 Prozent der befragten Unternehmer gaben an, dass die wirtschaftliche Lage auf den Balearen in den kommenden zwölf Monaten stabil bleiben oder sich gar verbessern wird. Und 86 Prozent bewerten die Situation ihres Unternehmens als positiv. So wollte denn auch Vize-Ministerpräsident Antoni Costa am Montag nicht ganz in Katastrophenstimmung verfallen. „Wenn heute der Krieg endet, würden wir schnell zur Normalität zurückkehren“, zeigte er sich zuversichtlich.
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