Streit um Airbnb auf Mallorca: Sind Tausende illegale Anzeigen gar nicht gelöscht worden?
Die Opposition glaubt, dass die vom Inselrat von Mallorca vorgelegten Zahlen nicht stimmen

Urlauber im Zentrum von Palma / Redaktion DM
Vertreter der sozialistischen Oppositionspartei PSIB-PSOE haben Zweifel an den Zahlen geäußert, die Mallorcas Inselratspräsident Llorenç Galmés (PP) zur Löschung illegaler Ferienvermietungsanzeigen vorgelegt hat. Statt der von Galmés genannten 8.000 von Airbnb entfernten Inserate seit Juni 2025 seien tatsächlich nur 3.633 verschwunden, erklärten die Sozialisten.
"Zahlen aufgebläht"
Galmés habe die Zahlen "aufgebläht", beschuldigte die Sozialisten-Sprecherin im Inselrat, Catalina Cladera, und forderte Galmés auf, „zuverlässige Daten“ vorzulegen. Wie sie erklärte, habe ihre Partei Daten aus Plattformen und spezialisierten Websites des Sektors abgeglichen, die einen deutlich geringeren Rückgang zeigen als offiziell angekündigt.
Konkret behauptet die PSIB, dass es im Juni 2025 auf Mallorca 17.114 Ferienvermietungsanzeigen auf Airbnb gab, eine Zahl, die inzwischen auf 13.481 gesunken sei. Das entspräche einer Differenz von 3.633 Anzeigen, "weit entfernt" von den 8.000, die Galmés in der vergangenen Woche genannt hatte.
Die Sozialisten kritisierten zudem die fehlende Transparenz. Galmés habe "keinerlei überprüfbare Daten vorgelegt“. Auch die Vereinbarung zwischen dem Inselrat und der Buchungsplattform Airbnb bezeichneten die Sozialisten als „totes Papier“, da sie keine Klauseln enthalte, die die Plattform über die geltenden staatlichen Vorschriften im Bereich der Ferienvermietung hinaus verpflichten.
Mehr Kontrollen und Sanktionen gefordert
Andererseits beklagten die Sozialisten, dass die Plattform weiterhin illegale Anzeigen beherberge. Als Beispiel führten sie an, dass nach der Ankündigung von Galmés weiterhin zwei illegale Wohnungen im Zentrum von Palma, in der Nähe der Plaça Mayor und der Einkaufsstraße Carrer Sant Miquel, sowie zwei weitere in Alcúdia und Algaida buchbar waren.
Nach Ansicht der PSIB zeigt diese Situation, dass das Problem der illegalen touristischen Vermietung trotz institutioneller Ankündigungen fortbesteht. Die Sozialisten argumentieren, dass die bloße punktuelle Entfernung von Anzeigen deren endgültiges Verschwinden nicht garantiere, da viele ohne wirksame Kontrolle erneut veröffentlicht würden, was die tatsächliche Wirkung der vom Inselrat angekündigten Maßnahmen infrage stelle.
„Es bringt nichts, Entfernungen anzukündigen, wenn die Anzeigen ohne Kontrolle wieder auftauchen“, erklärte Cladera. Sie forderte mehr Kontrollen, Sanktionen und vorläufige Schließungen.
"Absolut richtig"
Derweil betonte der Inselrat am Samstag (11.4.) die „absolute Richtigkeit“ der vorgelegten Daten. Die 8.000 illegal entfernten Ferienvermietungsannoncen bezögen sich auf den Zeitraum zwischen August 2024 und Januar 2026.
Dieselben Quellen aus dem Tourismusbereich der Inselinstitution fügten hinzu, dass die Daten sowohl von der Plattform für touristische Vermietungen selbst als auch von dem spezialisierten Unternehmen Talk & Code stammen, einem in Barcelona ansässigen Technologieunternehmen, das eine spezialisierte Software zur Kontrolle und Regulierung von touristisch genutzten Wohnungen entwickelt. Diese ermöglicht es öffentlichen Verwaltungen, Plattformen wie Airbnb oder Booking zu überwachen, um illegale Unterkünfte zu erkennen, Lizenzen zu überprüfen und die Einhaltung der Vorschriften sicherzustellen.
Rückendeckung von Prohens
Auch die balearische Ministerpräsidentin Marga Prohens, die genau wie Inselratspräsident Galmés der konservativen Partido Popular (PP) angehört, klinkte sich am Samstag (11.4.) in die Diskussion ein und stärkte ihrem Parteikollegen den Rücken. Tatsächlich hätten die Inselräte der Balearen durch Kontrollen vor Ort und Absprachen mit der Buchungsplattform dafür gesorgt, dass in dieser Legislaturperiode insgesamt sogar mehr als 60.000 illegale Touristenbetten vom Markt entfernt wurden. Dies sei ein "historischer Schritt" und ein "wichtiger Beitrag zur Regulierung des Tourismusmarktes auf den Inseln", insbesondere wegen der viel kritisierten Überfüllung und damit einhergehender Konsequenzen wie Wohnraummangel und Massifizierung einiger Orte.
Gleichzeitig betonte Prohens die Wichtigkeit des Tourismus auf den Balearen. Die Inseln seien gerade angesichts des Konflikts im Nahen Osten derzeit ein „Zufluchtsziel“ für viele Urlauber. Dies sei zu begrüßen, dennoch wolle man „die Strategie der Begrenzung fortsetzen und vorsichtig sein“. /somo
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